Ehrendingen
Zeichnungen aus dem Leben eines «Knastrologen»

Fred Grob präsentiert seine neusten Cartoons im Gemeindehaus von Ehrendingen. Mit seinen Bildern appelliert er an mehr Menschlichkeit.

Ursula Burgherr
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Fred Grob neben einiger seiner Cartoons, die bis zum 14. Mai 2016 im Gemeindehaus Ehrendingen zu sehen sind.

Fred Grob neben einiger seiner Cartoons, die bis zum 14. Mai 2016 im Gemeindehaus Ehrendingen zu sehen sind.

In seiner 35-jährigen Tätigkeit als Gefängnisseelsorger und Mitbegründer des christlichen Sozialwerkes «Hope» in Baden ist Fred Grob unzähligen Menschen am Tiefpunkt ihres Lebens begegnet.

Seine Kraft und Überzeugung, für die Schwachen einzustehen, schreibt er seinem starken Glauben zu. «Ich bin aber alles andere als mit einem Heiligenschein geboren.

In meiner Vergangenheit gab es viele dunkle Seiten, ich war ein Rebell», gesteht der Charakterkopf mit dem durchdringenden Blick. In den Cartoons, die er bis zum Mai 2016 im Gemeindehaus Ehrendingen ausstellt, verarbeitet er seine Lebenserfahrungen und mischt sie mit einer Portion Humor.

Da löscht ein Feuerwehrmann das Magenbrennen eines Patienten auf dem OP-Tisch. Eine Scheibe Brot fliegt mit gewaltiger Wucht aus dem Toaster eines Schreibtischbeamten und landet direkt in der Hand eines verdutzten Hungernden.

Cartoons als Seelenbilder

Fred Grobs Zeichnungen, die ihm meist schnell und spontan von der Hand gehen, sind seine Seelenbilder. Er appelliert an mehr Menschlichkeit, Heuchelei ist ihm zuwider. Dazu stellt er zwei Kleriker in vollem Ornat dar und einen Jungen, der unter seiner Bischofsmütze fast verschwindet und die beiden fragt «Papi?».

Die neuen Kommunikationsmittel stellt er mehrfach infrage. Menschen stehen nebeneinander, unterhalten sich aber per SMS. Typen mit Datenbrillen auf den Köpfen und iPod-Stöpseln in den Ohren sehen so identisch aus, dass sie einander auf der Strasse kaum wiedererkennen.

Die Bibel bezeichnet Grob als «meine Gebrauchsanweisung fürs Leben». Die Ausstellung ist bereits seine achte und erstmals hat er auch zu Bibelsprüchen Cartoons gezeichnet. Zu «Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall» hat er einen Mann skizziert, dessen aufgeblasenes Ego ihn als riesigen Ballon in die Höhe steigen lässt – wenn da der winzige Vogel mit dem spitzen Schnabel nicht wäre, der von rechts direkt in das fragile Gebilde fliegt.

Gezeichnet habe er schon als Bub, sagt Grob bei der Vernissage zu Katja Anderegg von der organisierenden Kulturkommission Ehrendingen. Über seine Erfahrungen als «Knastrologe», wie er sich gerne nennt, hat er das Buch «Liebe für Ungeliebte» verfasst. Einige Jahre später folgte «Grobs Feinheiten», eine Mischung aus Erlebnisberichten, Lieblingswitzen und Cartoons. Darin steht als Leitsatz: «Über die Möglichkeit, Unmöglichem möglichst humorvoll zu begegnen». Humor ist eine wichtige Antriebsfeder von Grob, der seit 2013 «AHV-positiv», aber weiterhin aktiv seelsorgerisch tätig ist. Ein besonders geeigneter Ort, um seine Cartoons aufzuhängen, scheint ihm das Klo. «Da sitzt man öfters am Tag und kann sie in aller Ruhe auf sich wirken lassen», meint der Zeichner und lacht.

Die Cartoons von Fred Grob sind noch bis zum 14. Mai 2016 im Gemeindehaus, Brunnenhof 6, in Ehrendingen ausgestellt. Öffnungszeiten: Mo 8.30 bis 11.30 und 14 bis 18.30 Uhr, Di bis Fr, 8.30 bis 11.30 und 14 bis 16.30 Uhr.