Kreischende und manchmal schwelgerisch gedehnte Gitarrenklänge, wuchtige Basslinien und krachende Drums: Die Gehörgänge des Publikums im Fjord werden ordentlich massiert und Peter Finc singt mit kräftiger, leicht klagender Stimme seinen Antiwaffen-Song «Greeting to a loaded gun». Auf dem T-Shirt des 1,96-Meter-Hünen ist «I forbid my country to sell weapons» zu lesen. Hinter ihm steht in Reih und Glied ein ganzes Arsenal von Gitarren, die später bei Songs von Pearl Jam, Soundgarden oder Eigenkompositionen zum Einsatz kommen. Das Klangvolumen, das Finc mit seinem Partner Tim Frey am Schlagzeug zustande bringt, ist bombastisch.

Das neue Rockduo FINREY (Peter Finc und Tim Frey) liess es im Fjord Baden so richtig krachen.

Das neue Rockduo FINREY (Peter Finc und Tim Frey) liess es im Fjord Baden so richtig krachen.

Als Duo Finrey treten die zwei Musiker erst zum dritten Mal gemeinsam auf und bringen mit viel Spielfreude handfeste und bisweilen infernalische Rocknummern der Neunzigerjahre zu Gehör. Vor dem Konzert haben sie im Nordportal den Videoclip für ihre erste gemeinsame Single «Please don’t take no pictures» abgedreht. Ein Album soll folgen. Während Frey, der in Wettingen wohnt, in einer Druckerei arbeitet und sich als leidenschaftlicher Hobbyschlagzeuger bezeichnet, hat sich Finc seit eh und je ganz der Musik verschrieben. Das hatte seinen Preis. 2014 war er trotz rund 130 Konzertauftritten pro Jahr pleite und fühlte sich wegen der oft sehr niedrigen Gagen über den Tisch gezogen. «Ich gehe in der reichen Schweiz nicht mehr Butterbrot spielen», liess der Multiinstrumentalist in einem Interview mit der AZ frustriert verlauten. Weil er sich die teuren Mieten in Baden nicht mehr leisten konnte, zog er in ein Bauernhaus nach Murten. Und Finc kehrte nicht nur seiner Heimat den Rücken, sondern auch dem ganzen Musikbusiness.

Zwei Saisons als Badmeister

Zwei Saisons lang arbeitete er als Badmeister in einem Schwimmbad. «Für mich war das ein echter Befreiungsschlag, und ich hatte Zeit, um meinen Kopf zu lüften», erzählt der Lebenskünstler im Fjord. Er wirkt ruhig und gelöst. An seinem Hals hängt eine tibetische Gebetskette. Vor knapp drei Jahren hat es ihn dann aber wieder in die heimatlichen Gefilde zurückgezogen. Mit seiner Freundin bewohnt er eine kleine Altbauwohnung in Ehrendingen. «Ich spiele weniger als früher, muss nicht mehr auf allen Hochzeiten tanzen», so der 44-Jährige. Seit er diese unverkrampfte Einstellung hat, läuft es ihm auch besser. Im Sommer rüstet Finc sein Oldtimer-Mercedes-Wohnmobil mit Solarenergie auf und gibt auf seiner mobilen Konzertbühne spontane CO2-freie Solar-Gigs. Zudem tourt er mit der deutschen Jazzsaxofonistin Nicole Johänngten durch Europa. Und spielt in der Band von Soulröhre Freda Goodlett. Ganz anders erleben ihn die Badegäste des Intensiv-Solebads in Bad Zurzach. Dort gestaltet er die meditative Unterwasserbeschallung mit Loopgerät, Sampler und Gitarre. Jetzt geht er mit dem neuen Rock-Projekt Finrey an den Start. Das Fazit von Finc nach den vergangenen Jahren: «Zeit für mich zu haben, ist mir heute wichtiger, als einen Gig nach dem anderen abzuspulen. Kreativ bleiben, neue Songs komponieren und an meinen Instrumentalkünsten weiterfeilen, kann ich nur, wenn ich mir Freiräume schaffe.»