Mägenwil

Zu alt für den Gemeinderat? Kandidat (75) kontert Kritik

Kandidat Urs Zulauf sagt: «Ich habe mir meine Kandidatur gut überlegt und bin überzeugt, dass ich alles mitbringe, was für ein Gemeinderatsamt verlangt wird.»

Kandidat Urs Zulauf sagt: «Ich habe mir meine Kandidatur gut überlegt und bin überzeugt, dass ich alles mitbringe, was für ein Gemeinderatsamt verlangt wird.»

Urs Zulauf will in die Exekutive von Mägenwil. Doch CVP und FDP wünschen sich jüngere Kandidaten. Zulauf selbst sagt: «Ich bin fit und sehr belastbar.»

Seit über vier Monaten besteht der Gemeinderat Mägenwil nur noch aus vier Kandidaten: Marcel Ringger ist per Ende September 2017 aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurückgetreten. Nun hat sich mit Urs Zulauf ein Kandidat für die Ersatzwahl vom 4. März gemeldet.

Der 75-jährige Parteilose war vor seiner Pensionierung 16 Jahre lang Kanzleichef in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg (JVA) und zuvor bei verschiedenen Unternehmen in Kaderpositionen tätig.

Wie der «Reussbote» in der Ausgabe vom Freitag schreibt, würden sich die Ortsparteien aber an der Kandidatur von Urs Zulauf stossen. So lancierten die CVP und die FDP in einem Leserbrief den Aufruf, sich bei deren Präsidenten zu melden, «wem das zukünftige Gemeindegeschehen in der attraktiven Gemeinde Mägenwil nicht gleichgültig ist».

Die Aufgabe einer Gemeinderätin oder eines Gemeinderates sei sehr anspruchsvoll, aber auch sehr interessant. Die Mitglieder des Gemeinderats könnten viel bewirken, schreiben sie.

Parteien möchten Kontinuität

Ist Kandidat Urs Zulauf den Parteien nicht gut genug? Auf Anfrage stellt CVP-Ortspräsident Viktor Müller klar: «Unser Aufruf hat nichts mit der Kompetenz des Kandidaten zu tun, auch persönlich haben wir nichts gegen ihn einzuwenden.»

Im Gegenteil, er schätze es sehr, wenn sich Pensionierte für ein Amt zur Verfügung stellen. «Doch wir finden es wichtig, dass es im Mägenwiler Gemeinderat in Zukunft eine gewisse Beständigkeit gibt.»

Und dies sei mit einem Kandidaten, der bereits 75 Jahre alt sei, kaum möglich. «Wir möchten eine Person, die jünger ist und für Kontinuität sorgen kann», sagt Müller. Mit anderen Worten: Jemanden, der auch mehrere Legislaturen im Gemeinderat bleibt.

Ein weiterer Grund, weshalb die CVP- und FDP-Ortsparteien einen Aufruf lanciert haben: «Uns ist wichtig, dass das Mägenwiler Stimmvolk eine Auswahl hat, wer den noch freien Sitz besetzen soll. Das ist fairer und sorgt für politischen Aufschwung», sagt Müller.

«Ich bin fit und sehr belastbar»

Urs Zulauf zeigt sich ob dem Aufruf der Ortsparteien enttäuscht. «Mein Alter tut nichts zur Sache. Ich bin geistig sowie körperlich fit und war die letzten Jahre viel mit dem Auto im Ausland unterwegs», betont Zulauf, der früher Marathon gelaufen ist, dem Bergsport gefrönt und den Kilimanjaro bestiegen hat.

Dank seiner Arbeit als ehemaliger Kanzleichef in der JVA sei er sehr belastbar, auch bringe er das nötige Know-how mit. «Ich weiss, wie der Staatsapparat funktioniert.» Zudem habe er sich vor seiner Anmeldung mit Gemeinderätin Marlène Fehlmann (SVP) ausgetauscht. «Ich habe mir meine Kandidatur gut überlegt und bin überzeugt, dass ich alles mitbringe, was für ein Gemeinderatsamt verlangt wird.»

Zulauf könne nicht verstehen, weshalb die CVP und die FDP freie Kandidaten unterstützen, nachdem «die Parteien nicht fähig sind, einen eigenen Kandidaten zu stellen». Er selber wäre bereit gewesen, eventuell der FDP beizutreten, die ihm politisch am nächsten stehe.

«Doch jetzt, wo ich weiss, dass gegen mich gearbeitet wird, wurde das obsolet», sagt Zulauf, der im Kanton Baselland aufgewachsen ist und seit 2003 in Mägenwil wohnt.

Zulauf ist bereit, mindestens eine Amtsperiode oder länger, sollte er erneut gewählt werden, im Dienste der Gemeinde zu stehen. «Ich bin der Meinung, dass man sein Amt durchziehen muss. Vorzeitig zurückzutreten käme für mich nicht infrage, ausser, wenn es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ginge.» Sollte er gewählt werden, wäre er für jedes Ressort offen: «Mir ist einfach wichtig, dass ich meine Kräfte für die Gemeinde einsetzen kann.»

Weiterer Kandidat in Sicht?

Die offizielle Anmeldefrist für die Ergänzungswahl ist zwar abgelaufen. Doch können neben Urs Zulauf alle Stimmberechtigten Mägenwils gültige Stimmen erhalten – und so in die Exekutive gewählt werden.

Die CVP und FDP haben die Hoffnung, dass es, wie CVP-Ortsparteipräsident Viktor Müller sagt, zu einer «echten Wahl» kommt, nicht aufgegeben: «In der Zwischenzeit hat sich eine interessierte Person, die für den Gemeinderatssitz sehr geeignet ist, bei uns gemeldet.» Wer diese ist, werden die CVP- und FDP-Ortspartei raschmöglichst nach einem Hearing bekannt geben.

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