Würenlos
Deponie-Gegner drohen Gemeinderat mit Abwahl-Empfehlung – Ammann: «Wir lassen uns nicht erpressen»

Die Betreiber der geplanten Deponie Steindler in Würenlos wollen sie mit einer Mediation retten. Die IG Nein lehnt eine Teilnahme ab – und stellt dem Gemeinderat ein Ultimatum.

Philipp Zimmermann
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In der Höhe der roten Ballone hätte der Aushub zu liegen kommen können: Das zeigte die Aktion der IG Nein zur Aushubdeponie Steindler/Teufermoos in Würenlos (7. November 2020).

In der Höhe der roten Ballone hätte der Aushub zu liegen kommen können: Das zeigte die Aktion der IG Nein zur Aushubdeponie Steindler/Teufermoos in Würenlos (7. November 2020).

zvg

Die geplante Aushubdeponie Steindler in Würenlos steht vor dem Aus, nachdem der Gemeinderat von Würenlos sie wegen des massiven Widerstands auf Eis gelegt hat. Er hat die Fäden in der Hand für die nötige Teiländerung der Bau- und Nutzungsordnung. Ein Türchen lässt er den Betreibern der Dereba AG allerdings offen. Diese wollen die letzte Chance einer Mediation nutzen, bei der sie alle Parteien an einen Tisch bringen und einen Kompromiss aushandeln wollen.

Der grösste Gegner ist die Interessengemeinschaft IG Nein zur Aushubdeponie Steindler/Teufermoos. Vor allem sie hat mit einer Kampagne dafür gesorgt, dass rund 3150 ablehnende Eingaben zur Richtplanänderung beim Kanton eingingen.

Deponie-Gegner fordern definitives Deponie-Aus

Der IG ist die Sistierung nicht genug. Sie hat vom Gemeinderat gefordert, dass er das Deponie-Projekt bis zum 20. Mai endgültig abschreibt und das Gesuch für den Richtplaneintrag abschreibt. Und nicht nur das: Die IG kündigt an, bei den Gemeinderatswahlen aktiv zu werden. Im Schreiben an den Gemeinderat steht, dass die IG ansonsten erneut politisch aktiv werde. Und weiter:

«Aufgrund der anstehenden Gemeinderatswahlen werden wir dem aktuellen Gebaren nicht weiter zusehen. Wir wollen mit Sicherheit beurteilen können, welche Personen wir mit gutem Gewissen bei den anstehenden Wahlen unterstützen können und welche nicht.»

Gemeindeammann Anton Möckel macht den Deponie-Gegnern Vorwürfe. (Bild: 24. Januar 2019)

Gemeindeammann Anton Möckel macht den Deponie-Gegnern Vorwürfe. (Bild: 24. Januar 2019)



Bild: Daniel Vizentini

Gemeindeammann Anton Möckel hat einer Infoveranstaltung vor kurzem geantwortet:

«Es wäre eine schlechte Politik, wenn wir uns erpressen lassen würden.»

Wenn es zu einem runden Tisch komme, nehme der Gemeinderat teil. «Das Mediationsverfahren soll eine Chance haben», sagte Möckel.

Zudem warf er den Gegnern Falschinformationen vor, «die in Richtung Verleumdung gehen. Wir sind in den sozialen Medien bös angemacht worden». Der Gemeinderat sei etwa zum Rücktritt aufgefordert worden. «Wir sehen so etwas als unfair an. Das gehört nicht in unsere Demokratie.»

Auf Facebook hat Roger Moser von der IG darauf reagiert. Moser hat dort laufend zum Thema Stellung genommen. Nun weist er den Vorwurf der Verleumdung zurück und schreibt in der Gruppe «Du bisch vo Würelos!»: «

Bitte schön, dann soll der Gemeindeammann doch mal mitteilen, welche Informationen da nicht richtig waren...»

Deponie-Gegner lehnen Mediation ab

IG-Mitglied Robert Blarer aus Würenlos nahm an der Infoveranstaltung für diese Stellung. «Wir nehmen an der Mediation nicht teil», sagte er. Für die IG sei von Anfang an klar gewesen, dass sie keine Kompromisse eingehe. Das Vertrauen in der Bevölkerung und den Zürcher Nachbargemeinden sei verspielt worden, indem vom kantonalen Leitfaden zur Evaluation von Deponie-Standorten abgewichen worden sei.

Blarer verwies auch auf eine Aufstellung von alt Grossrat Sämi Richner, laut der im Aargau bis 2050 keine Deponien auf wachsendem Terrain notwendig wären. Diese Einschätzung widerspricht den Einschätzungen von Kanton und dem Verband der Kies- und Betonproduzenten Aargau.

Plötzliche Kehrtwende des Kantons

Der Gemeinderat Würenlos hat bei der Sistierung einen Alternativstandort im Gebiet Gchütt/Lugibach wieder ins Spiel gebracht. Gemeindeammann Möckel bestätigte, dass dieser Standort erst priorisiert worden ist. Wegen des Lägernschutzdekrets habe der Kanton aber an einer Sitzung eine plötzliche Kehrtwendung vollzogen.

Möckel räumte ein, dass die «Geheimhaltung für uns Behörden sein grosses Problem» ist. Dieser wird vom Kanton vorgegeben. «Es ist uns nicht einfach gefallen, Otelfingen nichts sagen zu dürfen.» Die Zürcher Nachbargemeinde zahle schliesslich jedes Jahr 15'000 Franken an das Würenloser Schwimmbad. Möckel: «Den Leitfaden muss man überarbeiten.»