Gleich drei Wahlen stehen in der 1500-Einwohnergemeinde Wohlenschwil am 25. September an: Zwei neue Gemeinderatssitze sowie das Amt des Vizeammanns sind zu vergeben. Inzwischen sind die Kandidaten bekannt. Mit ihnen bahnt sich an jenem Septembersonntag eine Frischzellenkur für die Exekutive an: Die 29-jährige Yvonne Spreuer und der 27-jährige Fabien Treichler kandidieren für einen Sitz im Gemeinderat.

Der Name Spreuer dürfte kein unbekannter sein: Werner Spreuer, Yvonne Spreuers Vater, war bis 2011 Gemeinderat. «Seine politische Arbeit war für mich aber nicht ausschlaggebend», sagt Yvonne Spreuer. Vielmehr sei es das soziale Engagement, das sie zur Kandidatur motiviere. Die junge Kauffrau und Privatkundenberaterin war bis 2015 als Freiwillige für die Pro Senectute Baden tätig. «Nachdem ich diese Arbeit aufgegeben hatte, merkte ich bald, dass mir etwas fehlt.» Sie sei in Wohlenschwil aufgewachsen und hier verwurzelt. «Deshalb will ich mich für das Dorf und die Gemeinde engagieren und Verantwortung übernehmen.» Eine persönliche politische Linie kann und will sie als Parteilose nicht definieren. «Das wichtigste sind für mich die Einwohner und ihr Wohlergehen», sagt sie.

Fabien Treichler liebäugelt schon seit längerem mit der Politik. «Schon bevor die Rücktritte bekannt waren, habe ich mir überlegt, in die Politik einzusteigen.» Einen Anstoss zur Kandidatur gab ihm schliesslich die abtretende Gemeinderätin Dominique Sigrist. «Sie ist meine Nachbarin, und wir haben viel über die Aufgaben und das Amt gesprochen.» Wie Spreuer ist auch er in Wohlenschwil aufgewachsen. «Deshalb will ich mich für die Gemeinde engagieren und die Ideen und Inputs der Bevölkerung aufnehmen.» Politisch tendiere er zu mitte-rechts. «Ich will mich aber nicht auf eine Partei festlegen, da sie alle gute und schlechte Ideen haben.»

Respekt ja, aber keine Angst

Treichler, gelernter Kaufmann und Forstwart, kann sich zwar gut vorstellen, Ressorts wie Gemeindewerke, Landwirtschaft oder Natur- und Umweltschutz von Sigrist zu übernehmen. «Aber ich bin auf jeden Fall für alle Dossiers offen.»

Angst vor dem Sprung ins kalte Wasser haben die Kandidaten nicht. Yvonne Spreuer: «Die Herausforderung als junge Gemeinderätin ist ja gerade das Spannende und darauf freu ich mich genauso wie auf die Möglichkeit, Neues zu lernen.» Auch Treichler, zeigt sich zuversichtlich: «Ich habe definitiv Respekt vor dem Amt, aber ich bin offen und neugierig, was auf mich zukommt.»

Gemeindeammann Erika Schibli ist ob den jungen Kandidaten erfreut: «Sie denken anders als wir alten Hasen und würden neue Ideen ins Gremium bringen.» Sollten die beiden gewählt werden, hoffe sie, dass sie über mehrere Legislaturperioden im Amt bleiben, sodass auch die Kontinuität gegeben sei.

Generationen vernetzen

Wollen die beiden jungen Kandidaten, frischen Wind in den Gemeinderat bringen, so kann die 47-jährige Nadia Diserens, die seit 2011 als Gemeinderätin amtet, für Kontinuität sorgen: Sie kandidiert für das Amt des Vizeammanns, nachdem Vizeammann Maja Pfister im April ihren Rücktritt bekannt gegeben hatte. Die jungen Kandidaten sieht Diserens als Gewinn: «Ich finde es sehr gut, wenn innerhalb der Exekutive eine generationenübergreifende Vernetzung möglich wird.» Ohnehin sei ihr die Zusammenarbeit zwischen Alt und Jung sehr wichtig. «Unsere Gesellschaft wird immer älter, was Herausforderungen mit sich bringt, aber auch viel Potenzial birgt, das wir noch zu wenig nutzen.»

Gemeindeübergreifend arbeiten

Diserens ist überzeugt, dass auf Gemeindeebene, wie auch gemeindeübergreifend der Austausch zwischen den Generationen gefördert werden muss. «Für mich ist dies aber nur einer von vielen Bereichen, bei welchen wir mit unseren Nachbargemeinden zusammenarbeiten sollten.» Dabei denke sie auch an Herausforderungen, wie sie kulturelle Vielfalt und gesellschaftlicher Wandel mit sich bringen. «Das beginnt mit der Vielsprachigkeit der Kinder an unseren Schulen. Auf solche Veränderungen können wir im Verbund mit anderen Gemeinden besser reagieren.» Als Gemeinderätin habe sie sich das nötige Kontaktnetz aufbauen können, sagt die parteilose Kandidatin. Angesprochen auf ihre politische Linie sagt sie: «Ich wäre wohl freisinnig, wenn ich mir einen Stempel auf drücken liesse.»

Ist es auch keine Kampfwahl, so befindet sich die kleine Gemeinde Wohlenschwil doch in einer politischen Luxussituation. Denn andere Gemeinden dieser Grösse, können von jungen Nachwuchspolitikern nur träumen.