Zwischen der Wohnsiedlung Neugrüen und dem gegenüberliegenden Einkaufszentrum im Geerig rauschen die Autos und Lastwagen über die Lenzburgerstrasse.

Nur wenige Meter nach dem Neugrüen mit seinen fast 200 Wohnungen ist die Geschwindigkeitsgrenze 50 km/h. «Viele Fahrer von Wohlenschwil her sind Eingangs der 50er-Zone noch zu schnell unterwegs», erzählt Sandra Moser, Inhaberin des Partyartikel-Geschäfts «My Day My Party».

Obwohl die Lenzburgerstrasse viel und schnell befahren ist, beobachtet Moser durch die Schaufenster ihres Geschäfts jeden Tag mehrmals, wie die Leute die Strasse überqueren. Doch es hat keinen Fussgängerstreifen.

Den gibt es erst am anderen Ende der Wohnsiedlung und des Einkaufszentrums, beim Kreisel dorfeinwärts. Selbst den Müttern scheint es zu mühsam zu sein, mit ihren Kindern den Umweg via Kreisel zu machen, wenn es doch geradeaus schneller in die Migros und zum Denner geht.

«Hier bräuchte es dringend einen Zebrastreifen – am besten mit einer Insel in der Mitte, damit der Verkehr langsamer wird. Moser hat schon mit vielen Neugrüen-Bewohnern gesprochen und überall tönt es gleich.

Auch Roswitha Peterhans vom gleichnamigen Coiffeurgeschäft direkt an der Strasse sagt: «Das Neugrüen füllt sich langsam, und so gehen immer mehr Leute direkt über die Strasse zum Einkaufen.»

Peterhans denkt auch an die Zukunft. «Jetzt, wo die Gemeinde einen dritten Kindergarten im Neugrüen eröffnen will, wäre ein zusätzlicher Fussgängerstreifen äusserst sinnvoll.» Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Kinder und Teenager aus den angrenzenden Quartieren die Strasse einfach überqueren, weil es alle anderen auch machen.

Mehr Leben in den Geschäften

Nicht zuletzt würde ein Zebrastreifen zwischen Neugrüen und dem gegenüberliegenden Einkaufszentrum auch den Geschäftsbesitzern beidseits der Lenzburgerstrasse zugutekommen.

«Die Kunden könnten ihr Auto hier oder bei der Migros auf der anderen Seite stehen lassen», sagt Peterhans. «Mit einer zusätzlichen Querung wäre die Hemmschwelle tiefer, noch kurz beim einen oder anderen Geschäft einen Zusatzstopp einzulegen.»

Sandra Moser ist überzeugt, dass das Lädele dadurch attraktiver würde und sich die Geschäfte des Neugrüens eher mit Leben füllen würden.

Vertröstet bis zur Umfahrung

Obwohl es sich bei der Lenzburgerstrasse um eine Kantonsstrasse handelt, wäre die erste Anlaufstelle die Gemeinde. Bisher habe sich aber niemand mit einem solchen Anliegen bei der Gemeinde gemeldet, sagt Gemeindeammann Bruno Gretener (FDP).

Einzig mit der Neugrüen-Besitzerin, der CS, habe der Gemeinderat das Thema angesprochen. Die Situation an der Lenzburgerstrasse ist bekannt: «Es ist bedenklich, dass Mütter bei der Migros parkieren und dann mit ihren Kindern einfach über die Strasse gehen, um sie in den Kindergarten im Neugrüen zu bringen», sagt Gretener.

Allerdings sieht er die Lösung nicht in einem zusätzlichen Zebrastreifen. «Die Leute gehen selbst dann noch dort über die Strasse, wo es gerade am bequemsten ist.»

Das würden Erfahrungen zeigen, die man an anderen Strassen gemacht habe. «Vielmehr sollten die Betroffenen Eigenverantwortung zeigen und mit Kindern den Fussgängerstreifen beim Kreisel benutzen – auch wenn dies einen kleinen Umweg bedeutet.»

Ganz abgeneigt ist der Gemeindeammann aber gegenüber einer zusätzlichen Querung nicht.

«Ich glaube aber nicht, dass der Kanton bereit wäre, kaum 50 Meter vom Kreisel entfernt eine weitere Fussgängerquerung zu bewilligen», sagt Gretener und ruft in Erinnerung, dass man die Situation nach der Realisierung der Umfahrung neu beurteilen müsste.

«Dann wird es auf diesem Strassenabschnitt zwei neue Bushaltestellen geben, die man gegebenenfalls mit einem Fussgängerstreifen verbinden kann.»

Kai Schnetzler, Leiter der Sektion Verkehrssicherheit beim Kanton, hat sich die Situation angeschaut und gibt zu bedenken, dass Fussgängerstreifen nicht per se Sicherheit garantieren.

«Zwar haben Passanten beim Zebrastreifen den Vortritt, aber wenn ihn nur einzelne Personen überqueren, halten viele Autofahrer nicht an – in der Meinung ‹es kommt ja eh keiner›.»

Ungeachtet dessen müsste man an dieser Stelle eine Querung mit einer Mittelinsel bauen, um die Sicherheit zu gewährleisten, schätzt Schnetzler die Situation ein.