Baden

Wöchentliches Treffen mit grosser Lebenserfahrung

Marianne Ernst (r.) besucht Christa Scheiwiller wöchentlich. Bis jetzt fanden die beiden Damen immer spannende Themen.

Marianne Ernst (r.) besucht Christa Scheiwiller wöchentlich. Bis jetzt fanden die beiden Damen immer spannende Themen.

Seit 10 Jahren bietet Pro Senectute einen Besuchsdienst für Senioren an – Das Badener Tagblatt war bei einer solchen Begegnung dabei

Die Begrüssung ist herzlich. Die beiden Damen scheint schon eine lange Freundschaft zu verbinden. Doch tatsächlich kennen sie sich erst seit einem halben Jahr. Damals besuchte die 66-jährige Marianne Ernst die 81-jährige Christa Scheiwiller zum ersten Mal in ihrer Wohnung in Dättwil. Sie hätten sich auf Anhieb gut verstanden und von da an schätzen gelernt. «Seither freue ich mich jeweils sehr auf unser Treffen am Montagnachmittag», sagt Scheiwiller. Sie ist eine von 16 Senioren in Baden und Ennetbaden, die vom freiwilligen Besuchsdienst der Pro Senectute Gebrauch machen. Die meisten Treffen finden wöchentlich statt. Viele Senioren reden, diskutieren oder gehen mit ihren Besuchern spazieren.

Christa Scheiwiller und Marianne Ernst trinken erst einen Kaffee, später wollen sie im Quartier spazieren gehen. Sie erzählen von den vergangenen Treffen, als Scheiwiller für eine längere Zeit in einer Klinik war: «Beim wöchentlichen Besuch ging mir die Sonne auf», schwärmt sie. Ernst ist sichtlich gerührt, winkt jedoch ab: Sie finde es einfach sehr bereichernd, Kontakt zu «gelebtem Leben» zu haben. «Ich habe genügend Zeit zum Verschenken und kann so in eine andere Welt hineinwachsen», sagt sie. Sie habe viele spannende Geschichten aus dem Leben der in Ostdeutschland aufgewachsenen Witwe erfahren und bereits ihre Familie kennen gelernt. «Das war für mich ein grosser Vertrauensbeweis», sagt Ernst. «Zudem ist es nicht nur eine oberflächliche Freundschaft.» Christa Scheiwiller nickt ihr bestätigend zu. Marianne Ernst könnte sich vorstellen, später selber vom Angebot zu profitieren. «Es ist einfach wichtig, dass beide Personen neugierig bleiben», erklärt sie das Gelingen. Eine besondere Überraschung habe Christa Scheiwiller diesen Frühling erlebt: Damals wurde sie vom Ehemann von Marianne Ernst zu einer Spritzfahrt mit einem Luxusauto eingeladen. «Von einem Mann abgeholt zu werden und die Fahrt, das war ein tolles Gefühl», erzählt Scheiwiller. Doch auch ihre Besucherin konnte sie schon mehrmals überraschen. «Oft kaufe ich Blumen für sie.» Für einen langen Spaziergang reicht es diese Woche nicht mehr, doch sie gehen noch gemeinsam bis zum Auto von Marianne Ernst. Bevor sie losgehen, folgt bereits die nächste Überraschung: Christa Scheiwiller schenkt ihrer Besucherin eine frische Melone. «Diese kannst du mit deinem Mann geniessen», sagt sie.

Der Besuchsdienst hat Christa Scheiwiller zu neuer Motivation verholfen: Sie hat sich kürzlich für einen Malkurs angemeldet, um wieder mehr unter die Leute zu gehen.

Für heikle Situationen geschult

«Unsere Besucher werden an mehreren Nachmittagen in einem Einführungskurs auf die Situationen vorbereitet», erklärt Roland Guntern, Leiter der Fachstelle für Altersfragen der Region Baden. Darunter auch für heikle Augenblicke: «Es kann vorkommen, dass sie mit schwerwiegenden Problemen und Sorgen der Senioren konfrontiert werden», sagt er. Dafür könnten sie aber an verschiedenen Stellen Hilfe holen. Glücklicherweise sei dies selten. Seit der Einführung des Besuchsdienstes vor zehn Jahren hätten die allermeisten Kontakte gut funktioniert.

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