Seit zehn Jahren lockt der Spielplatz «Traumschiff» im Wohlenschwiler Ortsteil Büblikon Eltern und Kinder aus der ganzen Region an. Mit seinen Spielgeräten, einem Kräutergarten, Amphitheater, schattigen Sitzplätzen und einer schönen Aussicht auf das Reusstal lässt er Kinderherzen höherschlagen.

Erst kürzlich wurde der Platz gar durch eine engagierte Familie mit ihren Kindern um ein Spielhaus aus Robinien und eine Slackline erweitert. Doch die Zukunft des «Traumschiffs» ist ungewiss: Der Spielplatzverein ist auf der Suche nach weiteren freiwilligen Helfern, die den Fortbestand des Spielplatzes sichern, wie in der aktuellen Info-Broschüre der Gemeinde zu lesen ist.

Rückblende: 2008 haben Stefano und Eveline Martin im Gedenken an ihren verstorbenen Sohn ihre Idee eines Spielplatzes mithilfe einer kleinen Elterngruppe zu einem baureifen Projekt entwickelt. Sie gründeten einen Verein und überzeugten die Gemeinde, Land für das «Traumschiff» zur Verfügung zu stellen.

Mit Unterstützung zahlreicher Familien und Spendern konnten die Initianten den Spielplatz bauen und am 1. August einweihen. Den Betrieb stellen Eltern jeweils an Frühlings- und Herbstarbeitstagen sicher sowie anhand von Sicht- und Ordnungskontrollen. Der Unterhalt des Spielplatzes wird durch den Erlös eines jährlich stattfindenden Racletteplauschs finanziert.

«Doch in diesem Jahr wird der Racletteplausch wohl ins Wasser fallen – und somit eine wichtige Einnahmequelle ausbleiben», sagt Vorstandspräsident Stefano Martin. Es fänden sich zu wenig Eltern, die sich für den Spielplatz in Fronarbeit zeitlich engagieren können. Auch für den Vereinsvorstand, der seit zwei Jahren nur noch aus drei Personen besteht, darunter das Ehepaar Martin, werden noch Eltern gesucht.

«Nach zehn Jahren möchten wir kürzertreten und den Spielplatz in gute Hände geben», sagt Martin. Man habe sehr viel Freiwilligenarbeit für das ‹Traumschiff› geleistet, dafür auch private Interessen zurückgestellt. Zudem seien ihre Kinder gross geworden. «Es wäre gut, wenn nun junge Eltern die Führung übernehmen würden.»

Beitrag zur Wohnqualität

Das «Traumschiff» nimmt eine wichtiger Rolle in der Gemeinde ein. So leiste der Spielplatz nicht nur einen Beitrag zur Integration, sondern trage auch zur Wohnqualität bei: «Viele Zuzüger sind auch seinetwegen nach Wohlenschwil gekommen», sagt Martin. Zudem sei es in all den Jahren nie zu Vandalenakten gekommen. «Mittlerweile hat sich die Routine eingespielt. Neben der Organisation des Racletteplauschs und der Familienarbeitstage ist deshalb nicht mehr viel Aufwand nötig.»

Vizeammann Nadia Diserens, die früher selber im Vorstand des Spielplatzvereins tätig war, unterstreicht die Wichtigkeit des «Traumschiffs» für Wohlenschwil. Dass sich fast keine Freiwillige fänden, die sich für den Spielplatz engagieren könnten, sei leider ein Problem, mit dem viele Vereine zu kämpfen hätten. «Das Verständnis für Fronarbeit hat sich heute geändert.» Man sei zwar bereit, für eine Leistung zu zahlen. Doch Zeit, sich selber für eine Sache zu engagieren, sei kaum vorhanden. Mit persönlichen Beziehungen habe es das Ehepaar Martin immer wieder geschafft, den Spielplatz perfekt zu unterhalten.

Finanzielle Lage berücksichtigen

Wäre es für die Gemeinde kein Thema, den Spielplatz zu übernehmen? «Würde man das ‹Traumschiff› in professionelle Hände wie die Gemeindewerke geben, würde es Kosten generieren und das Budget belasten», sagt Diserens. Sie sei sich bewusst, dass der Spielplatz eine bedeutende Rolle einnehme, sie müsse aber auch die finanzielle Lage der Gemeinde berücksichtigen. «Meine Idee ist, eine neue Vereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Spielplatzverein auszuarbeiten, die für beide Seiten stimmt.»

Aus dem Vorstand zurücktreten und den Spielplatz seinem Schicksal überlassen, das will Stefano Martin auf keinen Fall. Er hofft, dass sich doch noch Eltern finden, die sich um den Betrieb des «Traumschiffs» kümmern und schätzen, was in all den Jahren in Fronarbeit aufgebaut wurde.