So viele Menschen sassen Jahre nicht mehr im Speisesaal des Verenahofs. Das 2002 geschlossene Hotel ist der perfekte Ort, um den desolaten Zustand des Badener Bäderquartiers zu demonstrieren: Lampen gibt es keine mehr, weswegen die letzten Minuten der Veranstaltung fast im Dunkeln stattfanden.

Die Uhr an der Wand tickt nicht mehr, seit sie an einem längst vergessenen Tag kurz vor halb acht den Geist aufgab. Und die Wände im Untergeschoss des Hotels, in dem auch Schriftsteller Hermann Hesse Hunderte Nächte verbrachte, sind mit unwürdigen Sprayereien verunstaltet.

In diesem verlotterten Ambiente wurde der Bevölkerung das neue Thermalbad präsentiert, für das vor wenigen Wochen das Baugesuch bei der Stadt eingereicht worden war.

Architekt Mario Botta in Baden

Architekt Mario Botta in Baden

Ab 2018 soll es neuen Glanz in das traditionsreiche Stadtviertel bringen. «Das Projekt ist noch lange nicht fertig für uns, wir befassen uns derzeit mit der Detailplanung», erklärte der Tessiner Architekt Mario Botta auf Französisch.

«Zum Beispiel klären wir die Frage, welche Steine für die Fassade des Thermalbades verwendet werden sollen.» Er wünsche sich, dass die Besucher des Bades die besondere Kraft des historischen Ortes zwischen Ennetbadener Hügel und der Stadt spüren werden, sagte Botta.

440 000 Eintritte pro Jahr

Während der Architekt den rund 80 Besuchern das Projekt bildhaft erklärte, präsentierte Stephan Güntensperger, Direktor der künftigen Betreiberin «Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach und Baden», die Zahlen.

Ab dem fünften Jahr rechnen die Betreiber mit jährlich 440 000 Eintritten. Für Bad- und Saunabesucher werden 400 Liegen zur Verfügung stehen, 670 Garderoben und 79 Umkleidekabinen werden gebaut.

Die Wasserfläche beträgt insgesamt 990 Quadratmeter – das entspricht etwa einem Achtel eines Fussballfeldes. 550 Quadratmeter der Wasserfläche werden sich draussen, 440 Quadratmeter drinnen befinden. Geplant sind 240 Restaurant-Plätze, 450 Autoparkplätze und 320 Veloabstellplätze.

100 Millionen Franken Kredit

Kritische Fragen aus dem Publikum gab es nur gerade eine. Benno Zehnder wurde gefragt, ob die Finanzierung denn wirklich sichergestellt sei. Der Bauherr antwortete mit einem lauten und deutlichen Ja.

«Wir sprechen seit Jahren von denselben Zahlen, die von zwei unabhängigen, soliden Kostenschätzungen bestätigt wurden.» Es gelte zu unterscheiden zwischen den Investitionen in das Land, das bereits der Verenahof AG gehöre.

«Dieser Landwert beträgt rund 30, 40, oder 50 Millionen Franken, je nachdem natürlich, was man daraus macht. Andererseits gibt es die reinen Baukosten, die rund 150 bis 160 Millionen Franken betragen werden», erklärte Zehnder.

Rund 100 Millionen Franken werden von einem UBS-Bankenkonsortium als Kredit bereitgestellt, den Rest bezahlen die Verenahof AG, die Stiftung Gesundheitsförderung und Zehnder.

Auch von der «Interessengemeinschaft Schöner Baden» war keine Kritik zu hören. Die Gruppe erklärte ihren Widerstand gegen das aus ihrer Sicht unpassende Projekt kürzlich für beendet – ihre Vertreter folgten den Präsentationen tatsächlich schweigend in der hintersten Reihe des Saales.

Ist der wohlwollende Empfang für Botta und die Bauherrn Hinweis dafür, dass der Weg für das neue Bad endgültig frei ist? Zehnder will es selber noch nicht so richtig glauben: «Bisher hat es tatsächlich noch keine Einsprachen gegeben. Aber dass es dabei bleibt, ist wohl eher unwahrscheinlich.»