Wahlen in Baden

«Wurde nicht gewählt, aber habe nicht verloren»

Roger Huber mit Sohn Luc, dahinter seine Frau Marie-Louise.

Roger Huber mit Sohn Luc, dahinter seine Frau Marie-Louise.

Die Wähler von Geri Müller feierten ausgelassen, während FDP-Mitglieder Gründe für die Niederlage suchten. Die siegreichen Grünen feierten mit Hochseilartist Freddy Nock bei Stella Palino. Die FDP spülte ihren Frust im «Black Ball» runter. .

Die beiden Kandidaten kennen das Resultat, als sie den Tagsatzungssaal im Badener Stadthaus betreten, wo die Medien informiert werden. Aber Miene und Körpersprache von Geri Müller und Roger Huber verraten nicht, wer der Sieger, wer der Verlierer ist. Bei Stadtratskandidatin Ruth Müri sind feuchte Augen zu erkennen, aber was dies bedeutet, bleibt vorerst ungewiss.

Wenige Augenblicke später: Geri Müller – in roter Hose, weissem Hemd und schwarzem Jackett, also in den Badener Farben gekleidet – wird zum Wahlsieger erklärt, und er klatscht in die Hände. Erst strahlt er übers ganze Gesicht, dann blickt er mit verschmitztem Lächeln zu Ruth Müri, die in den Stadtrat gewählt wurde. Linke Politiker, die ebenfalls im Saal sitzen, stehen auf und lassen Jubelschreie los. Roger Huber nimmt das Ergebnis äusserlich gelassen hin, er spendet seinem Konkurrenten Applaus.

Gut hundert Menschen warten kurz danach vor der «Unvermeidbar» auf ihre siegreichen Kandidaten, das Ergebnis hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen. «Unglaublich», «geil», «wir haben es tatsächlich geschafft» – zwei Frauen hüpfen vor Freude. Müller und Müri werden jubelnd empfangen, und kurz darauf kommt Roger Huber hinzu. Es wird still in der Gasse, und alle hören ihm zu, als er Müller zur Wahl gratuliert, eine Kiste Bier spendiert und mit dem neuen Stadtammann anstösst. Für diese Geste gibt es Applaus.

Es feiern in der mit Dutzenden Blumen geschmückten Bar die SP-Nationalräte Cédric Wermuth und Max Chopard, und kurz darauf kommt auch nach Hochseilartist Fredy Nock hinzu. Jetzt gebe es ein rauschendes Fest, sagt Bar-Besitzerin Stella Palino, die wie so viele mit Champagner feiert.

Drei Stunden später im «Black Ball»: FDP-Supporter trinken Bier und diskutieren über die Gründe für die Niederlage. Die Hamas-Kampagne habe Geri Müller mehr genutzt als geschadet, sagen die einen; andere glauben, die Niederlage sei hausgemacht, weil der Deal vom «Roten Turm» ausgeplaudert worden sei. «Wir haben unsere CVP-Freunde verärgert, das wurde in der Stadt nicht goutiert.» Negativ auf die bürgerliche Bewegung in der ganzen Schweiz habe sich das Verhalten von Daniel Vasella ausgewirkt, und sogar die Wahlen in Italien könnten einen Einfluss gehabt haben, wird vermutet. «Beppe Grillo hat auch hier Leute dazu animiert, gegen Parteien zu protestieren, die lange an der Macht waren.»

Im Lokal warten bereits unter anderem Alt-Stadtammann Sepp Bürge und Regierungsrat Peter C. Beyleler, und als Roger Huber eintrifft, sind manche seiner Freunde und Bekannten überrascht –  er wirke alles andere als niedergeschlagen. Mit seinem Sohn Luc im Arm sagt er: «Es gibt keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. Ich habe seit dem 1. Wahlgang rund 1300 neue Stimmen hinzugewonnen. Ich wurde zwar nicht gewählt, aber ich habe nicht verloren.»

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