Figura-Theaterfestival
Zum elften Mal lassen sie in Baden die Figuren lachen, weinen und träumen

Das Figura-Theaterfestival ist ein kulturelles Aushängeschild der Stadt Baden. Am Dienstagabend fand die Eröffnung der elften Ausgabe im Kurtheater Baden statt. Das französische Théâtre La Licorne bescherte dem Publikum einen hinreissenden Auftakt.

Elisabeth Feller
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Volle Reihen im Kurtheater Baden bei der Eröffung des Figura-Theaterfestivals
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Am Dienstagabend fand die Eröffnung der elften Ausgabe des Figura-Theaterfestivals im Kurtheater Baden statt.
Vielen Dank dem Figura-Team, sagt Badens Stadtammann Geri Müller
Thomas Pauli-Gabi, der Aargauer Kulturchef
Schneller, schneller, schneller
Hier hilft nur noch beten
Mirakulöse Szene
Gross in Form ist das Quartett Musique en route
Festivalleitung mit Eveline Gfeller und Markus Lerch
Da sind sie ja schon, die Akteure des Théâtre La Licorne mit ihren Zirkusfiguren

Volle Reihen im Kurtheater Baden bei der Eröffung des Figura-Theaterfestivals

Alex Spichale

Der Badener Stadtammann Geri Müller bringt es gestern Abend im Kurtheater auf den Punkt: «Baden ist reich gesegnet mit Kulturveranstaltungen. Braucht es diese noch?»

«Ja», hat kurz zuvor Thomas Pauli-Gabi, Leiter Abteilung Kultur des Departements Bildung, Kultur und Sport des Kantons Aargau, gesagt und dabei entwaffnend bekannt:

«Ich bin das erste Mal hier.» Hier meint die diesjährige elfte Ausgabe des Figura Theaterfestivals, das neben dem Animationsfilm-Festival Fantoche ein weiteres kulturelles Aushängeschild der Bäderstadt ist.

«Sie leisten zukunftsweisende Kulturarbeit», wendet sich Pauli-Gabi an die beiden Festivalleiter Eveline Gfeller und Markus Lerch: «30 Prozent der Bevölkerung lassen sich auf Kultur ein; 70 Prozent lassen sich nicht darauf ein. Für sie braucht es Angebote – und das Figura-Festival agiert diesbezüglich sehr, sehr professionell. Es gelingt ihm, neue Publikumssegmente anzulocken.»

Mit welchem Effort das verbunden ist, erzählt das Duo Gfeller/Lerch in seiner witzigen Ansprache. 40 000 Kilometer hat die vierköpfige Programmgruppe zurückgelegt, um in ganz Europa jene 36 Inszenierungen aus zehn Ländern aufzustöbern, die nun bis zum 29. Juni auf Bühnen, Strassen und Plätzen in Baden und Wettingen zu sehen sind. 21 Produktionen werden erstmals in der Schweiz vorgestellt, zwei davon sind laut Lerch «echte Premieren».

«Das Figura-Festival ist eröffnet»

Markus Lerch freut sich offensichtlich, dass er auf der Bühne des vollbesetzten Kurtheaters «für einmal mit Zahlen um mich schmeissen kann.» Also: 90 Künstlerinnen, Künstler und Techniker machen dieses Jahr mit, 800 Betten müssen gemacht und 1500 Menüs gekocht werden. «Letztlich interessiert aber das Menü selbst, unser Programm», betont Eveline Gfeller und verweist auf die elfte Ausgabe. Die Zahl 11, habe sie gelesen, werde in Verbindung gebracht mit «intuitiv, verträumt, nervös und charismatisch». Mehr muss zum Figura Theaterfestival kaum mehr gesagt werden, nur noch der von Gfeller/Lerch gemeinsam hinausposaunte Satz: «Das Figura-Theaterfestival ist eröffnet.»

Kaum ist er ausgesprochen, eilen Helfer auf die Bühne und verwanden diese blitzschnell in einen speziellen Ort. Der Titel «Les encombrants font leur cirque» («Das alte Eisen macht noch einmal Zirkus») verrät, um welchen es sich handelt: einen Zirkus. Zwar hatte das Publikum schon beim Eintreten die vom Bühnenhimmel hängenden Lichterketten bemerkt, doch nun leuchten sie – und beleuchten zugleich ein auf den ersten Blick skurril und verschroben anmutendes Grüppchen älterer und betagter Menschen. Es sind Dompteure, die nicht mehr in der Blüte ihres Lebens stehen. Aber zum alten Eisen gehören sie deswegen noch lange nicht.

In der Manege vergessen sie ihre Gebresten und schöpfen noch einmal aus dem vollen. Sie beleben ihre alten Nummern; zähmen Kreationen aus Metall und Schrauben; verstauen in einem Haifischmaul ein Ei, um dieses wenig später als Spiegelei hervorzuzaubern und lassen Sardinendosen halsbrecherische Trapeznummern absolvieren. Am Ende gilt der starke Applaus den sieben Akteuren des französisschen Théâtre La Licorne, das mit seiner Mischform aus Puppentheater, Schauspiel und Bildender Kunst dem Publikum einen hinreissenden Figura-Auftakt beschert hat.

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