Noch bis zum 29. November zeigen die beiden Schwestern Rahel Bouvard-Egger und Ursula Egger im Wettinger Atelier der Künstlerin Rosmarie van Dorp-Peyer märchenhaft mystische Objekte, mandalaartige Bilder und filigrane Stickereien. Für beide ist es die erste öffentliche Ausstellung. Betritt man den Raum an der Fortunastrasse 2, taucht man von der nüchternen, grauen Aussenwelt in ein kleines Universum voller Fantasie und üppiger Farbigkeit ein.

Bei Rahel Bouvards verspielten Exponaten sticht ein roter Engel ins Auge. Überall stehen, liegen und hängen fliegende und gehörnte Wesen, ein Stier, die Krokodilfrau, Kobolde, Fabelwesen und Gebilde, die an indianische Traumfänger erinnern. Archaisch wirken die beiden riesigen geschwungenen Hörner im Eingangsbereich. Um sie zu formen, hat Bouvard ein Leintuch mit Juteband umspannt. Die kreative «Recyclerin» aus Jona (SG), die als Hebamme im Spital Wetzikon arbeitet, benutzt für ihr Kunsthandwerk Abfallprodukte aus Stoff, Draht, Wolle oder Leder. Auch alte Frottiertücher, Moltons oder Pullover finden Verwendung. Praktisch alles, was im Haushalt nicht mehr gebraucht wird, verwandelt sich unter ihren Händen zu verspielten Figuren. Bouvard geht dabei intuitiv vor: «Wenn ich mit meiner Arbeit anfange, habe ich noch keine Vorstellung, wie das Endprodukt aussehen wird. Es entwickelt sich spontan.» Am Schluss fügt sie dekorative Elemente wie Glöckchen, Bordüren oder Kunstblumen dazu und bemalt das Ganze mit Acrylfarbe.

Zeit und Raum verschwinden

Ursula Egger wohnt in Baden und ist ausgebildete Maltherapeutin. Zurzeit leitet sie das Malatelier der Arwo (Arbeiten und Wohnen – Stiftung für Behinderte in Wettingen). Seit Jahren führt sie Tagebuch; aber anstatt Erlebnisse und Befindlichkeiten aufzuschreiben, gestaltet sie ein Bild oder eine Zeichnung. «Ich habe nie geplant, damit eine Ausstellung zu machen», sagt sie zu ihrer inzwischen beachtlich grossen, privaten Sammlung, die mehrere Bücher füllt. Atelierbesitzerin van Dorp ermutigte sie dazu und jetzt freut sie sich darüber, einen Teil ihres Oeuvres der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Neben ihren feinen Perlenstickereien – auch das eine Freizeitbeschäftigung von ihr – zeigt sie farbenfrohe Acrylbilder, deren Motive wie Mandalas wirken: zentriert, geordnet, strukturiert, bis ins kleinste Detail exakt ausgearbeitet. Sie anzuschauen wirkt gleichwohl beruhigend als auch kraftspendend. «Wenn ich mich mit meinen Bildern beschäftige, bin ich total vertieft. Zeit und Raum verschwinden – es ist wie eine Art Meditation», erklärt Egger und fügt hinzu: «Beim Malen verarbeite ich den Alltag und finde meine innere Ordnung wieder.»

Die Ausstellung von Rahel Bouvard-Egger (Objekte) und Ursula Egger (Bilder) im Atelier von Rosmarie van Dorp-Peyer, Fortunastrasse 2, Wettingen, findet noch bis zum 29. November statt. Öffnungszeiten: Freitag/Samstag 16 bis 20 Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr.