Würenlos
Sieben Fragen zur umstrittenen Deponie Steindler : So kontert der Gemeinderat die Kritik der Gegner

Naturschützer machen mit einer Petition mobil gegen das Projekt im Steindler – das sind die Antworten des Gemeinderats auf einige Kritikpunkte.

Philipp Zimmermann
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Aktion von Deponie-Gegnern: Die Ballone sollen zeigen, bis zu welcher Höhe der Aushub zu liegen kommt. Doch das sei noch nicht klar, sagt Gemeindeammann Anton Möckel.

Aktion von Deponie-Gegnern: Die Ballone sollen zeigen, bis zu welcher Höhe der Aushub zu liegen kommt. Doch das sei noch nicht klar, sagt Gemeindeammann Anton Möckel.

Bild: zvg

Die geplante Aushubdeponie Steindler in Würenlos sorgt für Kritik. Auf die Vernehmlassung gingen mehrere tausend Stellungnahmen beim Kanton ein; die genaue Zahl steht gemäss Rückfrage noch nicht fest, die Auswertung dauert an. Der Natur- und Vogelschutzverein startete auf petitio.ch eine Onlinepetition gegen die Deponie. 341 Unterschriften kamen zu Stande. Nun antwortet Gemeindeammann Anton Möckel (parteilos) auf Kritikpunkte der Petitionäre und Fragen der AZ:

Was sagt der Gemeinderat zu den 341 Unterschriften?

Das sei eine «beachtliche Anzahl» und der Gemeinderat nehme «ernsthaft zur Kenntnis, dass das Thema die Bevölkerung interessiert und bewegt.» Der Gemeinderat relativiert die Zahl mit folgender Ergänzung: «Demgegenüber dürfte es allerdings auch eine schweigende Zahl von Bürgerinnen und Bürgern geben, die das Vorhaben der Aushubdeponie Steindler nachvollziehen und befürworten können.»

Wie wurde der Standort Steindler auserkoren?

Das Verfahren zur Evaluation von Deponiestandorten im Aargau sei vom Kanton in die Wege geleitet worden, «und nicht vom Gemeinderat», hält dieser explizit fest. Ihm wurden mehrere mögliche Standorte vorgelegt. Einen habe er «dezidiert abgelehnt, weil er jenen Teil der Landschaft als besonders schützenswert beurteilte.» Zum Standort im Gebiet Steindler äusserte sich der Gemeinderat, «dass er sich diesen vorstellen kann.» Auf Anfrage ergänzt Möckel, dass die Gemeinde Würenlos die Deponie nicht selber plane, sondern dass die Derebag AG zusammen mit dem Kanton und dem Regionalplanungsverband Baden Regio die treibende Kraft seien.

Wieso hat sich der Gemeinderat für den Richtplaneintrag der Deponie ausgesprochen?

Der Gemeinderat habe sich von folgenden Überlegungen leiten lassen: «Die Gemeinde Würenlos ist seit vielen Jahrzehnten den Umgang mit dem Aushub und der Auffüllung von Kiesgruben gewohnt. Sie weiss, worauf es beim Bewilligungsverfahren ankommt.» Der finanzielle Aspekt sei für die Gemeinde nicht ausschlaggebend gewesen, so Möckel zur AZ.

Wird der Schwerverkehr durch das Dorf zunehmen, wie Gegner monieren?

«Die Behauptung, es gäbe eine Zunahme des Schwerverkehrs durch Würenlos, ist falsch und sie trifft auch auf die Nachbargemeinden nur bedingt zu», kontert der Gemeinderat den Kritikpunkt. Der Standort Steindler liege wie die bisherigen Kiesgruben (Tägerhard, Flüefeld, Lugibach) ausserhalb des Wohngebiets. Er sei via Autobahn und Autobahnzubringer sehr gut für Lastwagen erreichbar, «sodass ein beachtlicher Anteil der Fahrten nicht durch Gemeindegebiet erfolgt.»

Die Petitionäre kritisieren, der Kiesbedarf der Region sei unklar. Und der Grossteil des Auffüllmaterials (über 70%) solle von ausserhalb der Region angeliefert werden.

Die Haltung, ein Grossteil des Auffüllmaterials käme von ausserhalb des Kantons, erachtet der Gemeinderat als eine Denkweise nach dem St.-Florians-Prinzip. Es sei falsch, «bei einem zusammengewachsenen Lebensraum, wie dem Furttal und dem Limmattal, Halt an der Kantonsgrenze zu machen, wenn es unter anderem um ökologisch verträgliche Lösungen geht», so der Gemeinderat. Er weist auf die seit Jahrzehnten enorme Entwicklung der Region mit hoher Bautätigkeit hin. «Alle Gemeinden haben davon profitiert, viele Private konnten ihr Eigenheim realisieren. Es ist nach dem Dafürhalten des Gemeinderates nicht mehr als fair, wenn sich die Region auch dafür bereit erklärt, sauberes Aushubmaterial bei sich selbst irgendwo zu deponieren.»

Kritiker befürchten den Verlust des Naherholungsgebiets. Der beliebte Bach im Teufermoos werde mit fast 20 Meter Aushub bedeckt sein.

Auf diesen Punkt geht der Gemeinderat in seiner Antwort auf die Petition nicht ein. Auf Anfrage bestätigt Anton Möckel aber eine Aussage gegenüber der «Unterland Zeitung»: «Die Deponie ist keine Schutthalde, sondern am Schluss der Aufschüttung ein in die Landschaft eingefügter Hügel, der selbstverständlich begrünt und Teil der Landschaft sein wird. Von Dritten werden zum Teil Argumente und Ansichten ins Feld geführt, welche so schlicht nicht haltbar sind.» Möckel kritisiert weiter die Ballon-Aktion von Deponie-Gegnern, welche damit zeigen wollten, wo wie hoch Land aufgeschüttet wird: «Die Masse waren nicht korrekt. Die Terrainmodulationen werden erst im Bauprojekt ausgearbeitet und landschaftlich verträglich gestaltet», sagt Möckel.

Wie geht es nun weiter?

Der Gemeinderat wartet die Auswertung des Mitwirkungsverfahrens zum Richtplaneintrag ab, die das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) vornimmt. Nebst Richtplan müsste auch der Zonenplan von Würenlos angepasst werden. Hier ist zuvor eine öffentliche Auflage nötig, zudem muss die Gemeindeversammlung ihre Zustimmung geben. «Letztlich wird die Gemeindeversammlung darüber befinden, ob sie einer entsprechenden Umzonung zustimmen will oder nicht», hält der Gemeinderat fest.