Für rund 95 Millionen Franken bauen die Stadt Baden und der Kanton den Schulhausplatz um. Auf drei Verkehrsebenen fahren ab 2017 die Autos, Busse sowie Velofahrer und Fussgänger über bzw. unter dem Platz hindurch. So soll der Verkehrsknotenpunkt entlastet werden, den täglich rund 46’000 Autos und stündlich über 100 Busse passieren. Doch was bringt das Jahrhundertprojekt überhaupt? Dieser Frage gingen die beiden Schüler der Kanti Baden, Jan Appel (19) und Lukas Lötscher (18), in ihrer Maturarbeit nach. Und was die beiden mit ihrer Verkehrssimulation herausfanden, wird die Autofahrer freuen.

Vor der Baustelle – nach der Baustelle: Der Verkehrsfluss über den alten (links) und den neuen Schulhausplatz in der Simulation.

Vor der Baustelle – nach der Baustelle: Der Verkehrsfluss über den alten (links) und den neuen Schulhausplatz in der Simulation.

«Wir fahren beide täglich mindestens zweimal über den Schulhausplatz», sagt Jan Appel. «Ich mit dem Velo und Lukas mit dem Bus. Wir sind also beide direkt von den Auswirkungen des Umbaus betroffen.» Zudem sei die Baustelle ein Thema, das in Baden viele beschäftigen würde. Also entschieden sie sich, für ihre Maturaarbeit eine Verkehrssimulation zu programmieren, mit der sie den Verkehrsfluss auf dem alten und dem neuen Schulhausplatz vergleichen können. «Wir wollten nicht nur aufgrund von Zahlen schätzen, was der Umbau bringt, sondern die Auswirkungen direkt simulieren», sagt Lukas Lötscher.

Im Januar begannen die beiden Kantischüler mit dem Programmieren, Designen und Berechnen. Vom Kanton erhielten sie Daten zu den Verkehrszahlen, die als Grundlage der Simulation dienten. Jan Appel war für den Informatikteil zuständig. Er schrieb beispielsweise den Code, der im Hintergrund des Programms läuft und die Fahrzeuge sichtbar macht. Die mathematischen Berechnungen übernahm Lukas Lötscher. Er war unter anderem dafür verantwortlich, dass die Fahrzeuge nicht stockend, sondern gleichmässig um die Kurven fahren.

Dezember 2015 bis Juni 2016:  So hat sich die Schulhausplatz-Baustelle in den vergangenen Monaten verändert.

Dezember 2015 bis Juni 2016: So hat sich die Schulhausplatz-Baustelle in den vergangenen Monaten verändert.

Um herauszufinden, was der neue Schulhausplatz tatsächlich bringt, mass das Duo in einem ersten Schritt während zehn Minuten, wie viele Fahrzeuge es in ihrer Simulation über die Kreuzung schaffen. Dies wiederholten sie mehrmals, sowohl auf der alten als auch auf der neuen Kreuzung, um einen Durchschnittswert zu erhalten. Bei normalen Verkehrsaufkommen seien die Unterschiede nicht allzu gross, sagt Jan Appel. «Als wir aber viermal so viele Fahrzeuge über die Kreuzung fahren liessen, schafften es auf dem neuen Schulhausplatz über 50 Prozent mehr Autos von der einen Seite der Kreuzung auf die andere.» Der Stresstest zeigt also: «Umso mehr Autos den Verkehrsknotenpunkt gleichzeitig passieren wollen, desto mehr lohnt sich der Umbau.»

In einem zweiten Schritt massen die beiden Kantischüler, was die neue Kreuzung für einen einzelnen Autofahrer bedeutet. Dazu markierten sie ein Auto und massen mit der Stoppuhr, wie lange dieses Auto braucht, um über den Schulhausplatz zu kommen. Dies wiederholten sie für alle Richtungen mehrmals. Das Ergebnis: Im Schnitt kommt der Autofahrer etwa 10 bis 15 Prozent schneller über die neue Kreuzung. «Wir erwarteten zwar, dass der Umbau etwas bringt», sagt Lukas Lötscher zum Resultat. «Der Kanton wird ja nicht umsonst so viel Geld investieren.» Dennoch sei es schön, schwarz auf weiss zu sehen, dass sich der Umbau so positiv auswirke.

Kanton war beeindruckt

Die Arbeit der beiden Kantischüler kam gut an. Ihr Lehrer bewertete sie mit der Bestnote. Und auch die beiden Vertreter des Kantons, die bei der Präsentation der Arbeit dabei waren, zeigten sich beeindruckt. Dennoch: Das Programm wird wohl kaum von offizieller Seite genutzt werden, obwohl die Simulation für jede Kreuzung angewendet werden kann. «Der Kanton verwendet Programme der ETH oder Uni.» Mit deren Wissen könnten sie sich noch nicht messen. «Für uns war es trotzdem eine coole Erfahrung», fügt Jan Appel an.