Würenlos
Umstrittene Deponie: Ammann kritisiert Gegner für Ballon-Aktion – die weisen die Vorwürfe zurück

Gibt die Ballon-Aktion zur geplanten Aushubdeponie Steindler ein falsches Bild ab, wie das der Würenloser Gemeindeammann Anton Möckel den Gegnern vorwirft? Diese widersprechen.

Philipp Zimmermann
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Die Ballon-Aktion der Gegner sollte die Ausmasse der Deponie-Aufschüttungen aufzeigen, die gemäss Planungsbericht durchschnittlich 9,5 Meter betragen.

Die Ballon-Aktion der Gegner sollte die Ausmasse der Deponie-Aufschüttungen aufzeigen, die gemäss Planungsbericht durchschnittlich 9,5 Meter betragen.

Bild: zvg

Der Würenloser Gemeindeammann Anton Möckel hat die Gegner der geplanten Deponie Steindler wegen ihrer Ballon-Aktion kritisiert. Bei dieser hatte die IG Nein zur Aushubdeponie Steindler/Teufermoos im November rote Ballone mit Seilen in die Höhe steigen lassen. Mit Video und Fotos zeigten die Gegner auf, bis auf welche Höhe das Aushubmaterial dereinst abgelagert wird.

Anton Möckel, der Gemeindeammann von Würenlos.

Anton Möckel, der Gemeindeammann von Würenlos.

Daniel Vizentini (24.01.2019)

Anton Möckel kritisierte gegenüber dieser Zeitung:

«Die Masse waren nicht korrekt.»

Und weiter: «Die Terrainmodulationen werden erst im Bauprojekt ausgearbeitet und landschaftlich verträglich gestaltet.» Zudem hätten die Gegner die Landeigentümer nicht gefragt, ehe sie für die Aktion zur Tat schritten.

Wie reagieren die Gegner auf die Vorwürfen? Für IG-Sprecher Roger Moser sind diese nicht neu. «Erstmals habe ich von der vermeintlich falsch umgesetzten Aktion durch Pascal Pfeffer von der SVP Würenlos via Facebook erfahren», antwortet er.

Die Vorwürfe weist er aber zurück:

«Als Basis für die Bestimmung der einzelnen Punkte sowie der entsprechenden Höhe wurden die Planunterlagen der Vernehmlassung verwendet.»

Diese hat der Kanton veröffentlicht. Erstellt habe sie der Planungsverband Baden Regio zusammen mit einem Planungsbüro, führt Christoph Bürgi, Planer bei der zuständigen kantonalen Abteilung Raumentwicklung, aus. «Die Ballon-Aktion wurde auf privater Initiative ergriffen und durchgeführt. Auf welche Grundlagen sich diese Aktion abstützt, ist dem Kanton nicht bekannt», so Bürgi.

Für die Ballon-Aktion sind 65 Positionen mittels GPS bestimmt und diesen eine klar definierte Höhe zugewiesen worden, so Roger Moser. «Die Seillängen respektive die Ballonhöhen lagen im Bereich von einem bis 16 Metern. Diese maximale Höhe wurde an drei Punkten verwendet.» Zwar seien Abweichungen durchaus möglich. «Im Verhältnis zur effektiven Höhe waren diese jedoch sehr gering.»

Moser weiter: «Wenn nun also Anton Möckel sagt, die Ballon-Aktion war nicht korrekt und die Höhen falsch – den Ball spielen wir gerne zurück. Im Umkehrschluss bedeutet dies nichts anderes, als dass die Unterlagen der Vernehmlassung nicht korrekt sind.»

Visualisierungen stossen auch auf Kritik

Das aktuelle Deponieprojekt sieht gemäss Planungsbericht zur Richtplan-Anpassung vor, ab zirka 2023 auf einer Fläche von 16,9 Hektaren 1,63 Millionen Kubikmeter unverschmutzten Aushub abzulagern. Während neun Jahren wären es jeweils 175'000 Kubikmeter.

Dabei würde die bestehende Oberfläche um durchschnittlich 9,5 Meter angehoben. Die maximale Schutthöhe beträgt 19,5 Meter. Im Planungsbericht finden sich fünf Visualisierungen, wie sich die Landschaft aufgrund des aktuellen Projekts verändern würde. Dort ist von einem «End-Zustand» die Rede.

Visualisierung aus dem Planungsbericht: Ist-Zustand mit Blick Richtung Norden, Kamerastandort südlich vom Perimeter auf 180 Metern Höhe.

Visualisierung aus dem Planungsbericht: Ist-Zustand mit Blick Richtung Norden, Kamerastandort südlich vom Perimeter auf 180 Metern Höhe.

Quelle: ilu AG, (25.10.2019)
Visualisierung aus dem Planungsbericht: End-Zustand mit Blick Richtung Norden, Kamerastandort südlich vom Perimeter auf 180 Metern Höhe.

Visualisierung aus dem Planungsbericht: End-Zustand mit Blick Richtung Norden, Kamerastandort südlich vom Perimeter auf 180 Metern Höhe.

Quelle: ilu AG, (25.10.2019)

Genau diese Visualisierungen stossen bei der IG auf Kritik. «Einen geplanten Hügel von knapp 20 Metern Höhe aus einer Distanz von einigen hundert Metern in einer grossen Höhe zu visualisieren, ist mehr als fraglich», sagt Sprecher Roger Moser.

Er bedauert, dass «viel Geld für unprofessionelle Visualisierungen ausgegeben» wurde. Die IG würde es begrüssen, «wenn die Initianten der Deponie eine vergleichbare Aktion durchführen würden. Dabei könnte die Bevölkerung im Vorfeld offiziell informiert werden, sich die Sache anschauen und eine Beurteilung vornehmen».

Ein weiteres Bild der Deponie-Gegner von ihrer Ballon-Aktion.

Ein weiteres Bild der Deponie-Gegner von ihrer Ballon-Aktion.

Bild: zvg

In Sachen Grundeigentümer antwortet Moser auf Möckel: «Die Ballone wurden entlang der öffentlich zugänglichen Wege montiert. Die Grundstücke mussten hierfür nicht betreten werden.» Man habe die Aktion im Vorfeld bewusst nicht angekündigt. «Wir wollten möglichen Störaktionen vorbeugen.»

Mit einer Schere hätte man die Aktion innert in Kürze ruinieren können. Ein einziges Grundstück, die Wiese entlang des Birchwäldlis, sei betreten worden, um einige Ballone zur Visualisierung der steilen Böschung zu montieren. «Das Grundstück wird aber von einem Mitgründer der IG bewirtschaftet.»

Hier finden Sie die Dokumente zur Richtplan-Anpassung, die der Kanton veröffentlicht hat.