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Zoff um Sammelsäcke: Baden droht Recycling-Firma und warnt vor höheren Gebühren für Einwohner

Streitobjekt: Die Abfallsäcke von Multibag sieht die Stadt Baden nicht gerne.

Streitobjekt: Die Abfallsäcke von Multibag sieht die Stadt Baden nicht gerne.

Die Recyclingfirma Multibag sammelt bei Kunden Glas, Alu und Metalle ein. Baden fordert sie dazu auf, ihre Tätigkeit einzustellen, und pocht auf ihr Monopol. Der Multibag-Chef sieht das allerdings anders.

Die Firma Multibag sorgt bei der Stadt Baden für Unmut. Multibag sammelt Recycling-Abfälle von Privaten ein, welche diese ungetrennt in Säcken des Unternehmens vor die Haustür stellen, also Glas, PET, Alu und Stahlblech sowie Elektroschrott, Kaffeekapseln, Metall oder Altkleider. Die Liste ist nicht abschliessend.

Das «Abo Standard» kostet Private 19.50 Franken. Es beinhaltet vier 35-Liter-Säcke bei einer monatlichen Abholung. Weitere Abos, auch für Unternehmen, stehen im Angebot.

Die Stadt Baden hat die Firma per Einschreiben aufgefordert, das Sammeln bis am 30. September einzustellen. Im Schreiben heisst es:

«Wir haben das Gespräch gesucht – vergeblich», sagt Werkhof-Leiter Thomas Stirnemann. Die Rechtslage sei klar: «Per Gesetz steht der Stadt Baden das Monopol zur Entsorgung von Siedlungsabfällen zu. Baden müsste einem Unternehmen dafür eine Konzession erteilen. «Wir sehen momentan aber keinen Sinn darin.»

Stirnemann kritisiert Multibag aus ökologischen Gründen: «Ihre Dienstleistung bringt unnötige Mehrfahrten mit sich.» Dazu befürchtet er höhere Gebühren für die Badener Bevölkerung. Wertstoffe wie Aluminium oder Elektroschrott bringen Geld ein. Die Abfallversorgung von Baden muss kostendeckend sein. «Weniger Wertstoffe bedeuten weniger Einnahmen. Diese müssten wir wohl mit höheren Gebühren ausgleichen.» Die Sammelstellen müsse die Stadt ja genau gleich abfahren.

Multibag-Chef reagiert gelassen auf Forderung

Wie reagiert Multibag auf den Brief? «Gar nicht, so wie bei anderen Gemeinden», sagt Geschäftsführer David Gloor. Er nennt zwei Beispiele: «Olten hat uns akzeptiert, nachdem die Verantwortlichen gemerkt haben, dass unser Angebot bei der Bevölkerung gut ankommt. Von den Gemeinden des Abfallverbands Unteres Fricktal werden wir offenbar geduldet.»

Dort herrsche seit einem Jahr Funkstille. Gloor ist vom Badener Brief überrascht worden. «Wir sind hier schon seit zwei Jahren tätig.» In Baden mit 11'400 Haushalten hat Multibag nur 45 Kunden, alles Privatpersonen: Das sind nicht mobile Senioren und Bequeme, die sich den Sortieraufwand und die Fahrten zur Sammelstelle sparen wollen.

Gloor will die Vorwürfe nicht gelten lassen. Zur Ökologie-Frage sagt er: «Wenn unser Sammelfahrzeug die Säcke in Baden abholt, fallen sicher nicht mehr Fahrten an, als wenn die Kunden separat zur Sammelstelle fahren.»

Dazu komme, dass Leute Batterien und weitere Wertstoffe in den Kehricht werfen würden. Die Einnahmen für die Wertstoffe würden nur den Sortieraufwand decken. «Unsere Haupteinnahmequelle ist die Abogebühr.» Der Drohbrief lässt Gloor kalt. «Aus rechtlicher Sicht spricht nichts gegen Multibag», ist er sich sicher. «Alles, was wir machen, ist im Interesse des Bevölkerung.»

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