Wahlen 2011
«Beide Ständeratssitze an die SVP zu vergeben, wäre nicht richtig»

Der Aargauer Ständerats-SVP-Knatsch geht in eine nächste Runde. Der offizielle SVP-Kandidat Ulrich Giezendanner greift den wilden SVP-Kandidaten Lieni Füglistaller im az Interview frontal an. Gleichzeitig treffen sich die beiden zu einer Aussprache.

Daniel Meyer
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Ulrich Giezendanner vs. Lieni Füglistaller

Ulrich Giezendanner vs. Lieni Füglistaller

Zur Verfügung gestellt

«Wenn ich die Wahl knapp verliere, dann ist das seine Schuld»: Der offizielle SVP-Ständeratskandidat Ulrich Giezendanner fährt dem wilden SVP-Kandidaten Lieni Füglistaller in einem Interview mit der az heftig an den Karren. Der Angeschossene indes sieht die Sache anders: «Diese Aussage betrachte ich als falsch, zudem bin ich etwas überrascht vom plötzlichen Angriff Giezendanners.»

Füglistaller sieht indes gar kein Problem in der Situation: «Die Wähler im Kanton Aargau können ja zwei Namen auf die Liste setzen: Den meinigen und den Giezendanners. Fakt ist: Ich bin und bleibe im Komitee von Giezendanner.»

«Ich und Lieni hatten nie Krach miteinander»

«Das sehe ich ganz anders», so Giezendanner, «denn der Kanton Aargau muss verhältnismässig vertreten werden in Bern. Natürlich, die SVP ist wichtig für den Kanton Aargau, doch beide Sitze an die SVP zu vergeben, wäre nicht richtig. Damit wäre die Bevölkerung nicht gerecht vertreten.»

Doch wie soll es nun weitergehen? Um dies zu klären, trafen sich die beiden Politiker gestern Mittwochabend zu einer weiteren Aussprache. Doch das Resultat war so gross dann doch nicht: Füglistaller will sich nicht äussern und bestreitet, dass irgendetwas Neues herausgekommen wäre an der Sitzung. Auch Giezendanner erklärt, dass «ich und Lieni nie Krach miteinander hatten.» Die Sitzung sei «in friedlichen Bahnen verlaufen», so der Transportunternehmer. Weitere Gespräche würden nächsten Mittwoch wieder aufgenommen.

Giezendanner will Füglistaller dazu verpflichten, in jedem Fall in einem zweiten Wahlgang nicht mehr anzutreten. Füglistaller selbst denkt vorläufig nicht daran, ein solches Versprechen abzugeben. Zu gross ist noch immer seine Wut über den Ausschluss aus der SVP-Nationalratsliste.

Was passiert im zweiten Wahlgang?

Weiterhin unklar ist, wie es in einem allfälligen zweiten Wahlgang aussehen würde. Die meisten gehen zur Zeit davon aus, dass einzig Pascale Bruderer die Wahl im ersten Durchgang schaffen kann. Wird Füglistaller bei dieser Konstellation im zweiten Umgang nicht mehr antreten? «Das hoffe ich», sagt Giezendanner.

Doch Füglistaller will sich dazu partout nicht äussern: «Ich spekuliere nicht. Ich habe nur ein Gesicht, und das ist immer dasselbe. Die Wähler entscheiden am 23. Oktober, sollte es zu einem zweiten Wahlgang kommen, werde ich mich danach entscheiden und nicht vorher». «Das würde ich an seiner Stelle auch sagen», sagt Giezendanner, «diesen Trumpf würde ich auch im Ärmel behalten.»

Doch Giezendanner ist sich nicht sicher, ob es überhaupt zu einem zweiten Wahlgang und damit zu einem Showdown zwischen den beiden SVP-Männern kommen wird. Die repräsentativen Umfragen besagen, dass er hinter Egerszegi und Bruderer auf dem undankbaren dritten Platz liegt - bei zwei zu vergebenden Sitzen. «Bezüglich den Umfragewerten bin ich mir nicht mehr so sicher, denn im Duell aktuell habe ich im direkten Vergleich sowohl Egersegi als auch Bruderer übertrumpft. Dies ist auch eine klare Sprache.» Sollte es tatsächlich zu einem zweiten Wahlgang kommen, wisse er einzig, dass er «nichts verloren habe.»

«Giezendanner bleibt Giezendanner, alles andere ist Seich»

Eines aber hat der Tranportunternehmer schon jetzt aus seinem Wahlkampf gelernt: Künftig wolle er «nicht mehr so nett» sein. Zu Beginn des Wahlkampfs sei er zu zurückhaltend gewesen, was ein Fehler gewesen sei. Er habe merken müssen, dass im Wahlkampf gelogen wird, «dass sich die Balken biegen», und so habe er sich zurückbesinnt: «Giezendanner bleibt Giezendanner, alles andere ist Seich.»