Baden
Zum Jubiläumsjahr haucht der Kunstraum alten Gemälden der städtischen Sammlung neues Leben ein

Viele Badener wüssten nicht, dass die Mitarbeitenden des Kunstraums auch für die Verwaltung der städtischen Kunstsammlung verantwortlich sind, sagt Kuratorin Claudia Spinelli. Für die kurze Ausstellung «Salon» diesen Monat haben sie deshalb Werke aus diesem Fundus an die Oberfläche geholt.

Daniel Vizentini
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Sofas und Stühle wurden im Raum aufgestellt, um eine Art Wohnzimmersituation – eben einen Salon – zu inszenieren. Spichale

Sofas und Stühle wurden im Raum aufgestellt, um eine Art Wohnzimmersituation – eben einen Salon – zu inszenieren. Spichale

Alex Spichale

Passend zum 50-Jahr-Jubiläum des Kunstraums wollen die Mitarbeitenden das Publikum mit Fragen zum Umgang mit dem kulturellen Erbe der Stadt konfrontieren: Was muss man aufbewahren, was eher nicht? Welche Werke sind wertvoll, welche wertlos, und nach welchen Kriterien entscheidet man, was gute und was weniger gute Kunst ist?

Den grössten Teil der Ausstellung machen dabei die rund 50 – teilweise auch unfertigen – Gemälde von Hans Buchstätter aus. 1910 wanderte der damals junge Österreicher nach Baden aus und malte bis zu seinem Tod verschiedene Bilder, die die Region dokumentieren. Zu sehen sind etwa Naturlandschaften wie der Teufelskeller, Bauernhäuser in Dättwil sowie das Landvogteischloss oder der Blick von der Ruine aus in Richtung Stadtturm und Lägern. Ein Kunstgenie war Hans Buchstätter nicht. Dass er technischer Zeichner war, merkt man unweigerlich an seinen oft zu detaillierten Konturen. Als Zeitzeugen sind seine Bilder aber wertvoll. «Schön war es früher dort, so habe ich das Limmatufer noch nie gesehen», sagte etwa ein Besucher beim Anblick eines Gemäldes von der Limmatpromenade aus dem Jahr 1922.

«Buchstätter war nah bei den Leuten und hatte viele private Förderer», sagt Claudia Spinelli. Viele Menschen in der Region hätten Bilder von ihm zu Hause. In der Ausstellung habe sie absichtlich alle Gemälde von ihm, die die Stadt besitzt, aufhängen lassen, ohne diese zu werten. Diese Aufgabe soll dem Publikum überlassen werden. Sofas und Stühle wurden im Raum aufgestellt, um eine Art Wohnzimmersituation – eben einen Salon – zu inszenieren, in der man absitzen und über die Bilder diskutieren kann. «Kunst will nicht nur betrachtet, sondern ins Gespräch gebracht und debattiert werden», sagt sie.

Befasst man sich dann mit den Werken Buchstätters, fällt bald auf, dass gerade seine unvollendeten Werke die spannendsten sind. Darunter sind viele Skizzen von Berglandschaften, deren schöne Farben eine behagliche, aber auch mysteriöse Stimmung erzeugen. Und gerade das will die Ausstellung aufzeigen: Je nach Epoche oder Perspektive findet gewisse Kunst mehr oder weniger Anklang, und man kann alte Werke auch neu aufsetzen oder mit neuen Dingen vereinen.

Passend dazu steht zu Beginn der Ausstellung ein Video von Künstlerin Judith Alberts, in dem sie ein altes Gemälde von Félix Valloton wieder inszeniert. Dabei hat sie sich selber gefilmt, wie sie nackt auf einem Sofa liegt und ein lebendiger Tintenfisch sie bedeckt. Die Aufnahmen wurden grafisch so bearbeitet, dass es wie ein Gemälde aussieht und man ist überrascht, wenn der Tintenfisch plötzlich zu atmen beginnt. «In der Ausstellung zeigen wir Werke von drei Männern, und die einzige Frau, von der wir etwas zeigen, ist, wie so oft, nackt», sagte Claudia Spinelli bei ihrer Ansprache an der Vernissage, ausgerechnet am internationalen Frauentag.

Gegenüber im Raum steht immerhin ein restauriertes Bild vom nackten Hans Trudel. Und am anderen Ende rundet ein Video von Jannik Giger die Ausstellung ab. Darin wird ein unfertiges Lied von Komponist Leoš Janáček vollendet mit mehrschichtigen Aufnahmen von Musikern, die die fehlenden Passagen übereinander improvisieren.

Ausstellung «Salon» – Leftovers, Prunkstücke und andere Badener Geschichten, bis am 25. März im Kunstraum Baden. Am 21. März findet die 50-Jahr-Feier statt.

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