Glauben Sie mir, Ihr Ausdruck hinterlässt immer einen Eindruck. Da brauchen wir gar nicht lange um den heissen Brei herumrennen. Das wussten schon die veralteten Griechen. Das nennt sich Retrorik! Wenn Sie beispielsweise im richtigen Moment ein passendes Sprichwort oder eine Redewendung aus dem Ärmel klopfen, ist das Geld wert! Grosses Fernsehen! Damit können Sie Eindruck schuften. Damit haben Sie Ihr Publikum in der Tasse. Vor allem die Interlektuellen. Das nur so als kleiner Wurf mit dem Zaunpfahl.

Klar, Hand aufs Hirn, ich gehöre längst zum Alteisen, ich bin ein älteres Silvester, aber Sprichwörter und Redewendungen kennen gehörte früher einfach zur guten Musik, und ebendiese Musik ist es ja gerade, die den Ton angibt! Das sollte sich jeder hinter die Ohren schreien. Früher gehörte das zum Allgemeinbild! Aber da ramme ich bei Ihnen vermutlich offene Türen ein. Sie wissen selbstverständlich um den Wert solcher Sprichwörter und wie viel Wahrheit sie transportieren.

Beispiel: «Was der Bauer nicht kann, frisst ihn auf.» Oder: «Ewig währt am längsten.» Oder: «Wer andern eine Grube gräbt, fehlt selbst Daheim.» Oder: «Der Abfall fällt nicht weit vom Stamm.» Das sind doch mehr als banale Allgemeinplätzchen! Da kann man doch etwas lernen! Viele Sprichwörter sind eins zu eins praktische Anleitungen fürs Leben. Etwa: «Man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.» Oder «Wirf das Geld nicht zum Fenster raus.» Oder: «Steck den Kopf nicht in den Sand.» Oder «Spann mich nicht auf die Folter.» Oder: «Säge nicht den Ast ab, auf dem du sitzt.»

Natürlich, jede Seite hat zwei Medaillen! Wenn man das Sprichwort falsch einsetzt, oder falsch versteht, kann das schnell zu Mistverständnissen führen. Da ist dann oft Hoffen und Salz verloren. Kürzlich behauptete doch tatsächlich einer: «Kleider machen Leute.» Und da musste ich vehement widersprechen. Ich lass mir doch keine Beeren aufbinden! «Nein», sagte ich, «nicht Kleider machen Leute, sondern Leute machen Kleider! Genauer gesagt, sind es sogar meistens Kinder, die Kleider machen!» Sie sehen, da muss man ganz extrakt sein. Da lohnt es sich, jedes einzelne Wort auf den Goldwagen zu legen. Und natürlich ist das anstrengend. Ohne Fleiss kein Schweiss. Aber werfen Sie nicht gleich das Halstuch. Es ist noch kein Meier vom Himmel gefallen. Und sogar ein blinder Hund findet einmal ein Korn. Auf, in den Krampf! Ich drücke Ihnen die Damen.