Der eine ist Fahrlehrer bei der Stadtpolizei Zürich und als Hobby-Biker Präsident der Motorradgruppe Argovia; der andere betreut in der Werkstatt der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf (ZH) Gefangene.

Beide stehen auf dem Wahlzettel für die Ersatzwahl eines Mitglieds des Gemeinderats: Biker Stefano Martino (SVP, 52) und Werkmeister im Justizvollzug Jörg Fankhauser (parteilos, 54).

Spätestens bis zum Sonntag müssen die Mägenwiler einen Ersatzmann für den abtretenden Gemeinderat Eberhard Voss (CVP) wählen. Beide Kandidaten dürften den Wählern bekannt sein: Martino trat bereits bei der letzten Ersatzwahl im Juni gegen Marin Leuthard (CVP) an und unterlag mit 133 zu 281 Stimmen; Fankhauser war unter anderem von 2001 bis 2008 Schulpflegepräsident im Dorf und dürfte vielen Eltern noch in Erinnerung sein.

Zwar verbuchte Martinos Partei bei den nationalen Wahlen im Oktober Grosserfolge, doch sieht Martino darin keinen Vorteil. «Auf Gemeindeebene ist die Person wichtiger als die Partei», sagt er.

Das habe sich bei seiner ersten Kandidatur bestätigt. Bei den Ersatzwahlen vom Juni war er ein Newcomer und im Dorf wenig bekannt. «Ich habe in den vergangenen Monaten mit mehreren Dorfvereinen Kontakt aufgenommen, um näher bei den Leuten zu sein und ihre Anliegen aufzunehmen.» Er sei dem Männerturnverein beigetreten und habe gemerkt, dass die geplante Doppelturnhalle dringend nötig sei.

Parteibüchlein ist zweitrangig

Sein Kontrahent Fankhauser ist zwar parteilos, sagt aber von sich: «Die Verbindung einer wirtschafts- und umweltfreundlichen Politik, wie sie die GLP verfolgt, macht für mich Sinn.» Auch Mägenwil müsse für den wachsenden Verkehr Lösungen finden. «Gerade von Mellingen her, wo derzeit grössere Überbauungen entstehen, müssen wir mit Mehrverkehr rechnen.»

Und warum kein Parteibeitritt? Er wolle offenbleiben für politische Ansätze aus anderen Parteien». Der Aufwind der SVP macht ihm bei der Kandidatur keine Angst. Wie Martino, ist er überzeugt, dass auf Gemeindeebene die Person und die Vernetzung im Dorf wichtiger sind als das Parteibüchlein.

Zumindest steuerpolitisch stehen die beiden Kandidaten auf gleicher Linie: Die Steuerfusserhöhung, die der Gemeinderat an der Gmeind vom 3. Dezember beantragen wird, halten beide für nötig. Fankhauser sagt: «Wir haben die letzten Jahre vom tiefen Steuerfuss profitiert. Nun haben sich die Rahmenbedingungen geändert, und in Mägenwil stehen Investitionen an, die man nicht mehr länger hinausschieben darf.»

SVP-Martino ergänzt: «Sparmassnahmen des Kantons, weniger Steuereinnahmen bei den Aktiensteuern und steigende Sozialkosten, welche die Gemeinde nicht beeinflussen kann, machen die Erhöhung auf 96 Prozent unumgänglich.»

Dass im Mägenwiler Gemeinderat nach mehreren Sitzwechseln Kontinuität gefragt ist, sind sich die Kandidaten bewusst. Die beruflichen Voraussetzungen, um langfristig im Gemeinderatsgremium zu bleiben, haben sie sich geschaffen.

Fankhauser hat Führungsaufgaben abgegeben, Martino das Okay vom Chef eingeholt, dass er an wichtigen Ratssitzungen teilnehmen kann. «Es kann nicht sein, dass wir alle sechs Monate ein Ersatzmitglied in den Gemeinderat wählen müssen», doppelt Martino nach. Für ihn wird die Wahl am Sonntag seine Letzte sein. «Ich halte nichts von Leuten, die X-mal zu einer Wahl antreten und nicht begreifen, dass das Volk sie nicht will.»