Brugg

26 Jahre führte er das Vindonissa-Museum – nun geht René Hänggi in Pension

René Hänggi interessiert sich für die grösseren Zusammenhänge – wie hier anlässlich der «Röstigräben»-Ausstellung im Vindonissa-Museum im 2014/15. Archiv az

René Hänggi interessiert sich für die grösseren Zusammenhänge – wie hier anlässlich der «Röstigräben»-Ausstellung im Vindonissa-Museum im 2014/15. Archiv az

Der scheidende Museumsleiter René Hänggi erinnert sich im Gespräch mit der az zurück, was ihn damals an der Stelle im Vindonissa-Museum wirklich reizte.

Heute Abend findet im Vindonissa-Museum Brugg die Vernissage zur Sonderausstellung «Kampf um Neros Erbe – Die Helvetier zwischen den Fronten» statt. Die Idee dazu stammt von Museumsleiter René Hänggi.

Doch bei der Realisierung hat er nur noch am Rand mitgewirkt «als Assistent» von Projektleiterin Eva Oliveira. Hänggi steht kurz vor der Pensionierung. Sein Ziel ist es, nächste Woche sein Büro sauber aufgeräumt an seine Nachfolgerin Rahel Göldi zu übergeben. «Ich freue mich sehr auf den neuen Lebensabschnitt», sagt der gebürtige Baselbieter.

Umsichtig führte er während 26 Jahren das Vindonissa-Museum, das der Gesellschaft Pro Vindonissa gehört und vom Kanton betrieben wird. Als er am 1. Mai 1990 seine Stelle in Brugg antrat, habe ihn nicht nur die Museumsleitung, sondern auch die EDV und die Entwicklung der Datenbank gereizt, sagt Hänggi. «Ich hatte so die Möglichkeit, mich mit allen Aspekten der Archäologie zu beschäftigen.»

Nach dem Archäologie-Studium verdiente Hänggi sein Geld allerdings unter anderem zuerst in der Chemie – mit dem Waschen von Fässli. Erst später konnte er bei Grabungen an der Zürcher Mozartstrasse, in Winterthur und bei der Klosterkirche Königsfelden mitarbeiten. Sein grösster Erfolg war, als er in den 1980er-Jahren in Zurzach ein römisches Kastell fand.

«Bad Zurzach ist nach Brugg und Windisch mein drittliebster Ort im Aargau», sagt Hänggi mit einem Schmunzeln. In Zurzach finde man auf kleinstem Raum Spuren von den Römern bis ins frühe Mittelalter. Vor Brugg wirkte Hänggi ausserdem als Grabungsleiter in Augusta Raurica.

Da staunte der Brugger Stadtrat

Der 63-Jährige interessierte sich während seinem Berufsleben stets für den grösseren Zusammenhang und nicht in erster Linie für die einzelnen Fundstücke. Er will wissen, was die Menschen prägte, wie die verschiedenen Kulturen miteinander lebten und wie die Migrationsströme verliefen.

Dank neuen Erkenntnissen und besseren Grundlagen wurde der Auftritt des Vindonissa-Museums stets professioneller. Die Besucherzahlen schwankten während Hänggis Berufslaufbahn zwischen 3000 und 10 000. Die Schüler machten davon – je nach Ausstellung – zwischen 40 und 60 Prozent aus.

Als man vor über zehn Jahren feststellte, dass Objekte aus den alten Vitrinen gestohlen wurden, war es Zeit, das Museum zu sanieren und die Ausstellung neu zu konzipieren. Hänggi ist dem Brugger Einwohnerrat heute noch dankbar, dass dieser das Vorhaben einstimmig guthiess. «Das war ein Höhepunkt meiner Karriere», sagt er stolz.

Bei der Lancierung der Römerstrasse Neckar–Aare war der frühere Windischer Gemeindeammann Hanspeter Scheiwiler eine treibende Kraft. Da die Stadt Brugg eher passiv hinter der Römerstrasse stand, wurde Scheiwiler zum Vizepräsidenten erkoren. So kam es zur einzigartigen Situation, dass der die Sitzung leitende Windischer Gemeindeammann in Bruggs Partnerstadt Rottweil den völlig erstaunten damaligen Brugger Stadtrat Gregor Tomasi begrüssen konnte, so Hänggi.

Künftig in zwei Ländern zu Hause

Der Museumsleiter war auch mit von der Partie, als der Römertag und der Lateintag auf die Beine gestellt wurden. «Wir haben direkt vor unserer Haustüre ein geniales Kulturerbe, das dank den Habsburgern noch grösser wurde», schwärmt Hänggi. Dennoch verabschiedet er sich in diesen Tagen von allen archäologischen Aufgaben.

Auch im Brugger Vereinsleben will er sich nicht weiter engagieren, obwohl er stets begeisterter Fasnächtler war und auch bei «Brugg attraktiv», dem Vorläufer des heutigen Standortmarketings Brugg Regio, zum Startteam gehörte.

Wird René Hänggi Brugg also untreu? «Nein», sagt er. «Ich werde hier wohnen bleiben.» Künftig wird er aber zwischen Polen, der Heimat seiner Ehefrau, und der Schweiz pendeln. Zudem spielt er wieder vermehrt Gitarre – allerdings noch nicht so intensiv wie als junger Mann vor dem Studium, als er bis zu 15 Stunden am Tag musizierte.

Hänggi hat kürzlich entdeckt, wie reizvoll es ist, im Internet auf Wikiloops mit anderen Instrumentalisten aus der ganzen Welt Musik zu machen. Ob sich ein ähnliches Projekt auch in der realen Welt umsetzen lässt, würde ihn noch interessieren. Dass ihm der Abschied vom Vindonissa-Museum nicht schwer fällt, begründet Hänggi wie folgt: «Ich sehe, wie meine jungen Kollegen arbeiten und vorgehen. Die machen einen super Job.»

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