Zurzibiet
Aufatmen für Grenzgänger: Schweizer und deutsche Warn-Apps sind nun verknüpft

Ein wichtiger Schritt für Pendler und Einwohnerinnen im Zurzibiet: Die Swiss-Covid-App und ihr deutsches Pendant sind endlich kompatibel – zwei Pendler erzählen von ihren Erfahrungen.

Michael Neubert, Südkurier
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Die Swiss-Covid-App ist neu mit der deutschen Warn-App kompatibel.

Die Swiss-Covid-App ist neu mit der deutschen Warn-App kompatibel.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Das Problem ist gelöst: Die Schweizer und die deutsche Corona-Warn-App sind seit einigen Tagen miteinander verknüpft. Für Pendler und Bewohner an der deutsch-schweizerischen Grenze ist diese Nachricht besonders wichtig: Statt zwei Apps, womöglich auf zwei Smartphones, zu laden, reicht eine der beiden nun aus.

Dies könnte zum einen vermehrt Menschen, die in den Grenzregionen Zurzibiet und Waldshut wohnen und öfters die Grenze passieren, dazu motivieren, die App herunterzuladen. Oder zum anderen die Handhabung erleichtern – wie im Fall von Sebastian Kaiser (43) aus Tiengen.

Er arbeitet als Warengeschäftsleiter in einer Schweizer Niederlassung eines grossen deutschen Discounters, 85 Kilometer von seinem Wohnort entfernt. Er nutzt die deutsche Warn-App seit ihrer Freigabe im Juni des vergangenen Jahres, dazu die Schweizer Version. Beide Apps sind auf seinem mobilen Telefon installiert. Aber: Nur eine App konnte bislang aktiv sein. «Wenn ich über die Grenze gefahren war, musste ich immer eine von beiden Apps deaktivieren», sagt Sebastian Kaiser.

Im Klartext heisst das: Kaiser hat bisher am Arbeitsplatz die eine App verwendet und abends zu Hause die andere. «Irgendwann habe ich aufgehört, hin und her zu switchen. Jetzt ist es besser, ich muss nicht mehr umstellen, wenn ich über die Grenze fahre.» Trotzdem: Obwohl die beiden Apps nun kompatibel sind, stärke es sein Sicherheitsgefühl nur minimal: «Dafür nutzen die Menschen die Apps zu wenig», bedauert Sebastian Kaiser.

Mehr Infektionsketten dank Apps durchbrechen

Auch der Physiotherapeut Lucas Jehle (30) aus Albbruck fährt regelmässig zur Arbeit über die Grenze ins Zurzibiet. «Ich habe natürlich viele Kontakte mit Menschen», sagt er, «in Deutschland weniger als in der Schweiz.» Auch Jehle gehörte zu den Ersten, die die deutsche Warn-App installiert hatten. Er erinnert sich: «Ich glaube, eine Woche, nachdem sie erschienen ist, habe ich sie geladen.» Um dann festzustellen: «Das bringt nix.» Er hätte die Schweizer App ebenso laden müssen. Ein zweites Handy wollte er sich nur der Apps wegen nicht anschaffen. «Das ist ja auch eine Kostenfrage», bemerkt er. Er nutzt einzig sein privates, deutsches Smartphone. So habe er die Warn-App nach nur einem Monat wieder gelöscht.

Grundsätzlich befindet er die App für gut. Sie gebe ihm schon ein sicheres Gefühl. Um die Datensicherheit mache er sich keine Sorgen. Darauf angesprochen, dass die deutsche und schweizerische App jetzt miteinander harmonieren, reagierte er erstaunt: «Echt jetzt? Na, wenn das so ist, bin ich bereit, die App wieder auf meinem Mobiltelefon zu installieren.»

Nachdem die Lücke zwischen der deutschen und Schweizer Version geschlossen worden ist, sind noch keine Daten zu finden, ob sich die Zahl der Downloads nun noch einmal erhöht hat. Für die Parlamentarische Staatssekretärin und SPD-Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter steht indes fest: «Das ist ein echter Fortschritt für die Kontaktnachverfolgung und die Durchbrechung von Infektionsketten in der Grenzregion.» Die Verknüpfung der Apps zeige aber nur dann wirklich Wirkung, wenn jetzt auch möglichst viele Menschen die App nutzten und wenn Corona-Infizierte dazu bereit seien, ihren Status tatsächlich in die App einzutragen.

Ihr CDU-Bundestagskollege Felix Schreiner sieht es ebenso. Die Verknüpfung der Apps eröffne eine weitere zielgerichtete Vorgehensweise im Kampf gegen das Virus, sagt er.

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