Würenlos
Umstrittene Deponie Steindler: Warum der Zürcher Regierungsrat sie nicht ablehnt, was er aber fordert

Verkehr, Landschaftsschutz, Standort: So äussert sich die Zürcher Kantonsregierung zur Aargauer Aushubdeponie in Würenlos.

Philipp Zimmermann
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Hier in Würenlos könnte in wenigen Jahren eine Aushubdeponie entstehen.

Hier in Würenlos könnte in wenigen Jahren eine Aushubdeponie entstehen.

zvg

Gemeinden aus dem Zürcher Furttal wehren sich gegen die geplante Aushubdeponie Steindler in Würenlos, an der Kantonsgrenze. Vor kurzem hat sich der Zürcher Regierungsrat zum Thema geäussert, bei der Beantwortung einer Anfrage der Kantonsrätin Ann Barbara Franzen aus Niederweningen und Kantonsrat Christian Lucek aus Dänikon. Franzen und Lucek schrieben, beim Vorhaben «irritiert das Vorgehen des Kantons Aargau», die Deponie weit ab vom Aargauer Siedlungsraum, der Zürcher Gemeinde Otelfingen «direkt vor die Tür zu setzen». Vor kurzem wurde bekannt, dass bei der Vernehmlassung rekordverdächtige 3150 Eingaben beim Kanton Aargau eingingen. Das zuständige Departement Bau, Verkehr und Umwelt will am Projekt festhalten, aber das Gespräch suchen mit dem Regionalplanungsverband Baden Regio, der Gemeinde Würenlos, den Projektverfassern wie auch dem Kanton Zürich.

1. Wie steht der Zürcher Regierungsrat zur Deponie Steindler an der Kantonsgrenze?

Der Zürcher Regierungsrat lehnt die Deponie Steindler nicht grundsätzlich ab. Beim geplanten Deponietyp A (unverschmutzter Aushub) bestehen im benachbarten Furttal sowie im Limmattal nicht genügend Ablagerungsmöglichkeiten. Aushub aus diesen Regionen werde aufgrund der geografischen Lage und der Marktfreiheit regelmässig im näher gelegenen Kanton Aargau deponiert. «Der Kanton Zürich hat daher ebenfalls ein Interesse an der Schaffung geeigneter Ablagerungsmöglichkeiten», schreibt er. Im Richtplan sind für das Furttal keine Aushubdeponien vorgesehen, da ausreichende Ablagerungskapazitäten in den Kiesabbaugebieten im Norden des Kantons Zürich vorhanden sind.

2. Bei welchen Punkten übt der Zürcher Regierungsrat Kritik?

Aufgrund der Geländeform erscheine eine leichte Auffüllung mit unverschmutztem Aushub im Gebiet Steindler akzeptierbar. Der Kanton Zürich fordert eine deutliche Verkleinerung des Volumens und eine bessere landschaftliche Einbettung des Deponiekörpers. Insbesondere auf Geländeknicke sei zu verzichten. Kritisch beurteilt der Kanton Zürich die Höhe der Deponie. Vor der zweiten Behördenvernehmlassung wurde die Gesamthöhe um 5 Meter reduziert. Die Deponie sei aber noch immer zu hoch, und das geplante Volumen lasse keine natürliche Geländemodellierung zu, hält der Regierungsrat fest. Immerhin seien aber die Sichtbezüge zu den westlich und nördlich des Perimeters angrenzenden Erhebungen verbessert worden.

3. Konnte der Kanton Zürich beim Standort mitreden?

Nein. Der Kanton Aargau ist zwar für das Richtplanverfahren verantwortlich, mit dem der Deponiestandort festgesetzt wird. Inhaltlich zuständig für das Vorhaben ist jedoch der Regionalplanungsverband Baden Regio, wie der Zürcher Regierungsrat schreibt. Diese Konstellation habe dazu beigetragen, dass der Kanton Zürich erst relativ spät, mit Schreiben vom 13. November 2018, über das Vorhaben informiert wurde. «Zu diesem Zeitpunkt standen wesentliche Eckpunkte des Projekts bereits fest. Insbesondere standen mögliche Alternativstandorte nicht mehr zur Diskussion», schreibt er. Auskunft über die Standortevaluation und somit über Alternativen habe der Kanton Zürich nur auf Nachfrage und nur teilweise erhalten.

4. Wo fordert der Kanton Zürich Änderungen?

Der Kanton Zürich kann die Planung von Deponien im Aargau nur indirekt beeinflussen, sprich via Behördenvernehmlassungen und über Kontakte. «Im vorliegenden Fall wurden sowohl auf Amtsebene als auch auf Ebene des Direktionsvorstehers Sondierungs- und Verhandlungsgespräche geführt. Die Baudirektion hat gegenüber dem Kanton Aargau deutlich gemacht, dass für die Erstellung einer Deponie an der Kantonsgrenze dieselben Massstäbe und Kriterien gelten müssen, wie sie auch im Kanton Zürich gelten würden.» Das BVU habe sich verpflichtet, diese einzuhalten. Die Zürcher Baudirektion werde sich falls nötig auch im Rahmen eines Bereinigungsverfahren für ein geringeres Volumen einsetzen.

Nebst der Volumenreduktion will der Kanton Zürich eine sorgfältigere Gestaltung des Terrains. Die Landschaftsplanung dürfe nicht an der Kantonsgrenze haltmachen. Zwei Seiten des vorgesehenen Deponiekörpers würden die Kantonsgrenze markieren und «unnatürlich in Erscheinung» treten. Eine Volumenreduktion bilde deshalb den Schlüssel für Verbesserungen beim Landschaftsschutz.

5. Wie beurteilt der Kanton Zürich das Verkehrskonzept?

Die Angaben zum Verkehrskonzept und zum Verkehrsaufkommen auf der Hauptstrasse durch das Zürcher Furttal erscheinen dem Zürcher Amt für Mobilität plausibel. «Demnach soll 85 Prozent des Verkehrs über den Autobahnknoten bei Wettingen abgewickelt werden. Das auf das Furttal entfallende Verkehrsaufkommen wird mit 88 Lastwagenfahrten pro Tag angegeben», schreibt der Regierungsrat. Zum Schutz vor zusätzlichem Durchgangsverkehr im Furttal beantragte das Amt für Raumentwicklung, dass im Raum Wettingen keine zweite Deponie zeitgleich im Betrieb sein dürfe. «Damit soll sichergestellt werden, dass die Zufahrten aus dem Furttal tatsächlich auf 15 Prozent beschränkt bleiben.»

Das PDF mit der kompletten Antwort des Regierungsrates finden Sie hier.

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