Baden

Zwischen Abgrund und Inspiration – Badener triumphiert mit Film aus Russland

Benny Jaberg steht lieber hinter der Linse. Im Atelier des Fotografen Christian Schwarz macht er eine Ausnahme.Christian Schwarz

Benny Jaberg steht lieber hinter der Linse. Im Atelier des Fotografen Christian Schwarz macht er eine Ausnahme.Christian Schwarz

Der Badener Benny Jaberg erhält den Winterthurer Kurzfilmpreis für seinen Dok-Film aus Russland. Im Mittelpunkt des Filmes steht – wie könnte es anders sein in Russland – der Wodka. Viele Russen würden sich die Inspiration aus dem Alkohol holen.

Als «grosse Schweizer Hoffnung» bezeichnen die Jurymitglieder den Badener Filmemacher Benny Jaberg. Als sie ihm den sechsten Winterthurer Kurzfilmpreis überreichten für seinen Dokumentarfilm «The Green Serpent – Of Vodka, Men and Distilled Dreams», war der 32-Jährige sehr überrascht.

«Ich hatte den Film gar nicht eingereicht. Die Jury wählte ihn selber aus», sagt Jaberg. Der Preis ist mit 12 000 Franken dotiert. Einen Teil davon erhalten seine russischen Ko-Produzenten. «Der Rest des Gelds bedeutet für mich zwei bis drei Monate Freiheit. In dieser Zeit kann ich an eigenen Projekten arbeiten.»

«Alkohol kann auch beflügeln»

Selber bezeichnet er seinen Film als «kauzig». Schon die grüne Schlange und der Wodka im Titel des Kurzfilms deutet an: Es geht nach Russland. Die grüne Schlange ist für die Russen ein Symbol für Wodka, ähnlich, wie die grüne Fee für den Absinth steht.

Jaberg wollte aber nicht das Klischee vom wodkatrinkenden Russen zeigen, der zum Sozialfall wird. «Mir ging es darum, zu zeigen, dass man Alkohol nicht verteufeln muss, sondern, dass er auch beflügeln kann», sagt Jaberg.

Fünf Wochen reiste Jaberg mit seinem Filmteam durch Russland und porträtierte einen Schauspieler, einen Poeten und einen Physiker. «Sie alle holen ihre Inspiration auch aus dem Wodka», sagt Jaberg. «Der Film soll die Gratwanderung zeigen zwischen Inspiration und Abgrund. Beides kann der Alkohol auslösen.»

Von der Heimat inspiriert

Benny Jaberg ist zwar in Baden geboren, seine prägenden Jahre erlebte er aber in Baldingen. «Ich sah kaum fern und es gab weder öV noch Geschäfte.»

Wenn er als Bub seinen Grossvater in Gebenstorf besuchte, war das grosses Kino. «Wir durften dort immer Filme schauen und ich entdeckte, dass mich diese Welt über alle Masse vereinnahmt.»

Es folgten erste Kinobesuche. «In diesem Saal taucht man gemeinsam in eine andere Welt ab, die weit über den banalen Alltag hinausgeht und in der man zusammen einen Traum erlebt.»

Erst später in der Kanti, als Jaberg in Baden wohnte, bekam er eine Kamera in die Finger, und ab da war es um ihn geschehen. «Ich wusste, dass ich diesen Traum selber möglich machen kann.»

Im Januar macht sich Jaberg wieder auf die Reise. Dieses Mal nach London. Dort wird er an der Entwicklung eines abendfüllenden Dokumentarfilms und eines Spielfilms arbeiten. Das Stipendium des Aargauer Kuratoriums gibt ihm dafür sechs Monate Zeit.

Fest steht: Jaberg will noch manchen Traum aus der Realität destillieren und auf diese Weise «den Dingen des Lebens so nah wie möglich kommen». Dabei sieht er sich weniger in den Fussstapfen eines Marc Forster. Vielmehr will er den experimentellen Weg eines Peter Liechti beschreiten.

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