Baden

«Zeitlupenstill» im ThiK – Premiere ging unter die Haut

(c)Res Forrer

Die Darbietung der Tänzerinnen und Tänzer war von höchster Präzision geprägt.

(c)Res Forrer

Das neue Stück des Badener Tanztheaters - eine Fusion aus Tanz, Film und Wort - hinterliess beim Publikum Spuren. Eine sinnliche Hommage ans Leben.

«Ich bin nicht gut mit Worten, aber ich spüre, die Worte sind gut zu mir». Dieser zum Nachdenken anregende Satz aus «Zeitlupenstill» des Tanztheaters Baden steht exemplarisch für dieses Stück, das am Freitagabend im Theater im Kornhaus (ThiK) Premiere feierte. Und dies vor vollen Rängen; selbst der Badener Stadtrat und Kulturvorsteher Erich Obrist liess es sich nicht nehmen, der Premiere beizuwohnen.

«Was machen Erinnerungen mit uns? Wieso scheint die Zeit schneller zu vergehen, wenn wir älter sind? Und wie kann ich den aktuellen Moment so intensiv erleben, als ob er bereits eine schöne Erinnerung wäre?» Diesen Fragen widmete sich «Zeitlupenstill», welches das Künstlerkollektiv des Tanztheaters während eines Jahres zusammen mit Slam-Poet Simon Libsig und Animationskünstler Andrey Zolothukin entworfen hat. Entstanden ist eine 90-minütige Hommage an das Leben. Von der ersten Minute an zog die Kombination von Tanzchoreografien, Text und Filmprojektionen das Publikum in seinen Bann.

Den Rahmen des Stücks bildete eine tragisch-komische Liebesgeschichte: Ein alter Mann lässt in vielen Erinnerungen seine abrupt verstorbene Frau aufleben. Nach und nach lernt er, loszulassen und ein neues Leben zu beginnen. Dabei wurden die verschiedenen Trauerphasen sehr fantasievoll mit den sich wechselnden Jahreszeiten verknüpft.

Die Sehnsucht nach dem Augenblick

«Grundsätzlich ist das Stück der menschlichen Sehnsucht gewidmet, den Augenblick bewusster leben zu können», sagt die künstlerische Leiterin Christina Szegedi. In der Schnelllebigkeit der heutigen Zeit stelle sich oft die Frage: «Darf ich aus diesem Hamsterrad aussteigen, einfach mal raus und die Sonne geniessen?» Und: Alles sei vergänglich und oft würden wir etwas erst richtig wertschätzen, wenn es bereits zur Erinnerung geworden sei.

Erinnern werden sich die Besucher von «Zeitlupenstill» ganz gewiss noch lange an die äusserst hochstehende tänzerische Darbietung. Was die sechs Tänzerinnen und zwei Tänzer im ThiK zeigten, war nicht nur von höchster Präzision und Professionalität, sondern ging in wunderbarer Kombination mit Text – gesprochen von der einprägsamen Stimme Hans Kremers – und Videoanimation direkt unter die Haut. «Zeitlupenstill» hat zum Ziel, dass man sich wie in Zeitlupe darüber bewusst wird, was in genau diesem Moment passiert. Dies geschah bei der Premiere: Die Zeit stand sprichwörtlich still. Ganz anders als beim tosenden Applaus, als sich die Künstler und Mitwirkenden minutenlang feiern durften. Zu Recht: Dieses Stück wird bei den Besuchern gewiss noch lange nachwirken.

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