Baden
Wohin treibts unsere kleine Stadt?

Durch Porträts abstrakte Themen wie Globalisierung, Integration, Mobilität greifbar machen – dieses Ziel hatten Barbara Welter, Leiterin des Historischen Museums Baden, und der Ethnologe Heinz Nigg aus Zürich sich gesetzt.

Rosmarie Mehlin
Drucken
Teilen
Die Macher

Die Macher

In einem Buch und mit Videofilmen haben sie in zweijähriger Arbeit diese Idee realisiert. 30 Porträts wurden geschrieben, 30 Videos gedreht mit Porträts von stadtbekannten ebenso wie von weniger bekannten Badenern, aber genauso von Menschen, die einem fremd erscheinen: einer Inderin, Türken, Mazedoniern, Italienern. Junge Burschen und alte Damen, Büezer, Ingenieure, Künstler, Hausfrauen, Politiker, Rentnerinnen – querbeet.

Menschen «aus einer urbanen Region». So stehts geschrieben unter dem Titel des Buches und zugleich dem der neuen Sonderausstellung im Historischen Museum «Global Town Baden».

Baden: Town statt City

«Das englische Wort ‹Town› ist sicher der richtige Ausdruck für diese Stadt. Baden ist eine Town und nicht eine City. Und global ist Baden auf jeden Fall. Die Frage ist nur, ob und wie sich der wirtschaftlich globale Aspekt von Baden und seiner Region mit der lokalen Kultur und Tradition verbindet – mit dem lokalen Alltag», sagt Christian Schmid, Professor für Soziologie am Departement Architektur an der ETH Zürich in einem der Interviews, die Heinz Nigg ergänzend zu den Porträts für das Buch geführt hat.

Für die Ausstellung ist der Schlossbergplatz sozusagen umgezogen auf die Galerie vom Historischen Museum: An deren weisser Rückwand eilen Leute kreuz und quer zwischen Manor und Moser, spazieren andere plaudernd in die Badstrasse hinein. Wo haben sie bloss ihre farbigen Kleider, die roten, schwarzen, braunen Haare gelassen? Ganz einfach: Die Videoinstallation, mit der Martin Anner aus Wettingen, Absolvent der Fachschule Kunst in Aarau, das Herz der Stadt ins Museum zaubert, ist schwarzweiss.

Mein Verhältnis zu Baden

Anner hat auch die Videofilme gedreht für die 30 Fernsehschirme, die vom Museumshimmel herunterbaumeln. Setzt man einen der bereitliegenden Kopfhörer auf, erfährt man Spannendes aus dem Mund von 11 Frauen und 19 Männer im Alter zwischen 15 und 87 Jahren. Sie erzählen von ihrer Herkunft, ihrem Werdegang, ihrem Verhältnis zu Baden, zur Schweiz, zur Politik. Je hälftig sind es Schweizer und Ausländer.

Ergänzung zum Buch

Ihre Plaudereien erwecken die zwischen Buchdeckel gepackten Erzählungen und Fotos zusätzlich noch intensiver zum Leben und runden die interessanten Porträts attraktiv ab. Zwischen zehn und 20 Minuten dauern die einzelnen Videofilme – je nachdem was und wie viel jemand zu berichten weiss. Und sie können ab Sonntag im Internet unter www.globaltown.baden.ch heruntergeladen werden: eine gelungene Ergänzung zur Buchlektüre.

Aber auch wenn man sich die Videoporträts vor dem Computer daheim zu Gemüte führen kann, ist ein Besuch der Ausstellung lohnenswert. Besonders auch wegen des Begleitprogramms. Dieses umfasst einerseits öffentliche Führungen mit fremdländischem Imbiss – beispielsweise im Oktober mit iberoamerikanischen, im November mit kroatischen Spezialitäten und im Januar mit solchen aus Sri Lanka.

Diskussion über Zukunft

Zwischen November und Januar stehen zudem verschiedene Diskussionsrunden mit illusteren Gesprächsteilnehmern auf dem Programm etwa zum Thema «Welche städtebauliche Zukunft hat die Region Baden?» oder «Mobilität von Wissen, Technik und Menschen – am Beispiel der Region Baden».

«Global Town Baden» Sonderausstellung vom 26. September 2010 bis 30. Januar 2011 im Historischen Museum Baden: Vernissage am Sonntag, 11 Uhr.

Aktuelle Nachrichten