Badener Vereine oder Firmen konnten bisher mit 50 bis 100 gesponserten Spanischbrödli rechnen, wenn sie die Stadt um einen Beitrag an einen Apéro baten – zumindest seit 2007. Nun halbiert die Abteilung Standortmarketing ihr Engagement.

Weil sich das Badener Wahrzeichen etabliert habe, sei ein direktes Produkt-Sponsoring seitens der Abteilung Standortmarketing nicht mehr zwingend, erklärt Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing. «Wir haben bereits 2013 lediglich 3000 Franken hierfür aufgewendet, obwohl noch 6000 budgetiert waren», sagt Lütolf. 2014 sind 3000 Franken budgetiert.

Nicht betroffen von den Kürzungen ist die Spanischbrödli-Website. Auch sponsert die Stadt dieses Jahr unter anderem dem Freiluft-Kino 200 Stück. Das kostet sie rund 760 Franken bei einem Stückpreis zwischen Fr. 3.60 und 4 Franken.

Brödli hätte Potenzial

Das süsse Blätterteiggebäck hätte durchaus das Potenzial, über die Region hinaus Bekanntheit zu erlangen, ähnlich wie das Basler Läckerli oder der Züri Tirggel. Das Hotel B2 in Zürich bietet Spanischbrödli auf der Menükarte an; die Bäckerei Moser’s verkauft das Brödli auch in ihren Zürcher Filialen; die Bäckerei Wanner bekam gar schon Aufträge für Genf und Paris und es gibt Aargauer Bäckereien, die sich um das Rezept bemüht haben.

Doch Marke und Produkt sind in Badener Händen. Lediglich vier hiesige Bäckereien kennen das Rezept und die Marke bleibt Eigentum der Stadt.

Kein Welteroberer

Warum also nicht von Baden aus die ganze Schweiz beliefern und aus dem Wahrzeichen eine Goldgrube machen? «In dem Produkt steckt viel Handarbeit und es schmeckt am besten, wenn es ofenfrisch serviert wird», sagt Guido Moser von Moser’s Bäckerei. «Man müsste die Produktion und Logistik ausbauen.»

Die Spanischbrödli müssten tiefgefroren geliefert und vor Ort ausgebacken werden, damit sie so gut schmecken wie zu Hause. Diese Kapazitäten hat nicht jede Bäckerei vor Ort. Lütolf vom Standortmarketing würde sich zwar freuen, wenn das Spanischbrödli sich in anderen Regionen und Landesteilen etabliert, «es soll aber ein Produkt aus der Region bleiben und es soll von Hand gemacht werden», sagt er.

Badener Stein bleibt Spitzenreiter

Die Bäckereien feiern mit dem Brödli auch ohne Hilfe des Standortmarketing durchaus Erfolge: «Die Badener identifizieren sich mit dem Spanischbrödli», sagt Fritz Wanner von der Bäckerei Wanner. Diese emotionale Bindung ist die Knacknuss. «Viele Städte haben ihre eigene Delikatesse», sagt er. Ein Zuger wird sich nicht von seiner Kirschtorte trennen und zum Dessert Spanischbrödli servieren.

Guido Moser gibt zu bedenken, dass das Marketing letztlich Sache der Unternehmen sein soll. Man müsste aber sehr viel Marketing betreiben, um das Brödli schweizweit bekannt zu machen. «Eine solche Kampagne übersteigt die Möglichkeiten eines KMU wie uns und hat für uns keine Priorität.»

Dass eine Expansion schwierig werden würde, zeigt sich auch daran, dass das Spanischbrödli bei den Süsswaren nicht unter den Top Ten ist in Moser’s Filialen. Spitzenreiter seien der Badener Stein und der Berliner.