Baden
Zurich International School bietet Familienersatz für globale Nomaden

Im Herzen Badens steht eine Schule, die kaum einer kennt. 175 Kinder aus über 40 Nationen besuchen die Zurich International School in Baden. Die internationale Schule will sich in der Stadt Baden integrieren.

Sandra Ardizzone
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Im Kindergarten können die Kinder basteln, oder einfach kurz ein Mittagsschläfchen machen
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Jedes der Kinder an der ZIS erhält seinen eigenen Tablet-Computer, an dem es arbeiten kann
175 Kinder aus über 40 Nationen besuchen die Zurich International School in Baden
Das Klassenzimmer als Begegnungsraum - Die Kinder an der ZIS Baden kommen aus rund 20 verschiedenen Nationen
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Im Kindergarten können die Kinder basteln, oder einfach kurz ein Mittagsschläfchen machen

SAN

Im Herzen Badens steht eine Schule, die kaum einer kennt. Direkt neben der Bezirksschule Burghalde ragt ein graues Gebäude in den Himmel. Nur ein weisses Banner deutet darauf hin, dass diese Räume nicht zur Bezirksschule gehören: In königsblauen Lettern steht «ZIS – Zurich International School» auf der Plane an der Fassade.

Hier gehen sogenannte globale Nomaden ein und aus; Kinder von Eltern, die meist für internationale Unternehmen arbeiten und selten länger als ein paar Jahre in der Schweiz leben. Weil die Schüler aus allen Kontinenten kommen, wird der Unterricht an der Zurich International School (ZIS) auf Englisch geführt.

Zurich International School

Die Zurich International School ist auf fünf Standorte im Kanton Zürich und in Baden verteilt. Derzeit besuchen rund 1500 Schüler aus 50 Nationen die ZIS. Die Schule ist eine Non-Profit-Organisation, die bis im Sommer noch von einem Deutschschweizer geleitet wird. Jede der fünf Standorte hat zudem einen für ihn zuständigen Rektor. Das Schulsystem basiert auf einem internationalen Curriculum, das den Schülern bei einem Umzug in ein anderes Land einen nahtlosen Übergang ermöglicht. 2013 eröffnet auf dem Lindenplatz das neue Gebäude, in das sich die ZIS einmieten wird. Die Aula und Cafeteria sollen auch Dritten zugänglich sein. (san)

«Wir sind wie eine Familie»

Tritt man durch die Glastür in das Schulhaus, fallen die farbigen Poster an den Wänden auf. Auf ihnen sind Fotos von fröhlichen, lachenden Kindern zu sehen. Über den Postern prangen die Wörter «Tolerance, Creativity, Integrity». Hin und wieder hört man Wortfetzen aus den Klassenzimmern dringen – alles auf Englisch. Es herrscht eine warme, familiäre Atmosphäre, die der Schulleiterin sehr wichtig ist: «Für die Kinder sind wir eine Ersatz-Familie.»Ji Han ist Rektorin des ZIS Campus in Baden. Die sympathische Amerikanerin kennt alle der 175 Schüler mit Namen und erzählt begeistert vom Alltag an der ZIS: «Bei uns wird Gemeinschaft gross geschrieben. Wenn man ins Schulhaus reinkommt, sollte man sich willkommen fühlen.»

Neubau auf dem Lindenplatz

An der englischsprachigen Schule sticht besonders eines ins Auge: Das Gemeinschaftsgefühl. Die Schule möchte auch gerne von der Badener Bevölkerung als einladend wahrgenommen werden. Han bedauert das Vorurteil, dass die Schüler alles Kinder reicher Eltern sind: «Die meisten der Kinder, die unsere Schule besuchen, würden in ihrem Heimatland auf die öffentliche Schule gehen.»

Seit 2008 ist die ZIS in Baden ansässig. Auf Wunsch des Kantons und der Stadt Baden ist die Schule erstmals auch ausserhalb des Kantons Zürich präsent. In diesen vier Jahren stieg die Schüleranzahl von rund 30 auf heute 175 Kinder. Nächstes Jahr wird auf dem Lindenplatz das neue Gebäude eröffnet, in dem bis zu 300 Schüler Platz finden sollen.

Thomas Lütolf, Leiter Standortmarketing Baden ist froh, eine internationale Schule in Baden zu haben. «Die ZIS ist überhaupt nicht kontaktscheu. Im Gegenteil: Die Schule will sich in der Stadt Baden integrieren. Das ist sehr sympathisch.» Zudem stärke die Anwesenheit der Schule den Wirtschaftsstandort Baden.

Die Schüler der ZIS Baden sind zwischen 2 und 14 Jahre alt, die Oberstufe besuchen sie an der ZIS in Adliswil. Die kleinsten Kinder spielen, lesen oder basteln, während die älteren mit ihrem persönlichen Tablet-Laptop arbeiten. Um das Gemeinschaftsgefühl weiter zu stärken, werden auch die Eltern stark in den Schulalltag eingebunden.

«Wir können unseren Job nicht gut machen, wenn wir sie nicht als Partner haben», sagt Ji Han. Deshalb helfen Eltern bei Schulaktivitäten und bieten Kurse für andere Eltern an, beispielsweise in Schweizer Kultur; so etwa im Räbeliechtlischnitzen. «Wenn man diese Tradition nicht kennt, ist es sehr schwierig, so ein Liechtli zu schnitzen», sagt Han lachend. «Alle helfen einander, so gut es geht.» Wie in einer Familie, eben.