Zechprellerei, welch altertümliches Wort! Dennoch: Gerade jetzt, da die Saison der Gartenwirtschaften begonnen hat, ist Zechprellerei ein aktuelles Thema. Eine Umfrage bei verschiedenen Restaurants zeigt: Die Gastrobetreiber haben unterschiedliche Erfahrungen mit Gästen, die sich auf Französisch verabschieden.

Häufig kommt Zechprellerei im Restaurant Zum Schwyzerhüsli beim unteren Bahnhofplatz vor. Fünf bis sechs Fälle pro Monat kann es schon geben, sagt ein Angestellter. Erst kürzlich hätten sich vier Gäste nach dem Essen ohne Bezahlen aus dem Staub gemacht.

Viel machen könne man da nicht, heisst es beim «Schwyzerhüsli». Das gegenüberliegende Café Himmel hat dagegen weniger Probleme. «Wir haben hauptsächlich Stammgäste. Zechprellerei gibt es bei uns deshalb sehr selten», sagt Alexandra Kessler. Ähnlich sieht es beim Restaurant Hirschli aus: «Ich bin seit neun Jahren hier und habe nur einmal erlebt, dass jemand nicht bezahlt hat», sagt Katja Obrist. Ein Grund für die gute Zahlmoral sei, dass die Gäste im Hirschli älter seien, vermutet Obrist.

Geradezu prädestiniert für Zechprellerei ist die Gartenwirtschaft im Restaurant Baldegg. Wer dort nicht zahlen will, ist schnell auf einem Waldweg verschwunden. Monique Schendel, die seit rund einem Jahr auf der Baldegg wirtet, sagt dazu: «Wir hatten bis jetzt erst einen Fall. Dieser ist zwar ärgerlich, aber wir haben mehr erwartet, als wir hier angefangen haben.»

«Sofort zahlen ist unfreundlich»

Beim Biergarten auf dem Areal der Brauerei Müller beim Bahnhof ist Zechprellerei aus logistischen Gründen weniger ein Thema. «Unsere Gäste holen sich die Getränke direkt an der Theke und bezahlen diese gleich neben der Bierzapfsäule», sagt Christoph Wanner von Baden Event AG, die den Biergarten organisiert. «Wir stellen einmal im Monat nach dem Inventar fest, ob wir einen Ausschankverlust erlitten haben.» Beim Offenbier kann es vorkommen, dass wegen des Fasswechsels Unstimmigkeiten bei der Füllmenge entstehen. Manchmal komme es vor, dass ein Gast nicht bezahlt, aber das sei eher selten.

Problematischer ist dagegen der Diebstahl von Bierhumpen: «Es besteht zwar kein Trend, kommt aber immer wieder vor.» Es könne sein, dass die Besucher ein Souvenir aus dem Biergarten haben möchten. Auch beim Pickwick Pub beim Löwenplatz sind Biergläser eine begehrte Trophäe, wie ein Angestellter des Pubs bestätigt: «Pro Woche kommen etwa zehn Biergläser abhanden.» Weil beim Pickwick Pub wie beim Biergarten sofort bezahlt werde, komme es aber kaum zu Zechprellerei.

Beim Mojo gegenüber dem Langhaus muss man ebenso sofort zahlen. Dem hält Josef Füglistaller, Präsident von Gastro Aargau, entgegen: «Erfahrenes Servicepersonal sollte potenzielle Zechpreller erkennen. Dass nach jeder Bestellung gleich einkassiert wird, entspricht nicht der heutigen Kundenfreundlichkeit.»