Garten statt Schule
Zwischen Ekel und Inspiration: Wettinger Schüler arbeiten in Gemüsegärten

Seit Februar arbeiten Bez-Schüler regelmässig in Wettinger Gemüsegärten. Ihre Besuche sind Teil des Projekts «Gartenjahr 2016 – Raum für Begegnung». Sie lernen dabei so einiges über Nahrungsmittel und müssen bei der Arbeit mit Erde ihre Abneigung überwinden.

Barbara Scherer
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Die Bezirksschülerinnen Maria Cotelli (l.) und Louisa Fröhlich packen seit Februar im Klostergarten mit Gärtner Fabian Meier an. chris iseli

Die Bezirksschülerinnen Maria Cotelli (l.) und Louisa Fröhlich packen seit Februar im Klostergarten mit Gärtner Fabian Meier an. chris iseli

Chris Iseli

«Mit Erde arbeiten finde ich nicht so toll, das ist irgendwie eklig», sagt Schülerin Maria Cotteli. Geschickt pickt die 15-Jährige zusammen mit ihrer Schulkollegin Louisa Fröhlich (14) Kerne aus den hängenden Sonnenblumenköpfen des Klostergartens.

Die beiden Schülerinnen kommen seit Februar regelmässig hierher. Trotz der Abneigung gegen Erde pflanzten sie unter Anleitung von Gärtner Fabian Meier Tomatensetzlinge. Seither sind aus den kleinen Samen grosse Pflanzen geworden, die rote Tomaten tragen.

Ihre Besuche im Klostergarten sind Teil des Projekts «Gartenjahr 2016 – Raum für Begegnung». Ins Leben gerufen wurde die Aktion von der Wettinger EVP-Einwohnerrätin und ehemaligen Lehrerin Marie-Louise Reinert. «Wettingen ist die Gartenstadt, so ein Projekt hat sich aufgedrängt», erklärt Reinert.

Projekt mündet in Vernissage

Im Zentrum der Aktion steht das Thema Gemüse. So begleiten Schüler der Bezirksschulklasse 4C aus Wettingen zehn Gemüsegärten im Dorf durch das ganze Jahr.

Rund einmal pro Monat wird der Garten besucht. Dort beobachten die Schüler, stellen Fragen, notieren und fotografieren. Wenn der Gartenbesitzer es erlaubt, arbeiten die Jugendlichen mit. Für jeden Gartenbesuch fällt eine Schulstunde aus.

«Anfangs dachte ich, dass wir dann mehr frei haben», sagt Schülerin Louisa. Doch das Projekt sei aufwändiger als gedacht: Alle Besuche werden genaustens dokumentiert durch Fotos und Notizen. Das Endprodukt präsentieren die Schüler anlässlich einer Vernissage im November.

Ausgleich, aber nicht Berufswunsch

Maria und Louisa haben als Motiv den Apfelbaum ausgewählt; die beiden begleiten den Baum fotografisch durch die Jahreszeiten. Wenn Gärtner Meier etwas erklärt, hören sie aufmerksam zu. Mithelfen müssen die Schülerinnen meist nicht viel. «Das ist gar nicht so schlecht», sagt Maria mit einem schelmischen Lächeln.

Gefällt den beiden das Gartenprojekt überhaupt? «Ja, mich hat das Ganze inspiriert. Ich habe mir vorgenommen, Blumen anzupflanzen», sagt Maria. Zu Hause habe sie keinen Garten und konnte durch die Besuche im Klostergarten vieles lernen.

«Anfangs dachte ich, Gartenarbeit ist total schwer, aber so schlimm ist es gar nicht.» Louisa hingegen kennt das Gärtnern bereits von zu Hause. Deshalb begeistern sie besonders die professionellen Maschinen im Betrieb.

Gärtner will aber trotzdem keine der Jugendlichen werden. Das Projekt sei ein guter Ausgleich zur Schule.

Bewusstsein für Lebensmittel

«Im Rahmen des Projekts können die Schüler etwas Gartenluft schnuppern», sagt Reinert dazu. Der Fokus sei bewusst auf das Gemüse gelegt worden, so werde den Jugendlichen die Herkunft von Nahrungsmitteln näher gebracht.

Neben dem Bewusstsein für Lebensmittel soll das Projekt auch den Kontakt zwischen den Generationen ermöglichen. Reinert: «Viele der privaten Gärten gehören Rentnern.»

Vernissage Gartenprojekt
Sonntag, 6. November, 16 bis 18 Uhr,
Rathaussaal Wettingen.