Freiamt
Zuerst Plakatsünder gejagt und dann Beiträge gefälscht

Die Plattform www.wahlwerbung-aargau.ch ist nach einem Knatsch zwischen den Betreibern Bruno Bühler und Peter Wäger nicht mehr zugänglich. Die beiden ehemaligen Wegbegleiter decken sich gegenseitig mit Vorwürfen ein.

Fabian Hägler
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Zuerst Mitstreiter, jetzt Gegner: Peter Wäger (l.) und Bruno Bühler.

Zuerst Mitstreiter, jetzt Gegner: Peter Wäger (l.) und Bruno Bühler.

AZ

Zuerst jagten sie gemeinsam Plakatsünder, nun decken sie sich gegenseitig mit Vorwürfen ein: Bruno Bühler aus Zufikon und Peter Wäger aus Wohlen, die gemeinsam die Website www.wahlwerbung-aargau.ch betrieben. Der heftige Streit zwischen Bühler und Wäger hat dazu geführt, dass die Seite, die falsch platzierte Wahlplakate von Politikern anprangerte, heute nicht mehr zugänglich ist.

Bühler: «869 Plakate wurden entfernt

Für Bruno Bühler ist klar: Obwohl seine Website nur wenige Wochen lief, war wahlwerbung-aargau.ch erfolgreich. «In den Gemeinden Bremgarten, Berikon, Widen, Rudolfstetten und Zufikon wurden 869 falsch aufgehängte oder illegal angebrachte Plakate entfernt», sagt er. In rund 700 Fällen seien Behörden oder Regionalpolizei aktiv geworden, die restlichen Plakate hätten Politiker oder ihre Wahlhelfer selber umplatziert. «Aus Zeit- und Kapazitätsgründen wurden auf der Website primär Plakate aus dem Raum Mutschellen angeprangert», erklärt Bühler. Er betont jedoch: «Wenn man die entfernten Plakate auf den Aargau hochrechnet, kommt man auf stolze Zahlen». Bühler schätzt, dass im ganzen Kantonsgebiet «Tausende, wenn nicht Zehntausende Plakate gesetzeswidrig platziert sind.» Und der Zufiker
ist sicher, dass mit mehr Information auch andere Gemeinden gegen den Wildwuchs aktiv geworden wären. (fh)

«Ich habe mich mehrfach bei Peter Wäger beklagt, dass die Website schlecht programmiert ist», sagt Bühler. Er habe durch einen einzigen falschen Klick 144 Plakatbilder verloren, es gebe keine Warnung, wenn er versehentlich Inhalte lösche und Wäger habe kein Backup der Daten erstellt, lauten seine Vorwürfe. «Die Software von Peter Wäger enthält auch keine Funktion, um falsche Einträge rückgängig zu machen.»

Bühler: «Seite fast allein betrieben»

Bühler ergänzt: «Ausserdem hat sich Peter Wäger selber kaum engagiert, ich habe die Website praktisch allein betrieben». Wäger, der als Domain-Inhaber von www.wahlwerbung-aargau.ch eingetragen ist, habe ihm versprochen, aktiv mitzuarbeiten. «Dies hat er aber nicht eingehalten, mehrfach wurden Mails von Leuten, die uns Plakatsünder meldeten, nicht beantwortet, und auch sonst hielt sich Wägers Unterstützung in Grenzen», kritisiert Bühler.

Der Zufiker ist enttäuscht von seinem ehemaligen Mitstreiter: «Wie unprofessionell Wäger agiert, zeigt sich schon daran, dass heute auf wahlwerbung- aargau.ch nicht einmal ein Verweis steht, weshalb die Seite abgeschaltet wurde», führt Bühler aus.

Wäger: «Bühler fälscht Beiträge»

Mit den Vorwürfen konfrontiert, kontert Peter Wäger: «Bruno Bühler hat nachweislich Beiträge auf der Website gefälscht. Das kann ich als Domain-Inhaber nicht tolerieren, deshalb habe ich die Seite vom Netz genommen», begründet er. Tatsächlich: Laut Unterlagen, die der az Aargauer Zeitung vorliegen, hat Bühler unter dem Pseudonym «Foxi-Man» mehrere Mails an info@wahlwerbung-aargau.ch geschickt und seine eigenen Mailkommentare danach als anonyme Leserreaktionen auf der Website veröffentlicht.

«Das grenzt für mich an Betrug, hinter solchen Praktiken kann ich nicht stehen», sagt Wäger. Für ihn ist es «scheinheilig, wenn sich Bruno Bühler einerseits für die Einhaltung der Gesetze einsetzt und Politiker im Internet anprangert, andererseits selber Beiträge verfasst und damit die Besucher der Website täuscht».

Bühlers Kritik am Content Mana-gement System (CMS), also der Software hinter der Website, weist Wäger zurück. «Das CMS entspricht gängigen Standards und ist weder unsicher noch schwierig zu bedienen». Zudem betont Wäger, er habe Bühler die Website-Technik absolut kostenlos zur Verfügung gestellt.