Kirchdorf

Zum Erntedank flossen der Schweiss und der Wein in Strömen

Weit über tausende Besucher haben ein wundervolles «Sichlete»-Wochenende in vollen Zügen genossen. Die Bewohner und Vereine aus Kirchdorf haben, wie alle fünf Jahre, ein Fest auf die Beine gestellt, das einmalig ist.

Gäbe es nicht nur Regen-, sondern auch Schweissmesser, am Wochenende wären etliche Liter zusammengekommen – besonders in Kirchdorf. Da rann er von Gesichtern, Rücken und Dekolletés, dass es eine wahre Freude war. Ja – der Himmel war von so unglaublich festfreudigem Blau, dass Schwitzen zur Wonne wurde. Auch Karl Müller, der beim «Hühnerstall» die beiden Fritteusen für Poulet-Flügeli und Pommes frites bediente, strahlte übers ganze, schweisstriefende Gesicht: «Superwetter!»

Im «Weinbrunnen», wo eine köstliche «Sichlete»-Bratwurst serviert wurde, standen neben Promille-abstinenten Wässerchen logischerweise nur Weine auf der Karte. Dass der eine und andere Gast sich in der Nachbarbeiz ein Bier holte, nahmen die vereinigten Kirchdorfer Weinproduzenten keinem übel – nach Sonnenuntergang floss dann auch der Rebensaft in Strömen. Auch gar so manches Gläschen Heida war darunter, serviert zum Walliser Raclette: St-Maurice – seit 14 Jahren Partnerstadt von Obersiggenthal – hatte die Käselaibe geliefert. Im «Bella Lui» wurden auch Trockenwurst und Alpkäse von der diesjährigen «Sichlete»-Gastregion Diemtigtal aufgetischt.

Mit allen Sinnen geniessen

Knurrende Mägen, dürre Kehlen? Aber bittschön, doch nicht an einer «Sichlete». Alle fünf Jahre findet sie statt, die zehnte war es heuer, und auch diesmal hielt sie dem Vergleich mit einer Badenfahrt durchaus stand. Denn was in einem stattlichen Radius rund um die Kirche St. Peter und Paul an Beizen und Bühnen zum Geniessen mit allen Sinnen einlud, liess wohl kaum einen Fest-Wunsch offen.

«Sichlete» ist von alters her gleichbedeutend mit Erntedank: in Kirchdorf konnte nach Lust und Laune nicht nur Kulinarik von Tandoori Chicken bis Paella, von Spätzli bis Capuns geerntet werden, am Samstag lockten auch Marktstände dazu, Ernte der anderen Art einzubringen: Kunstvoll verzierte Flip-Flops, selbst gemachte Konfi, (in weiser Voraussicht) selbst gestrickte Wollsachen, Schmuck, Scherenschnitte aus dem Diemtigtal. Horst Klingler bot alte Ansichten von Kirchdorf und Umgebung auf Schwarz-weiss-Postkarten wohlfeil. Dazu verriet der bald 80-Jährige, dass er daheim in Lörrach noch mit Othmar Hitzfelds älteren Brüdern Fussball gespielt habe.

Güllenschütti und Zumba

Apropos: Getschuttet wurde auch – in Töggeli-Kästen. Luftgewehr- oder Bogen-Schiessen waren ebenfalls im Angebot und eine Schmink-Fachfrau verwandelte Buben und Meitli je nach Wunsch in witzige Büsi oder Clowns. Der «Hirschen» war zum «Café Musée» mutiert: Nebst Kafi und Kuchen gabs eine kleine, feine Sammlung alter landwirtschaftlicher Gerätschaften zu bestaunen – etwa einen Studenbock, einen Aargauer Pflug und eine Güllenschütti.

Reich befrachtet waren die Dorf- und die Hauptbühne mit Show-Einlagen und Konzerten: Von der Musikgesellschaft St-Maurice bis zur Voice of Vegas; vom Schützenchörli bis zum Schwyzerörgeliquartett sorgten verschiedenste Formationen für unterschiedlichen Ohrenschmaus. Die Augen ihrerseits kamen unter anderem bei Hip-Hop und Indischen Tänzen, Zumba und Karate auf ihre Rechnung.

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