In der kurzen Zeit seit dem Parteibeitritt vor zwei Jahren hat es Fabian Schütz bei der SVP Windisch an die Spitze geschafft. Nachdem er zuerst Vorstandsmitglied und Interimspräsident war, steht der 24-jährige Student seit der Generalversammlung im Februar der Ortspartei offiziell als Präsident vor. Wir treffen den Jungpolitiker in der Campus Cafeteria zum Gespräch, denn die Wirtin des SVP-Stammlokals musste den Gasthof Sonne im vergangenen Herbst aus gesundheitlichen Gründen unerwartet schnell schliessen.

Schütz studiert Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen (HSG). Momentan ist er damit beschäftigt, seine Bachelor-Arbeit zur umverteilenden Wirkung des viel diskutierten AHV-Steuer-Deals zu schreiben. Betreut wird er dabei von der gebürtigen Bruggerin Monika Bütler. Die HSG-Professorin ist Direktorin des Schweizerischen Instituts für Empirische Wirtschaftsforschung und seit 2010 Bankrätin der Schweizerischen Nationalbank. Wenn es die Zeit zulässt, arbeitet Schütz neben dem Studium bei einer Wirtschaftsberatung in Zürich. Auf das Bachelor-Studium soll, so der aktuelle Plan, ein Master-Studiengang folgen. Wenn Schütz keinen Termin an der HSG hat, ist er aufgrund der angenehmen Lernatmosphäre regelmässig im neuen Fachhochschul-Campus in Brugg-Windisch anzutreffen.

Interesse an Gemeindepolitik steigt

Aufgewachsen ist der Politiker in Windisch und in Hausen. Nach der obligatorischen Schule besuchte er die Kanti in Wettingen. Er hat einen älteren Bruder. Am Esstisch zu Hause sei zwar oft über nationale Politikthemen gesprochen worden, Parteimitglied sei aber niemand von der Familie gewesen, sagt Schütz. Sein Grossvater engagierte sich früher in der Energiekommission und seine Mutter ist seit Kurzem bei den FDP Frauen aktiv. «Je älter man wird, desto mehr interessiert man sich auch für Gemeindepolitik», stellt Schütz fest.

Als der heute 81-jährige Frederik Briner Anfang 2017 aus dem Einwohnerrat Windisch zurücktrat und bald darauf auch das Amt als Ortsparteipräsident niederlegte, brachte er die SVP in eine verzwickte Situation, weil sie keine Ersatzkandidaten hatte. Mit der Nachnomination von Fabian Schütz konnte der freie Einwohnerratssitz schliesslich besetzt werden. Angefragt hatte ihn Einwohnerrat Philipp Ammon, Sohn von Gemeindepräsidentin Heidi Ammon. «Ich bin mit Philipp befreundet und hatte ihm einmal gesagt, dass ich an einem politischen Amt interessiert wäre», erzählt Schütz, der sich keine andere Partei als die SVP für sein Engagement vorstellen könnte. Es seien die Grundwerte, die auch ihm viel bedeuteten: Milizsystem, liberale Wirtschaft, Föderalismus und Eigenverantwortung.

Eine E-Mail-Anfrage genügte

Schlag auf Schlag übernahm Schütz immer mehr Aufgaben: Einwohnerrat, Parteivorstand, Interimspräsident und einen Teil der Vorbereitungsarbeiten für das 100-Jahr-Jubiläum der SVP Windisch. Als Festredner für die Jubiläumsfeier am Freitagabend, 29. März, in der Dorfturnhalle konnte Schütz den Berner Nationalrat und nationalen Wahlkampfleiter Adrian Amstutz gewinnen. «Eine E-Mail-Anfrage genügte. Ich kenne ihn zwar nicht persönlich, habe ihm aber geschrieben, dass ich wie er in der Fallschirmaufklärer Kompanie 17 Dienst leiste.

Dann hat er sofort zugesagt», erzählt Fabian Schütz. Amstutz hat eine Carte Blanche für das Referat. Zum Essen gibts Raclette von Chäs-Ueli aus Windisch. Die junge SVP Aargau kümmert sich um den Service. Grussbotschaften überbringen Kantonalpräsident Thomas Burgherr, Gemeindepräsidentin Heidi Ammon und Einwohnerratspräsident Dave Roth (SP). Die Veranstaltung ist öffentlich. Eine Anmeldung braucht es nicht, ausser man möchte einen ganzen Tisch reservieren.

Mit diesem Anlass möchte die SVP Windisch laut Schütz zeigen, dass Ortsparteien wichtig sind. «Die Partei hat derzeit zirka 50 Mitglieder, darunter auch ein paar wenige ehemalige Windischer. Wir möchten die Leute motivieren, bei uns mitzumachen, damit wir bei den nächsten Wahlen eine möglichst grosse Liste präsentieren und den Wähleranteil erhöhen können», sagt Schütz. Denn bei den Gesamterneuerungswahlen im Herbst 2013 hätten die Wahlen in Windisch um ein Haar wiederholt werden müssen. Die SVP holte neun Sitze, hatte aber lediglich sechs Kandidaten auf der Liste.

Nur dank der Nachnomination von drei Männern konnten die Vakanzen rechtzeitig besetzt werden. Einer von ihnen war Pascal Schlegel. Der heute 24-Jährige ist aktuell Einwohnerratsvizepräsident und dürfte ab 2020 zum höchsten Windischer erkoren werden.

Die Suche nach Schulpflegern

«Wenn man sich wirklich bei jedem Geschäft einbringen möchte, ist die Politarbeit sehr aufwendig», sagt Schütz. In der Fraktion hätten sie sich aber die Themen gut aufgeteilt. Als besonders wichtig in Windisch erachtet Schütz derzeit die Schulraumplanung. Hier hofft er, dass bald eine gute Lösung gefunden wird, ohne den Kostenrahmen zu sprengen. Dazu müsse man vielleicht auch andere Investitionen etwas zurückstellen. Schütz will die SVP nicht als Nein-Sager-Partei verstanden sehen. Er erachtet es vielmehr als Herausforderung, zu guten Lösungen beizutragen und daneben den Kontakt zur Basis zu pflegen. Politik, sagt Schütz, sei für ihn ein andauernder Lernprozess, bei dem es den Handlungsspielraum auszuloten gelte.

Aktuell werden für die Schulpflege Windisch neue Mitglieder gesucht. Die SVP ist in diesem Gremium noch nicht vertreten. Macht die Partei bei der Kandidatensuche mit? «Ja», sagt der Ortsparteipräsident. «Wir haben geeignete Persönlichkeiten angesprochen, auch wenn sie nicht Parteimitglied sind. Leider haben wir noch keine Kandidaten gefunden.»

Mit Fabian Schütz, Pascal Schlegel und der 21-jährigen Naomi Rupp sind von den sieben SVP-Einwohnerräten drei unter 25 Jahre alt. «Wir sind eine junge Fraktion und sehr motiviert. Als Präsident erfahre ich eine grosse Wertschätzung, auch von den älteren Mitgliedern», sagt Schütz. In seiner Politkarriere hat er aktuell keine weiteren Ambitionen. Viel wichtiger ist ihm, sein Studium abzuschliessen und im Beruf Fuss zu fassen. Daneben sollte auch etwas Zeit zum Fallschirmspringen, Töfffahren und Lesen nicht fehlen.

Fabian Schütz steht für eine neue SVP-Generation. Anders als hemdsärmelige Politiker im Edelweiss-Tenue erinnert er eher an den smarten SVP-Fraktionspräsidenten Thomas Aeschi aus Zug. Politische Vorbilder hat Schütz keine. Er schätze verschiedene Persönlichkeiten in einzelnen Sachbereichen. Als er alt Bundesrat Christoph Blocher als Hauptredner am 1. August 2008 im Amphitheater auftreten sah, sei er 13 Jahre alt gewesen. Nicht im Traum hätte er damals daran gedacht, dass er eines Tages in der gleichen Partei wie Blocher politisieren würde.