Würenlos
Es geht um 400'000 Franken: Gmeind entscheidet über zinslose Darlehen für zwei Vereine

Reitverein und Sportverein Würenlos brauchen Geld für Bauprojekte. Statt eines Gemeindebeitrages schlägt der Gemeinderat zinslose Darlehen vor, die in Raten zurückgezahlt werden sollen.

Philipp Zimmermann
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Die Visualisierung des zukünftigen Clubhaus des SV Würenlos neben dem Sportplatz Tägerhard.

Die Visualisierung des zukünftigen Clubhaus des SV Würenlos neben dem Sportplatz Tägerhard.

zvg

Bereits am 28. Januar 2019 entschied der Gemeinderat von Würenlos, dem Reitverein Würenlos und Umgebung ein zinsloses Darlehen von 250'000 Franken zu gewähren. Im August 2020 wurde das Geld ausbezahlt. Doch bei der Überprüfung der Rechnung 2020 «stellte die Revisionsgesellschaft fest, dass dies so nicht korrekt ist, weil für diese Art von Darlehen der Beschluss der Gemeindeversammlung erforderlich ist», schreibt der Gemeinderat im Traktandenbericht zur Gmeind vom Dienstag (19.30 Uhr).

Der Hintergrund: Der Reitverein hat dieses Jahr auf zwei Baurechtsparzellen der Ortsbürger seine neue Reithalle und einen Reitplatz erstellt. Im April 2019 hatte die alte Reithalle dem Werkhof Tägerhard weichen müssen. Der Reitverein hat zwar günstige Konditionen für den Baurechtszins von den Ortsbürgern erhalten, so der Gemeinderat, doch er muss Investitionskosten in Höhe von 1,1 Millionen Franken stemmen, allein 800'000 Franken für die Reithalle, weitere Kosten für den Abriss der alten Halle sowie für die Miete eines Ersatzzeltes.

850'000 Franken bereits aufgetrieben

Nun hat der Reitverein zwar 300'000 Franken selbst berappt, aus dem Swisslos-Fonds 250'000 Franken erhalten und 300'000 mit einem Bankdarlehen finanziert. Für den Rest hat er beim Gemeinderat um einen Gemeindebeitrag ersucht. Dieser habe schon vor einiger Zeit signalisiert, dass die Gemeinde dem Traditionsverein, der weit über die Region hinaus Beachtung finde, finanziell unter die Arme greifen werde, um die Zukunft einer neuen Reithalle zu sichern. Der Gemeinderat entschied sich für ein zinsloses Darlehen. Gemäss Darlehensvertrag beträgt die Laufzeit 20 Jahre. Das Darlehen soll in jährlichen Raten à 12'500 Franken zurückbezahlt werden, erstmals per Ende 2021.

Um die Emissionen (Verkehr, Lärm) für das in mittlerer Distanz entfernte Wohnquartier gering zu halten, dürfe der Reitverein seine Halle pro Jahr maximal fünfmal an Dritte vermieten (womit er auch Einnahmen generiert). Die Gemeinde Würenlos hat zudem das Recht, die Reithalle in Zukunft unentgeltlich für eigene Anlässe zu nutzen.

Beitrag der Gemeinde sei unverzichtbar

Die Gmeind entscheidet auch über ein zinsloses Darlehen von 150'000 Franken für den Sportverein Würenlos (SVW). Dieser will im "Tägerhard" neben dem neuen Sportplatz ein Vereins- und Garderobengebäude erstellen. Ohne ein Garderobengebäude sei der Betrieb beim Sportplatz umständlich. Im Jahr 2015 hatte die Gemeindeversammlung einen Baukredit für die Sportanlage "Tägerhard" genehmigt. Dabei wurde vereinbart, dass die Gemeinde den Sportplatz erstellt und der SVW selbst für den Bau des Club- und Garderobengebäudes verantwortlich ist beziehungsweise dafür aufkommen muss.

Der SVW geht für das projektierte Gebäude von rund 700'000 Franken Kosten aus. Der Verein rechnet mit Eigenmitteln von zirka 150'000 Franken und Eigenleistungen von zirka 50'000 Franken. Ausserdem erwartet er einen Sport-Toto-Beitrag von 250'000 Franken. Ein Beitrag von der Gemeinde in Form eines Darlehens sei unverzichtbar, um die Finanzierung gewährleisten zu können, schreibt der Gemeinderat im Traktandenbericht.

Die öffentliche Hand habe bereits mit den sehr günstigen Konditionen für das Baurecht einen namhaften Beitrag geleistet. Der Gemeinderat befürworte daher die Gewährung eines zinslosen rückzahlbaren Darlehens anstelle eines weiteren Gemeindebeitrags. Als Gegenleistung für das Darlehen hat sich der SV Würenlos bereit erklärt, die Organisation der jährlichen Würenloser Bundesfeier für die kommenden Jahre zu übernehmen. Das Darlehen soll innert 10 Jahren zurückbezahlt werden, in jährlichen Raten von 15'000 Franken.

Drittes Geschäft mit Sportplatz-Bezug

Der Gemeinderat will das Baurecht der Einwohnergemeinde auf der Tägerhard-Parzelle des Sportplatzes erweitern, und zwar um den neu erstellen Begegnungsplatz. Die Baurechtsdauer soll zudem von 30 auf 40 Jahren erhöht werden, in Angleichung an das Baurecht für das Garderobengebäude. Die Parzelle gehört den Ortsbürgern und liegt in der Spezialzone Sportanlagen Tägerhard. Die Baurechtsfläche erhöht sich um rund 2500 auf 17'500 Quadratmeter, der Baurechtszins auf knapp 5500 Franken jährlich. Die Ortsbürger stimmen über dieses Geschäft am 17. Juni ab.