Mäusejagd

Zwei Franken für eine Maus: Die Jagd auf die Nager beginnt

Die Gemeinde Untersiggenthal unterstützt die private Mauserei und ruft deshalb ihre Einwohner dazu auf, sich an der Mäusejagd zu beteiligen und sich dazu gar einen kleinen Zustupf zu verdienen. Auch im Fricktal ist die Tradition noch vertreten.

Heute bekommen die Jugendlichen Sackgeld von ihren Eltern, gehen sie in den Ferien arbeiten, bekommen sie einen kleinen Zustupf. Vor einigen Jahrzehnten sah das noch ganz anders aus. Da ging man in ländlichen Gemeinden am Mittwochnachmittag aufs Feld und jagte Mäuse. Mit einem Stock machte man die unterirdischen Gänge der Mäuse aus und stellte Fallen auf.

Für diesen Aufwand gab es genau einen Grund: Für jeden abgelieferten Mausschwanz auf der Gemeinde sprang ein 50-Räppler oder gar einen Franken heraus. Je mehr tote Mäuse auf dem Konto, desto grösser wurde der Zustupf ans Sackgeld.

Das war früher - könnte man meinen. Dass dem nicht so ist, zeigt die Gemeinde Untersiggenthal. In ihren Gemeindenachrichten kündigt sie an: «Mausen ist erwünscht.» Weil sich die Mäuse sehr schnell vermehren und so an Kultur- und Ackerland grosse Schäden verursachen, will die Gemeinde die private Mauserei unterstützen.

Pro Mausschwanz bis zu zwei Franken

Längst gibt es auf den Feldern Untersiggenthals zu viele Mäuse. Ein Schlaraffenland für die natürlichen Feinde wie Katzen und Greifvögel, doch ein grosses Problem für die Bauern. Denn die Mäuse können ganze Felder zerstören und tun sich auch an Baumwurzeln gütlich.

Für Springer bekommt man in Untersiggenthal pro Schwanz 60 Rappen, für Wühlmäuse 1.50 Franken und für Schärmäuse gar 2 Franken. Andere Mausarten werden je nach Grösse mit 60 Rappen bis zu zwei Franken entlohnt.

Die «Jagdbeute» kann jeweils von Montag bis Freitag zwischen 13 Uhr und 13.30 Uhr im Werkhof abgegeben werden. «Wir haben es am liebsten, wenn die ganzen Mäuse und nicht nur die Schwänze abgeliefert werden, dann können die Mäuse einfacher bestimmt werden», sagt Bernhard Kummer, stellvertretender Leiter der Haus- und Werkdienste in Untersiggenthal. Im letzten Jahr seien jedoch nur rund 30 Stück abgeliefert worden. 2012 sieht das ein bisschen anders aus: bis jetzt wurden bereits 60 Franken aus der Gemeindekasse für tote Mäuse ausbezahlt.

Im Fricktal ist die Mäusejagd noch verbreitet

In Gipf-Oberfrick wurden im letzten Jahr rund 2700 Mäuse abgeliefert. Die «Hauptmauser» seien vor allem Pensionäre, auch einen «Chefmauser» gebe es im Dorf. Dieser habe sogar im letzten Jahr am Ferienpass der Schule einen Kurs fürs richtige Mausen angeboten, sagt Förster Stefan Landolt. «Ich glaube jedoch, wenn unsere Hauptmauser aufhören, wird die Tradition der Mäusejagd zu Ende gehen», ergänzt Landolt. In Gipf-Oberfrick wird für eine Maus 1.20 Franken ausbezahlt.

70 Rappen bekommt man in Kaisten pro erlegte Maus. Diese können jedoch nur im Herbst abgegeben werden. Dies hat jedoch zur Folge, dass bereits im Frühling erlegte Mäuse oder deren Schwänze bis in den Herbst hinein aufbewahrt werden müssen. Im Kühlschrank oder in der Tiefkühltruhe.

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