Baden
Zwei Designliebhaber wollen das Holz des Mammutbaums retten

Zwar ist der Mammutbaum beim Badener Schulhausplatz nicht zu retten. Doch sein Holz soll in Form von Erinnerungsstücken weiterleben. Die beiden Designliebhaber Stefan Benninger und Stephan Müller wollen das Holz zu Unikaten verarbeiten.

Sabina Galbiati
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Stephan Müller (l.) und Stefan Benninger wollen aus dem Mammutbaum Erinnerungen machen.

Stephan Müller (l.) und Stefan Benninger wollen aus dem Mammutbaum Erinnerungen machen.

Alex Spichale

Es muss das Jahr 1982 oder 1983 gewesen sein, als Stephan Attigers Vater, Hans Ulrich Attiger, damals Revierförster, ein kleines, vielleicht einen Meter grosses Mammutbäumlein beim Schuhausplatz in die Erde pflanzte. Damals zählte der Jungbaum bereits gegen zehn Lenze.

Als Samen war er aus den USA in die Schweiz geschickt und in der städtischen Baumschule herangezogen worden. Heute, 32 Jahre später, zählt der Mammutbaum seine letzten Tage. Das ist seit gestern eine unumstössliche Tatsache. «Mit seinen rund 40 Jahren ist er aber kein historischer Baum», relativiert Stadtoberförster Georg Schoop und vergleicht ihn mit dem rund 100 Jahre alten Mammutbaum im Kurpark.

Trotzdem ist der «Sequoia Gigantea», der Mammutbaum beim Schulhausplatz über die Jahre vielen Badenern ans Herz gewachsen. Deshalb hat die Stadt bei der Planung des neuen Schulhausplatzes eine Extrarunde zwischengeschaltet und versucht, einen alternativen Standort zu finden. Doch der Gigant ist zu gross und zu schwer. Schoop ergänzt: «Selbst, wenn es einen geeigneten Standort gäbe, ist die Chance gross, dass er nicht richtig anwächst und dann Nadeln verliert.»

Auch der Lift und die Fussgängerrampe, dessenthalben der Baum weichen muss, liessen sich beim Bauprojekt nicht verlegen. Wegen der Verschiebung der gesamten Kreuzung in Richtung Bezirksgebäude muss die Fussgängerrampe in einem steilen Winkel gebaut werden. Daher ist der Lift für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen zwingend. «Eine zweckmässige Alternative für den Zugang in die unterirdische Fussgängerebene gibt es nicht», heisst es seitens Stadt.

Ein wenig «Stadtbaum» für alle

Als der Wahl-Badener Stefan Benninger und sein Kollege Stephan Müller erfahren haben, dass der Baum nicht zu retten sei, kam ihnen die Idee, aus dem Holz Erinnerungsstücke für Jedermann schreinern zu lassen. Die beiden design-affinen jungen Männer haben ihr Projekt treffend «Stadtbaum» getauft.

«Wir wollen die Erinnerung an diesen schönen Baum bewahren», sagt der 33-jährige Stefan Benninger. Was es genau geben werde, sei noch nicht festgelegt. Das hänge von der Holzqualität ab. Geplant sind Tische, Hocker und kleinere Souvenirs wie Schlüsselanhänger. Jedes Stück wird die Koordinaten des ehemaligen Baumstandortes eingraviert bekommen: «47.47134 ̊N – 8.30600 ̊E».

Im Sinne dieser Koordinaten-Philosophie soll das Pilotprojekt ausgeweitet werden. «Wir wollen auch andere Objekte erhalten, die städtebaulichen Massnahmen weichen müssen», erklärt der 30-jährige Stephan Müller. Das können alte Gebäude sein oder eben ein Stadtbaum. «Aus diesen Kulturschätzen kreieren wir Design-Objekte», sagt Müller. Benninger ergänzt, «so bleibt das Alte immer in guter Erinnerung».

Für beide ist klar, dass die Mammut-Erinnerungsstücke möglichst natürlich bleiben sollen. «Sofern es das Holz zulässt, werden wir daher auch auf unnötige Lacke und Veredelungen verzichten», sagt er.

Ums Geld geht es den beiden bei ihrem neuen Hobby-Projekt nicht: «Sicher müssen die Produktions- und Verkaufskosten gedeckt sein. Was übrig bleibt, werden wir aber der Stadt geben, damit sie mit dem Geld neue Bäume pflanzt.»

Schreiner sind sie nicht

Mit ihrem Konzept haben die beiden auf Anhieb einen Treffer bei den zuständigen Schulhausplatz-Planern gelandet. Stadtrat und Bauvorsteher Markus Schneider sagt: «Ich finde den Gedanken, der hinter den Holz-Andenken steckt, sehr passend.» Er könne sich gut vorstellen, dass er für das Stadthaus auch ein Andenken kaufen werde.

Die beiden werden die Souvenirs nicht selber herstellen, sondern einen Schreiner damit beauftragen. Benninger arbeitet zwar in der Agentur für Inneneinrichtungen Denovum, allerdings werden die Design-Stücke dort importiert. Projektpartner Müller führt die Badener Werbeagentur Moritzi. «Wir übernehmen alles Organisatorische und den Verkauf», sagt er. Die Website sei aber noch nicht aufgeschaltet. Zudem wollen die beiden einzelne Stücke in Badener Ladenlokalen ausstellen.