Baden/Wettingen
Wut aufs Sparpaket: 200 Bezschüler tragen die Bildung symbolisch zu Grabe

Junge Demonstranten der Bezirksschulen von Baden und Wettingen wehren sich gegen das Bildungs-Sparprogramm der Regierung: An einer Demonstration zeigten sie sich entsetzt über den geplanten Abbau bei Wahlfächern oder dem Deutsch-Zusatz-Angebot.

Stefanie Suter
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Schüler-Demo in Baden gegen Sparpaket
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Cyril (l.), 12 Jahre, Würenlos und Ramon, 12 Jahre, Wettingen Ramon: «Ich könnte zu Hause schreiben – aber durch die Tipps der Lehrperson im Fach Schreibsupport kann ich mich auch weiterentwickeln.» Cyril: «Ich würde gerne Italienisch wählen, da ich es wichtig finde, andere Sprachen zu lernen. Leider soll dieses Wahlfach gekürzt werden.» «Ich könnte zu Hause schreiben – aber durch die Tipps der Lehrperson im Fach Schreibsupport kann ich mich auch weiterentwickeln.» Cyril: «Ich würde gerne Italienisch wählen, da ich es wichtig finde, andere Sprachen zu lernen. Leider soll dieses Wahlfach gekürzt werden.»
Ayat, 14 Jahre, Baden «Das Chemiepraktikum und Italienisch interessieren mich. Es ist schade, wenn diese Angebote gekürzt werden.» «Das Chemiepraktikum und Italienisch interessieren mich. Es ist schade, wenn diese Angebote gekürzt werden.»
Philipp, 11 Jahre, Wettingen «Ich besuche ‹Freies Gestalten›. Dort kann man der Kreativität freien Lauf lassen – ein guter Ausgleich zu den Notenfächern.» «Ich besuche ‹Freies Gestalten›. Dort kann man der Kreativität freien Lauf lassen – ein guter Ausgleich zu den Notenfächern.»
Romy (l.), 14 Jahre, Ennetbaden und Anna, 14 Jahre, Baden «Das Biopraktikum hilft bei der Berufswahl. Man kann dieses Feld auf freiwilliger Basis ausprobieren, sich herantasten und praktisch umsetzen, was man im regulären Unterricht gelernt hat. Es ist schade, dass dieses Angebot gekürzt werden soll – zusammen mit Italienisch, einer Landesprache.» «Das Biopraktikum hilft bei der Berufswahl. Man kann dieses Feld auf freiwilliger Basis ausprobieren, sich herantasten und praktisch umsetzen, was man im regulären Unterricht gelernt hat. Es ist schade, dass dieses Angebot gekürzt werden soll – zusammen mit Italienisch, einer Landesprache.»
Fabian (li.), 14 Jahre, Ennetbaden und Arne, 15 Jahre, Baden «Wahlfächer wie ‹français conversation› oder ‹englisch speaking› sind wichtig, um sich auf die mündlichen Abschlussprüfungen optimal vorbereiten zu können. Es ist schade, wenn wir Jungen in der Freizeit etwas lernen möchten, dies aber in Zukunft nicht mehr möglich sein soll.» «Wahlfächer wie ‹français conversation› oder ‹englisch speaking› sind wichtig, um sich auf die mündlichen Abschlussprüfungen optimal vorbereiten zu können. Es ist schade, wenn wir Jungen in der Freizeit etwas lernen möchten, dies aber in Zukunft nicht mehr möglich sein soll.»
Emma, 15 Jahre, Wettingen «Mich betrifft das Sparprogramm nicht mehr – ich bin in der 4. Klasse. Aber mein kleiner Bruder möchte auch mal Wahlfächer besuchen.» «Mich betrifft das Sparprogramm nicht mehr – ich bin in der 4. Klasse. Aber mein kleiner Bruder möchte auch mal Wahlfächer besuchen.»

Schüler-Demo in Baden gegen Sparpaket

Stefanie Suter

Aufruhr bei den Bezirksschülern in Baden und Wettingen: Über 200 Schüler marschierten am Mittwoch mit einem selbst gebastelten Grab vom Schulhaus Burghalde in Baden zum Wettinger Ratshaus – sie trugen die Bildung symbolisch zu Grabe. So war auch auf ihren Plakaten «R.I.P. Bildung» (Ruhe in Frieden Bildung) zu lesen.

Grund der Empörung: Wahlfächer wie freies Gestalten, Theater, Schreibsupport, Schülerzeitung und Ethik sollen gestrichen und das Angebot von Praktika wie Biologie, Chemie, Physik, Sprache und Informatik gekürzt werden. Zudem plant der Regierungsrat, Italienisch nur noch in der 4. Klasse anzubieten und die Hauswirtschaftslektionen zu kürzen.

«Wir sind wütend und entsetzt, wie radikal die Massnahmen sind», sagt die Schülerin Milena Stuck. Deshalb hat sie zusammen mit anderen Wettinger Schülern reagiert und die Demonstration organisiert. Auch die Schüler der Bezirksschule Baden sind dem Aufruf gefolgt.

Wahlfächer seien wichtig, ist Stuck überzeugt: «Fächer wie Schreibsupport, Theater oder Freies Gestalten können wir nirgendwo sonst besuchen.» Diese abwechslungsreichen Lektionen könne man aus reinem Interesse wählen – ohne Notendruck.

Entsetzt hat die Schüler auch der geplante Abbau des Deutsch-Zusatz-Angebots: «Wir haben Klassenkameraden mit ausländischer Herkunft – ohne dieses Angebot hätten sie es vielleicht gar nicht in die Bezirksschule geschafft.»

Aufruf an Regierungsrat

Bereits am Dienstag erreichte Regierungsrat Alex Hürzeler und Grossratspräsident Thierry Burkart ein Dringlichkeitsschreiben von Eltern der Wettinger Bezirksschüler.

Die Bildung sei der falsche Ort zum Sparen, sagt Beatrice Hollenstein als Vertreterin der Eltern in Sachen Dringlichkeitsschreiben: «Die Bildung ist der wichtigste Rohstoff der Schweiz.» Sie sei Voraussetzung für ein starkes Wirtschaftsumfeld mit Fachkräften.

«Fächer wie das Bio- oder Physikpraktikum wecken die Neugier der Schüler und fördern ihre Kreativität», erklärt Hollenstein. Sie würden einen Gegensatz bilden zu den Fächern mit grossem Leistungsdruck. «Mit der Unterstützung der Schüler kamen in nur zehn Tagen über 350 Eltern-Unterschriften zusammen.»