Tierhaltung
Zu wenig Gras – jetzt müssen viele Bauern ihre Kühe loswerden

Die Bauern in der Region Baden haben Mühe, ihr Vieh durch den Winter zu bringen. Wegen der Trockenheit wuchs zu wenig Gras. Ein Teil ihrer Herden wandert vorzeitig auf die Schlachtbank. Doch die Preise für die Tiere sinken, ebenso die Einnahmequellen

Sabina Galbiati
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Bauer Alex Füglistaller in Wohlenschwil musste mehr Kühe verkaufen als in anderen Jahren, weil er zu wenig Futter hat, um alle durch den Winter zu bringen.

Bauer Alex Füglistaller in Wohlenschwil musste mehr Kühe verkaufen als in anderen Jahren, weil er zu wenig Futter hat, um alle durch den Winter zu bringen.

Chris Iseli

Die Bauern in der Region konnten zwar vom schönen Herbstwetter profitieren. Sie liessen ihre Kühe länger auf den Weiden grasen und konnten dank der vielen Sonnenstunden einfacher ernten. Doch der Schaden wurde bereits vorher angerichtet. Nach dem trockenen und heissen Sommer fallen die Erträge tiefer aus als in anderen Jahren. Wie gross die finanziellen Einbussen sein werden, lässt sich noch nicht abschätzen.

In der Region Baden müssen viele Landwirte Kühe verkaufen, beziehungsweise mehr Tiere verkaufen, als sie es in anderen Jahren tun. Der Grund: Weil im Sommer zu wenig Gras wuchs, konnten die Bauern keine oder nur geringe Heuvorräte anlegen. Vorräte, die den Landwirten fehlen werden, um all ihre Tiere über den Winter zu bringen. Wie in den «Fetten Jahren» Futtervorräte für den Verkauf oder für später anzulegen, daran ist nach dieser Trockenperiode gar nicht erst zu denken. Im Gegenteil: Es liegt allgemein weniger Heu und Silomais in den Futter-Vorratskammern, was wiederum die Futterpreise steigen lässt. Deshalb lohnt es sich für die Bauern auch nicht, Futter zuzukaufen.

Alois Huber, Präsident Bauernverband: «Vom Schlachter bekommen die Bauern lediglich 2000 Franken für das Tier. Könnten sie es als Nutztier verkaufen, kämen sie auf bis zu 4000 Franken.» Alois Huber, Präsident Bauernverband Aargau: «Vom Schlachter bekommen die Bauern lediglich 2000 Franken für das Tier. Könnten sie es als Nutztier verkaufen, kämen sie auf bis zu 4000 Franken.»

Alois Huber, Präsident Bauernverband: «Vom Schlachter bekommen die Bauern lediglich 2000 Franken für das Tier. Könnten sie es als Nutztier verkaufen, kämen sie auf bis zu 4000 Franken.» Alois Huber, Präsident Bauernverband Aargau: «Vom Schlachter bekommen die Bauern lediglich 2000 Franken für das Tier. Könnten sie es als Nutztier verkaufen, kämen sie auf bis zu 4000 Franken.»

Chris Iseli

Noch Glück hatte Samuel Imboden von Bauernhof Agrino in Remetschwil. Seine 70 Kühe können noch von den Vorräten aus dem Vorjahr zehren. «Ich gehe davon aus, dass das Futter bei uns reichen wird. Sollte es aber im kommenden Jahr wieder so wenig regnen, wird auch bei uns das Futter fehlen.» Er rechnet vor: «Normalerweise fallen pro Quadratmeter 1200 Liter Wasser im Jahr, dieses Jahr fehlen noch 500 Liter, also fast die Hälfte.»

Der benachbarte Biobetrieb Ackermatthof dagegen wird von seinen 30 Tieren 3 bis 4 Kühe und ein Rind verkaufen müssen, rund 17 Prozent des Bestandes, weil das Futter fehlt. Und «weil es vielen Landwirten so geht, sind mehr Tiere auf dem Markt, was wiederum auf den Preis drückt», bedauert Landwirtin Monika Rindisbacher vom Ackermatthof.

Sie weiss auch von Betrieben, die im Frühling einen Teil ihres Futters verkauft haben, weil viel vorhanden war und das Heu schliesslich nicht besser wird. «Diesen Landwirten fehlen nun die Vorräte.»

Direktzahlungen nützen nichts

Der fehlende Regen der letzten Monate setzt auch Alex Füglistaller vom Nüeltschehof in Wohlenschwil arg zu. Er verkauft jedes Jahr zwischen 8 bis maximal 10 von seinen 50 Milchkühen. Dieses Jahr waren es 13. «Sonst würde das Futter nicht reichen. Deshalb haben wir die Tiere bereits verkauft, als die Preise noch besser waren.» Mehrmals pro Jahr können die Wiesen gemäht werden. «Der dritte bis fünfte Schnitt waren aber trotz Bewässern sehr mager dieses Jahr», berichtet er.

Weil der Milchpreis mit rund 55 Rappen pro Liter auf einem Rekordtief ist, lohnt es sich für ihn nicht, Futter zuzukaufen, wenn dieses verhältnismässig teuer ist. Da nützen auch die Direktzahlungen des Bundes nichts. Unter dem Strich geht die Rechnung einfach nicht auf in diesem Jahr.

Herausfordernd kommt für Landwirt Füglistaller das Wohlenschwiler Nitratschutzprojekt hinzu, welches das Grundwasser der Gemeinde schützt. Dadurch muss er mehr Ausgleichsflächen halten, auf denen nährstoffarmes Futter wächst.

Region Baden stärker betroffen

Auf Anfrage sagt Alois Huber, Präsident des Aargauer Bauernverbandes, dass die Bauern in der Region Baden stärker vom Futtermangel betroffen sind, als andere Regionen im Kanton. Einzig das Fricktal sei ebenso stark, wenn nicht noch stärker betroffen. «Der Futtermangel zieht sich wie ein breiter Gürtel durch diese Regionen. Deshalb müssen die Bauern dieses Jahr auch produktive Kühe verkaufen, die sie in anderen Jahren nie und nimmer abgestossen hätten.» Diese Tiere kommen zum Schlachter.

«Der Nachteil dabei ist, dass sie beim Schlachter lediglich 2000 Franken für das Tier bekommen», sagt Huber. Könnten sie ein Tier aber als Nutztier weiterverkaufen, kämen sie auf bis zu 4000 Franken. «Zum finanziellen Verlust kommt der Produktionsverlust hinzu», sagt Huber. Weniger Milchkühe bedeuten weniger Milch, weniger Käse und letztlich weniger Umsatz.

Einfallsreichtum gefordert

Den Kopf will Bauer Füglistaller trotz allem nicht in die trockene Erde stecken. «Man soll nicht jammern», sagt er. Sollte das kommende Jahr wieder so trocken werden, hat er schon einige Ideen, wie er seine Milchkühe durch den übernächsten Winter bringt. «Ich werde für andere Landwirte das Begrünen im Herbst übernehmen.» Das Bodenschutzgesetz schreibt nämlich vor, dass wer Getreide erntet, auf demselben Feld im Herbst sähen muss. Das kostet den Landwirt Zeit und Geld. Füglistaller will die Arbeit auf fremden Feldern übernehmen und dafür den Herbst- und Frühlingsschnitt für seine Tiere einfahren. Auch in die eigenen Produkte und den Hofladen will Familie Füglistaller investieren, da dieser besser rentiert. «Und ich habe angefangen, Holzskulpturen zu schnitzen», sagt er. Schliesslich seien auch kreative Lösungen gefragt. Seine Kühe will er auf jeden Fall weiterhin hegen und pflegen.

Auch Landwirtin Monika Rindisbacher sieht in der Diversifizierung eine Chance und Notwendigkeit, um auf Dauer lukrativ zu bleiben.

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