Baden/Wasserschloss

Zivilschützer packen 75'000 Masken um – bewegende Einsätze in den Altersheimen

Ein Zivilschützer packt im Trafo in Baden Schutzmasken in kleinere Mengen ab. (Archivbild)

Ein Zivilschützer packt im Trafo in Baden Schutzmasken in kleinere Mengen ab. (Archivbild)

Der Kommandant der beiden Zivilschutzorganisationen Wasserschloss und Baden Region äussert sich über die Schwierigkeiten bei der Rekrutierung, die intensivsten Einsätze während der Coronakrise und die grösste Büetz der vergangenen Monate.

Sie halfen in der Wäscherei des Kantonsspitals Baden mit, packten rund 75'000 Masken um oder unterstützten das Pflegepersonal in verschiedenen Altersheimen in der Region: 261 Zivilschützer der Zivilschutzorganisationen (ZSO) Wasserschloss und Baden Region standen in den vergangenen knapp drei Monaten während der Coronakrise im Einsatz und leisteten insgesamt 1213 Diensttage.

Das sind fast 40 Prozent aller Zivilschützer der beiden Organisationen. Die Zivilschützer aufzubieten, sei oft sehr umständlich gewesen, sagt Alessandro Rüedi. Er ist seit zehn Jahren Kommandant der ZSO Wasserschloss und seit Ende 2018 auch Kommandant ad Interim der ZSO Baden Region.

Die Zivilschützer halfen in der Wäscherei des KSB mit.

Die Zivilschützer halfen in der Wäscherei des KSB mit.

«Viele unserer Zivilschützer gehören der Risikogruppe an», sagt Rüedi. Insbesondere am Anfang der Krise, als noch strengere Bestimmungen galten, hätten deshalb viele nicht aufgeboten werden können. Dank frühzeitiger Information und Kompromissen mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern seien aber immer genügend Zivilschützer im Einsatz gestanden.

«Immer wieder auf der Dienstpflicht beharren und einen Konsens zu finden, ist mit grossem Aufwand verbunden», sagt Rüedi. «Aber dafür konnten wir sicherstellen, dass zu jeder Zeit die benötigte Anzahl Zivilschützer zur Verfügung stand und alle Aufträge erfüllt werden konnten.» Und er ergänzt: «An dieser Stelle darf gesagt werden, dass die Zivilschützer immer einen top Einsatz leisteten, sobald sie mal eingerückt waren.»

«Senioren litten unter Lockdown»

Auch das Feedback an den Einsatzorten sei sehr positiv gewesen, sagt Rüedi. Besonders intensiv seien die Einsätze im Regionalen Pflegezentrum Baden und im Alters- und Pflegeheim in Würenlingen der WirnaVita AG gewesen, wo die Zivilschützer über Wochen teilweise im 24-Stunden-Schichtbetrieb im Einsatz waren. «Die Senioren in den Altersheimen litten unter dem Lockdown − die Zivilschützer haben das direkt mitbekommen.» Teilweise hätten sie die Familienmitglieder ersetzt, auf deren Besuch die Altersheimbewohner verzichten mussten.

Im KSB unterstützten die Zivilschützer den Sicherheitsdienst bei der Personenlenkung oder halfen in der Wäscherei mit, die immensen Berge an zusätzlicher Wäsche zu bewältigen. «Zum einen aufgrund der Sicherheits- und Hygienemassnahmen, zum anderen, weil beispielsweise die Einweg-Kittel für das Pflegepersonal an der Grenze feststeckten», sagt Rüedi. Auch bei der Maskenabgabe an das Kleingewerbe durch den Kanton Ende April standen zahlreiche Zivilschützer im Einsatz. Sie packten im Badener Trafo Masken zu 12er-Päckli um, kontrollierten bei jedem einzelnen, ob sein Unternehmen auch wirklich zum Bezug berechtigt ist und erklärten, wie die Masken korrekt verwendet werden. «Vor allem das Umpacken der rund 75'000 Masken war eine riesen Büetz», so Rüedi.

Auf eine allfällige nächste Krise besser vorbereitet

Die zahlreichen Einsätze in der Region hätten aber gezeigt: «Die Zivilschützer werden gebraucht und als Partner geschätzt», sagt der Kommandant. «Wir konnten zeigen, wie vielseitig und flexibel wir einsetzbar sind und zahlreiche Kontakte knüpfen.» Die Organisationen hätten zudem viel Erfahrung sammeln können für eine mögliche nächste Krise.

Da Alessandro Rüedi Kommandant von zwei Organisationen ist, konnte er für die Rekrutierung auf einen grösseren Personalbestand zurückgreifen. Das habe das Ganze etwas erleichtert. Die beiden Organisationen Wasserschloss und Baden Region werden per 1. Januar 2021 zu einer grossen Region fusionieren. Die geplante Fusion macht die Zusammenarbeit, die zurzeit phasenweise eine organisatorische Herausforderung sei, deutlich einfacher. «Dann kann ich alles aus einer Hand organisieren und wir können unser Know-how noch gezielter einsetzen» sagt Alessandro Rüedi.

Meistgesehen

Artboard 1