Freienwil

«Zweibeiner statt Vierbeiner»: Widerstand gegen Pferdezentrum

So könnte das Pferdezentrum Bücklihof aussehen.

So könnte das Pferdezentrum Bücklihof aussehen.

Die Freienwiler Gemeindeversammlung stimmt erneut über das Projekt Bücklihof ab – Anrainer wehren sich und wollen Wohnungen.

In Freienwil, dem 1060-SeelenDorf oberhalb von Baden, soll ein Pferdezentrum von nationaler Bedeutung für Zucht, Rehabilitation und Forschung entstehen: Seit Jahren will die Familie Burger das Projekt auf ihrem ­Bücklihof realisieren, bisher vergeblich. Die notwendige Zonenänderung wurde von der Gemeindeversammlung zwar längst bewilligt (im Jahr 2013), und auch der Gestaltungsplan wurde diesen Sommer vom kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) gutgeheissen. Jedoch wurde gegen diesen Entscheid eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben, und diese hat unabhängig vom bevorstehenden Urteil Folgen: Eine erneute Abstimmung an der Gemeindeversammlung ist notwendig.

Das Problem aus Sicht der Eigentümer des Hofes: Die «Spezialzone Bücklihof» wurde zwar wie erwähnt im Jahr 2013 bewilligt, sie ist jedoch von Gesetzes wegen an eine Frist von sieben Jahren geknüpft, in der wesentliche Teile der Nutzungen realisiert werden müssten. Wird diese Rahmenbedingung nicht erfüllt – wie aller Voraussicht nach im Fall des Freien­wiler Bücklihofs – fällt die Einzonung dahin. Der Gemeinderat beantragt darum an der Gemeindeversammlung von morgen Donnerstag eine Fristverlängerung um fünf Jahre.

Er argumentiert: «Die Verlängerung um fünf Jahre scheint angemessen, weil aufgrund der bisherigen Verfahren abzusehen ist, dass in jedem möglichen Verfahrensschritt die jeweils möglichen Rechtsmittel ergriffen und ausgeschöpft werden.» Der Gemeinderat steht seit Beginn hinter dem Projekt, denn es bestehe ein öffentliches Interesse an der Verwirklichung: Unter anderem könne der Bekanntheitsgrad der Gemeinde dadurch gesteigert werden.

Ganz anders sehen dies die Gegner des Pferdezentrums, zu denen Edi und Marianne Laube gehören. Sie wohnen neben dem Bücklihof und haben Einsprache gegen den BVU-Entscheid gemacht. In einem Flugblatt fordern sie dazu auf, die Teiländerung abzulehnen. Eines ihrer Hauptargumente: Der Mehrwert für die Gesamtbevölkerung sei nicht ersichtlich. «Steuerlich sind kaum Zusatzeinnahmen zu erwarten, jedoch sind Mehrausgaben durch die verstärkte Strassennutzung und damit der Infrastruktur wahrscheinlich.»

Die Einzigartigkeit des Projektes sei längst nicht mehr gegeben, denn in den vergangenen Jahren seien 6 vergleichbare Pferdezentren entstanden. Das Projekt sei inzwischen grösser und umfangreicher als das ursprüngliche Vorhaben. Der Vorschlag der Laubes: Der Bücklihof soll «Zweibeinern statt Vierbeiern» zugutekommen und einer nachhaltigen Wohnnutzung zugeführt werden.

Realisieren wollen das Pferdezentrum Cyrill Burger und sein Sohn Dominik, Privatdozent für Veterinärmedizin an der Universität Bern und stellvertretender Leiter des Instituts für Pferdemedizin in Avenches. ­Cyrill Burger: «Was haben wir alles mitgemacht in den vergangenen Jahren!» Viel Geld und Herzblut hätten er und seine Familie in das Projekt investiert, das Gespräch mit den Gegnern zigfach gesucht.

Doch die Hoffnung auf Fortschritte habe sich jeweils wenige Wochen nach der angeblichen Einigung wieder in Luft aufgelöst. «Leider gibt es immer wieder Opposition gegen das Vorhaben. Wir sind uns bewusst, dass dies zu Projekten heutzutage leider dazu gehört.»

Die Burgers hoffen auf den Support der Stimmbevölkerung. «Das Projekt steht, könnte realisiert werden.» Tatsächlich sei es nicht mehr dasselbe wie vor sieben Jahren. «Die Änderungen betreffen jedoch vor allem Punkte, in denen wir Wünsche der Gegner berücksichtigten.» (az)

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