Sieben Badenfahrten, oder wenn der Herrgott es gut meint vielleicht sogar acht, lagen 1937 noch vor uns. Wir neugebackenen Bezirksschüler hatten noch ausgeruhte, leichte Köpfe. Für jedes Schulfach einen separaten Lehrer war für uns etwas ganz Einmaliges. Eine echte Auswahl – obwohl wir nicht selber wählen konnten. So lag es auf der Hand, uns diejenigen auszusuchen, die für einen Streich gut waren.

An Ideen sollte es uns wahrlich nicht mangeln. Da tauchte zum Beispiel ein Dozent auf, zu dem schon mein Vater zur Schule gegangen war, mit dem Übernamen «Maroni». Warum man ihm diesen Namen gab, fand ich nie heraus. Es gab eine Meinung, die besagte, dass dies gar nicht der richtige Übername sei. In Wirklichkeit hätte es früher «Ma ohni» geheissen, da er so dünn war und dies «Mann ohni Füdli» bedeutete. Auf jeden Fall war er für uns ein geeignetes Objekt. Ein Mitschüler, dessen Vater bei BBC, der heutigen ABB, arbeitete, brachte von dort kleine Blechröhrchen mit in die Schule. Diese wurden von uns wie ein Blasrohr verwendet.

Ein rätselhafter Wasserschaden

Nasse Papierkügelchen konnten damit an die Decke geblasen werden und blieben dort haften. Die Pause wurde gerne dafür verwendet und die Decke veränderte sich langsam: Gespannt warteten wir auf die Reaktion von Maroni. Da er aber ein zerstreuter Professor war, fiel ihm nichts auf. Auch die zweite Pause half nichts. Ein Mitschüler machte nach der dritten Pause – für uns intensive Blasarbeit – Maroni darauf aufmerksam, dass mit der Decke etwas nicht stimme. Erstaunt betrachtete Maroni die Bescherung und stürmte sofort zum Rektor. Dieser erschien, betrachtete die sonderbare Decke und war auch ratlos. Da müsse vom oberen Stock Wasser durchgedrungen sein, meinte er, der Abwart solle nachsehen und wenn der nichts finde, müsste man einen Sanitär rufen. Alle kamen und konnten nichts entdecken, die Veränderung blieb rätselhaft. Da wir alle dichthielten und weiter kein Wasser gefunden wurde, konnten wir uns ein ganzes Jahr oder länger an der von uns geschaffenen Spezialdecke freuen.

Alle gegen einen, einer für alle

Wir liessen Maroni in Ruhe, aber wir hatten Blut gerochen und nahmen einen weiteren Lehrer, mit Übernamen «John», ins Visier. Von ihm wurden wir über das Werden und Vergehen von Pflanzen und Tieren unterrichtet. Er war etwas strenger als Maroni und so wollten wir ihm eine etwas schwächere Behandlung zumuten, vor allem keinen bleibenden Schaden anstellen.

John erklärte uns alle Tiere von Grund auf, also vom Skelett her. Er präsentierte uns eines Morgens eine ganze Sammlung von Tierkopfskeletten. Er stellte uns Köpfe von Fuchs, Frettchen, Nerz, Iltis, Zobel, Biber, Marder, Hermelin, Dachs und Wiesel vor, da nach seiner Meinung nur aufgrund des Knochenbaus die Tiere gut zu studieren seien. Anselm hatte einen guten Einfall. Wir sollen jedem Kopf eine Handvoll Gras zwischen die Zähne stopfen und wenn John anfängt zu fluchen, wollen wir uns gemeinsam entschuldigen. Wir hätten nur das Makabere etwas auflockern wollen.

Doch es kam anders. In der vordersten Reihe sitzend, erkannte ich, dass einige Büschel Gras am Boden lagen und hob sie auf. In diesem Moment erschien John, sah seine verschönerten Exponate, sah das Grün in meinen Händen. Ohne ein Wort zu verlieren, versetzte er mir eine mächtige Ohrfeige. Es war totenstill in der Klasse. Aus alle gegen einen war einer für alle geworden. Das Exempel und meine geschwollene Backe hatten geholfen, die Streiche wurden selten.