«Was brauchen wir, um etwas herauszufinden oder lernen zu können?» Mit dieser Frage eröffnete Yoga-Lehrer Prem Paras Tripathi den Yoga-Kurs der gemischten 5. und 6. Klasse an der Primarschule Rütihof.

Seine Antwort: «Wir brauchen Ehrlichkeit: Ich muss wissen, was ich weiss und was ich nicht weiss. Ich brauche diese Klarheit im Herz und Hirn.» Wenig später stimmte der Yoga-Lehrer mit der Gitarre ein Lied an, «ehe die Kinder plötzlich innehalten, die Augen schliessen und nach innen gehen und meditieren», schreibt eine Lehrerin in einer Mail an die Redaktion.

Und weiter: «Alle Kinder können die innere Stille hören, die Energie und die Stärke finden für ihre Lebensziele. Schüler finden ihr inneres Gleichgewicht, sind stärker und besser verwurzelt, wenn sie meditieren.» Auf Nachfrage sagt Lehrerin Rebecca Tripathi, die Frau des Yoga-Lehrers: «Meditation hat nichts mit Religion im engeren Sinn zu tun, sondern ist vielmehr ein Mittel, mehr über uns herauszufinden und die Aufmerksamkeit zu fördern.» Sie sei überzeugt, dass Meditation kürzere Lernzeiten und bessere Ergebnisse mit sich bringe.

Auch stellt Tripathi klar, dass hinter dem Besuch ihres Mannes in der Schule keine kommerziellen Absichten gestanden hätten. «Der Verein meines Mannes finanziert sich vor allem mit Spendegeldern. Wir wollten den Schülerinnen und Schülern nur die Faszination des Meditierens näher bringen.»

Schulleiter ortet kein Problem

Wird Meditieren nun bald als neues Pflichtfach an der Schule in Rütihof eingeführt? Schulleiter Daniel Lang verneint. «Nein, ganz bestimmt nicht.» Der Besuch des Yoga-Lehrers fand einmalig im Rahmen einer Unterrichtssequenz zum Thema Hinduismus statt.

Grundsätzlich sei es zu begrüssen, wenn Schüler die Gelegenheit bekämen, einmal etwas völlig anderes zu erleben. «Es ging der Lehrerin in erster Linie darum, den Schülern eine Horizonterweiterung zu ermöglichen und sie einmal in eine andere Welt eintauchen zu lassen.» Da dies ohne Absicht geschehen sei, die Schüler irgendwie in ihrer Weltanschauung oder ihren spirituellen Werten zu beeinflussen, erachte er den Besuch als unproblematisch.