Zürich
Zürcherin gehört zu den Top Ten im Blindenschiesssport

Maja Hoffmann ist blind. Trotzdem trainiert sie seit sieben Jahren in der Schiessanlage Urdorf. An der kantonalen Meisterschaft hat die 52-Jährige den Schweizer Rekord gebrochen. Damit zählt sie zu den weltweiten Top Ten im Blindenschiesssport

Carolin Frei
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Der Wettinger Heinz Reichle im Training mit der blinden Maja Hoffmann in der 10-Meter-Schiessanlage in Urdorf. Carolin Frei

Der Wettinger Heinz Reichle im Training mit der blinden Maja Hoffmann in der 10-Meter-Schiessanlage in Urdorf. Carolin Frei

Die 52-jährige Zürcherin ist ein Talent im Blindenschiesssport: An den aktuellen 10-Meter-Meisterschaften im Sportschiessen in Bern hat die blinde Sportlerin Maja Hoffmann den Schweizer-Meister-Titel geholt, an den kantonalen in Zürich vor zwei Wochen einen neuen Schweizer Rekord aufgestellt und zugleich den Weltrekord egalisiert. «Das macht mich sehr stolz», sagt der Wettinger Heinz Reichle, der sie seit 2006 trainiert.

Spezielle Herausforderung

Bis 2006 gab es in der Schweiz für keine Möglichkeit für blinde Menschen, diesem Sport zu frönen. Inzwischen pflegen drei blinde Sportler dieses Hobby, in der bisher einzigen, entsprechend eingerichteten 10-Meter-Schiessanlage in Urdorf. «Eine spezielle Herausforderung für einen blinden Menschen ist die räumliche Orientierung», sagt Reichle. Deshalb werden im Training die genauen Körperdrehungen und -stellungen vom Aufheben des Gewehrs bis hin zur Abgabe der Schüsse geübt.

Maja Hoffmann würde nicht nur in der Schiessanlage konsequent trainieren, sondern auch im Fitnessstudio, um dann beim Schiessen in der eigenen Balance stehen zu können. «Zudem ist die Schulung der Feinmotorik, ohne die dieser Sport nicht ausgeübt werden kann, sehr aufwendig», betont der 64-Jährige.

Blinde müssen den Ton finden

Damit eine blinde oder sehr stark sehbehinderte Person den Schiesssport überhaupt ausüben kann, muss vom visuellen auf akustisches Zielen umgestellt werden. Dies erfolgt mittels Lichtmessung im Zielbereich und der Umwandlung der gemessenen Lichtwerte auf entsprechende Tonlagen. Die Ergebnisse der Lichtmessung werden vom «Umwandler» auf einen Stereo-Kopfhörer übertragen.

Je höher der wahrgenommene Ton ist, desto besser ist der Schütze im Scheibenzentrum angelangt. «Beim Wettkampf gilt es, diesen Ton möglichst schnell zu finden und dann – wie etwa beim 60-schüssigen Liegeprogramm – zügig Schuss um Schuss zu feuern.» An den Meisterschaften in Zürich sei dies Maja Hoffmann bis zum 55. Schuss wunderbar gelungen.

Nachher harzte es, wohl auch, weil immer mehr Zuschauer sich für die Schiesskünste der 52-Jährigen interessierten. Doch es gelang der Züricherin, dem Druck standzuhalten und das Maximum an Punkten zu holen. «Mit dieser Leistung gehört sie nun endgültig zu den Top Ten der Welt», freut sich Reichle.

Eigene Übungen kommen zu kurz

Noch mehr freuts ihn jedoch, dass durch den Schiesssport eine Integration stattfindet. In Bern seien Junioren, Blinde und Rollstuhlsportler in einer Feuerlinie gestanden. «Eine Sportart, die verbindet und nicht trennt», sagt Reichle. Das ist mitunter ein Grund, warum er sich dem aufwendigen Training – nebst dem der Junioren des Vereins Wettingen-Würenlos – stellt.

Alles sei ein bisschen anders, auch das Mentaltraining. Visualisierungen, wie sie Sehende praktizieren, könne man nicht anwenden. Alles müsse in die Wahrnehmung der Blinden übersetzt werden. Eine Aufgabe, der sich der Nationaltrainer gerne annimmt, auch wenn dadurch seine eigenen Schiessübungen etwas zu kurz kommen. «Mein Herz schlägt für den Schiesssport.»

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