Zwei Meter Abstand!

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Seit Ausbruch des Coronavirus kennen wir alle die 2-Meter-­Abstandsregel, die uns vor der Ansteckung mit dem Virus schützen soll. Ich wusste sofort, dass ich diese Weisung schon einmal gehört hatte im Leben. Und zwar als höchst beflissener Absolvent der Rekrutenschule 86.

Ich hatte, wie jeder andere Rekrut, einen Korporal als Chef, nur dass meiner ein bisschen anstrengender war, als alle anderen. Was mir ja egal hätte sein können, ich hatte ihn ja schliesslich nicht eingestellt, aber dummerweise war er anstrengend und gleichzeitig schikanös veranlagt. Korporal Fankhauser, liess unter der Dusche salutieren und geizte nicht mit untergründigen Sprüchen.

Nun, ich weiss den Grund nicht mehr, aber irgendwann hat es mir den Deckel gelupft... Es war ein sehr spontaner, aber äusserst entschiedener Entschluss, meinen Korporal jetzt mal ein bisschen zu erwürgen. Doch zuerst haute ich ihm einmal alle Schlötterligs um die Ohren, die mir grad einfielen, und ich staunte selber ob meiner Fantasie. Danach ging ich mit meinen damaligen 95 Kilogramm entschlossen auf ihn zu, was ihm gewaltig Eindruck gemacht haben muss. Denn plötzlich kamen sie, die Worte, in grösster Panik: «Cortellini, zwei Meter Abstand!», schrie er mehrere Male panisch, und spätestens, als meine Nasenspitze die seine berührte, war mir klar, dass ich da wohl das Mass unterschritten hatte. Ich sah seinen Angstschweiss rund um den Mund und überlegte mir grad feierlich, wo ich denn mit Zerlegen beginnen wollte, als der zweite Korporal, der mächtige Käser Hirschi, beherzt dazwischen schritt.

Nun, dies hätte zwei Tag Scharfen geben sollen, aber innerlich schien «Funky» realisiert zu haben, dass er im Fehler lag, also gabs keine Bestrafung respektive fast keine. So wurde ich noch am gleichen Abend zur «Weckrunzel» befördert, was für mich gleichkam wie zwei Tag Scharfen. Weil da musst Du morgens um vier ­aufstehen und die Vorgesetzten um halb Fünf wecken, welche den Tag vorbereiten mussten. Dies waren jeweils einzelne Korporale plus ­natürlich der Küchenchef, der die Ovomaltine zubereiten musste. Zur Kennzeichnung befestigten sich diese, zu weckenden Herren ihren Helm ans Bett.

Wie erfreut war ich aber plötzlich, als ich feststellte, dass auch «Funkys» Helm an seinem Bett baumelte. So gründlich hatte ich noch nie einen Befehl ausgeführt im Militär. «Korporal Fankhauser, sie müssen aufstehen», brüllte ich. «Korporal Fankhauser, aufstehen bitte!! Er: «Heb d’Schnurre i will schlofe!». Ich: «Korporal, Sie haben einen Helm am Bett.» Er: «Hau ab!». Doch ich schüttelte den armen Fankhauser so lange und quietschend auf seinem Bett durch, bis sich der ganze Schlag ausschüttelte vor Lachen.

Nur einer stellte sich stoisch schlafend, wie wenn nichts wäre: der Käser Hirschi. Womit mir klar war, wer dem Fankhauser den Helm ans Bett gemacht hatte!

Kein Wunder, dass wir nach der Rekrutenschule Freunde wurden...

Daniel Cortellini betreibt an der Rathausgasse in Baden ein Fachgeschäft für Schweizer Weine. Er ist in Baden aufgewachsen und war während fünf Jahren Präsident der Unteren Altstadt Baden.

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