Ungewöhnlich viele Gäste hatten sich am Montagabend in der Halle 37 des Trafo zum Neujahrsapéro der Stadt Baden eingefunden. Rund 600 Personen hörten sich die Neujahrsansprache von Stadtammann Geri Müller an und erfreuten sich über die offerierten Häppchen und Getränke. Doch bei einem Gast bleibt der Abend gar nicht gut in Erinnerung. In einem Brief an das «Badener Tagblatt» schreibt Jeff Frey: «Der Apéro war ja schön und gut, aber das Ende hatte es in sich! Eine Frechheit, wie die Stadt Baden ihre Steuerzahler behandelt.»

Darum geht es: Als um 20.43 Uhr nach Angaben des Caterings das Budget aufgebraucht gewesen sei, seien keine Getränke mehr serviert worden, schreibt Frey. «Dies ist natürlich kein Problem.» Jedoch sei ein Tisch nach 21 Uhr immer noch mit Getränken bedient worden. «Auf Anfrage wurde mir gesagt, dass diese Getränke nicht mehr im Budget sind und als Einzelrechnung an die Stadt gehen», schreibt Frey weiter. «Würde mich doch sehr wundern, wenn diese einzelnen Leute (unter anderem unser Stadtammann) die Getränke selbst berappen». Natürlich würden diese auch vom Steuerzahler bezahlt. «Eine solche Zweiklassengesellschaft passt mir aber gar nicht und sollte auch nicht so offensichtlich vor den eigenen Steuerzahlern gemacht werden», so Frey. «Wenn es heisst, es gibt keine Getränke mehr, dann bitte auch nicht für einen einzelnen Tisch, der sie nicht mehr verdient als jeder andere Bürger der Stadt!»

Zweiklassengesellschaft am Neujahrsapéro? Auf Anfrage erklärt Roberto Scheuer, Direktor der Trafo Betriebs AG, die im Auftrag für die Stadt für das Catering besorgt war auf: «In der Regel haben wir ein Zeitlimit bis 20.30 Uhr, bis zu dem wir Getränke ausschenken.» Normalerweise nehme man aber um 20.30 Uhr kurz Rücksprache mit dem Stadtammann, ob der Ausschank allenfalls etwas verlängert werden soll. «Grundsätzlich steht es dem Stadtammann aber natürlich offen, auch nach 20.30 Uhr noch Getränke zu bestellen, zumal die Stadt Baden ja Gastgeber und Auftraggeber ist», so Scheuer.

Was genau hatte es also mit den Getränken nach 21 Uhr auf sich? «Wir haben den Ausschank auf 20.30 Uhr beschränkt» bestätigt Stadtammann Geri Müller. Jedoch sei der Ausschank auf 20.40 Uhr verlängert worden, weil es noch viele Gäste hatte. «Es wurden in der Tat noch Einzelne bedient. Er selber habe die Gäste ab 20.40 Uhr höflich gebeten, den Saal zu verlassen, weil das Personal sonst hätte Überstunden machen müssen. «Ich selber habe nichts mehr konsumiert», betont Geri Müller.