Zugverkehr
«Und dann ist es interessant geworden»: Dieser Aargauer wurde aus dem Gotthard-Tunnel evakuiert

Im Gotthard-Basistunnel ist es am Sonntagabend zu einer technischen Störung an einem Zug gekommen. Fast 600 Personen mussten evakuiert werden. Ein betroffener Aargauer erzählt von dem aufregenden Moment seiner Reise.

Alessandro Crippa
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Im Gotthard-Basistunnel kam es am Sonntag zu einer Zug-Evakuierung mit rund 600 Personen.

Im Gotthard-Basistunnel kam es am Sonntag zu einer Zug-Evakuierung mit rund 600 Personen.

zvg

Plötzlich bleibt der Zug stehen – mitten im längsten Eisenbahntunnel der Welt. Das alleine ist noch keine spektakuläre Meldung. Am Sonntagabend wird es im Gotthard-Basistunnel aber doch noch speziell. 580 Passagiere müssen wegen einer technischen Störung den Zug verlassen und an einer tunneleigenen Haltestelle umsteigen. Mit dabei war auch Marius Schneider aus Kirchdorf, von Beruf Schulleiter an der Bezirksschule in Turgi.

Marius Schneider erlebte die Zug-Evakuation im Gotthard mit.

Marius Schneider erlebte die Zug-Evakuation im Gotthard mit.

Bild: zvg

Schneider erzählt der AZ am Telefon, dass der Zug Lugano fahrplanmässig verlassen habe. Den Ceneri-Basistunnel habe dieser noch ohne Probleme passiert, im Gotthard-Basistunnel habe es aber nicht lange gedauert und der Zug habe angehalten. Bereits nach wenigen Minuten haben die Passagiere dank einer Durchsage erfahren, dass ein technisches Problem vorliege. Diese Durchsage sei auch mehrfach wiederholt worden. «Und dann hat das Warten angefangen», sagt Schneider.

Zuerst musste der Entlastungszug noch eintreffen

Man habe gemerkt, dass die SBB alle Hebel in Bewegung gesetzt hätten, um das Problem zu beheben. Der Zug sei auch wieder angefahren, aber: «Das hat gar nicht gut getönt. Das hat auch ein Laie gehört», sagt Marius Schneider weiter. Nach etwa einer halben Stunde, so schätzt der betroffene Passagier, habe man erfahren, dass es nicht weitergehe. Zumindest nicht in diesem Zug. Die Passagiere wurden informiert, dass sie bald evakuiert werden.

«Und dann ist es interessant geworden», sagt Schneider. Zuerst habe der Entlastungszug aus Bellinzona im Tunnel eintreffen müssen. Dann seien die Passagiere wagenweise zum Umsteigen aufgefordert worden. «An und für sich hat das im Tunnel nicht viel anders ausgesehen als in einer U-Bahn-Station in London oder Paris», sagt Schneider. Er sei dann vielleicht hundert Meter vorwärtsgelaufen und links durch eine Querverbindung in die andere Tunnelröhre abgebogen.

In dieser hat der Ersatzzug gewartet. Zu Schneiders Verwunderung war der aber nicht etwa leer, sondern schon gut gefüllt, da es sich um eine reguläre Verbindung handelte. «Das war vielleicht der vollste Zug seit Pandemiebeginn», rätselt Schneider.

Video der Evakuierung.

zvg / Marius Schneider

Panik sei nie ausgebrochen, er habe sich stets sicher gefühlt. Das habe vor allem damit zu tun, wie die SBB in dieser Situation kommuniziert haben. «Es war jederzeit klar, was ist, wie es weitergeht. Vermutlich wäre es erst dann kritisch geworden, wenn es noch länger gedauert hätte», sagt Schneider beeindruckt. Vielleicht hätten einige Fahrgäste schon ein mulmiges Gefühl gehabt. Die Sicherheit sei natürlich schon auch eine Frage, wenn man die über 2000 Meter Felsüberlagerung bedenkt.

Zug-Evakuation im Gotthard-Basistunnel: Die Passagiere müssen in die Nebenröhre umsteigen.

Zug-Evakuation im Gotthard-Basistunnel: Die Passagiere müssen in die Nebenröhre umsteigen.

Bild: Marius Schneider

Trotzdem: Die Warterei hat Marius Schneider als sehr kurzweilig empfunden. «Nebenan habe ich auf einem Laptop noch mitbekommen, wie die Holländer an der Fussball-EM ausgeschieden sind», erzählt er. Deshalb hat er es mit Fassung getragen, dass er erst mit zweieinhalb Stunden Verspätung in Obersiggenthal eingetroffen sei. Und das gänzlich unversehrt.

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