Nachgefragt

«Zirkus wurde in der Schweiz damals nicht als Kultur wahrgenommen»

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Markus Lerch gründete den Zirkus Chnopf im Jahr 1990 und leitete ihn anschliessend 16 Jahre lang. Er ist heute noch Präsident des Vereins «Zirkus Chnopf». Im Interview verrät er, was den Freiluftzirkus zu etwas Besonderem macht.

Herr Lerch, Sie haben den Zirkus Chnopf vor 25 Jahren gegründet. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Markus Lerch: Mit Robinson und Pipistrello gab es damals schon Kinderzirkusse. Die Idee, professionelle Artisten mit Jugendlichen gemeinsam auftreten zu lassen, war zu dieser Zeit aber einmalig. Dass die Jugendlichen von den Erwachsenen Artisten lernen sollen, war die Grundidee. Der Zirkus Chnopf ist damit kein traditioneller Zirkus mehr, er ist ein Theaterzirkus von Kulturschaffenden für und mit Jugendlichen.

Was waren das für Zeiten damals?

Es war die Zeit, wo Alternativen zum klassischen Zirkus erprobt wurden. Man suchte sich sozusagen eine neue Identität, denn in der Schweiz wurde Zirkus damals nicht als Kultur wahrgenommen. Das hat sich in den letzten 25 Jahren verändert: Die Kunstform der Artistik verband sich mehr und mehr mit dem Theater und das war schliesslich auch das Erfolgsrezept des Zirkus Chnopf. Für die Jugendlichen eröffnete sich im Zirkus erstmals eine völlig andere Welt. Dass sie nicht nur mit den Erwachsenen arbeiten, sondern auch im Zirkusalltag zusammenleben, wird auf der Bühne sichtbar.

Sie haben den Zirkus 16 Jahre lang geleitet. Haben Sie ein Erfolgsrezept?

Es braucht vor allem Herzblut und ein inneres Feuer, um mit allen Mitwirkenden das gemeinsame Ziel erreichen zu können. Man muss die Jugendlichen unterstützen und mit ihnen Wege suchen, wie sie ihre künstlerischen Ideen und Träume verwirklichen können.

Der Zirkus Chnopf verlangt keinen Eintritt, sondern reicht am Ende einen Hut für Spenden herum. Kann er sich so über Wasser halten?

Die Finanzierung ist in der Tat ein Dauerthema. Der Zirkus wird von Stadt und Kanton Zürich sowie von Institutionen gefördert. Das Problem ist aber, dass er wegen den Jugendlichen nicht als ausreichend professionell angesehen wird. Mittlerweile erkennt das die Kulturförderung aber langsam an. Die Idee, Eintritt zu verlangen, wurde immer wieder hartnäckig verworfen. Wir möchten auch Leuten mit weniger Geld ermöglichen, das Programm zu sehen. Erstaunlicherweise hat der Zirkus so die letzten 25 Jahre überlebt.

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