Villigen

Aargauer Start-up hilft bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff

Eldico-Gründer Gebhardt, Hovestreydt und Santiso-Quinones (von links) posieren stolz mit ihrer Erfindung.

Eldico-Gründer Gebhardt, Hovestreydt und Santiso-Quinones (von links) posieren stolz mit ihrer Erfindung.

Das Villiger Start-up Eldico Scientific hat ein neuartiges Analysegerät entwickelt. Sie versprechen einen Schub in die Suche nach einem Corona-Impfstoff zu bringen.

Weniges wird momentan so sehnlich erwartet wie ein Impfstoff gegen das Sars-CoV-2-Virus. Doch der Weg zu einem neuen Medikament ist lang: Normalerweise wird mit rund zehn Jahren gerechnet, bis ein neuer Impfstoff gefunden ist.

Das will das Aargauer Tech-Start-up Eldico Scientific ändern: Das im PSI stationierte Unternehmen möchte dazu beitragen, dass in die Suche nach einem Impfstoff mindestens drei Mal mehr Wirkstoffkandidaten einbezogen werden können – und so die Zeit für die Suche verkürzt wird.

Die Wissenschaftler, die ursprünglich aus Guatemala, den Niederlanden und Deutschland stammen, setzen dabei bei der Analyse von bereits bekannten Stoffen an. Dazu haben sie ein neuartiges Gerät entwickelt: einen sogenannten Elektronendiffraktometer. Dieser vereint zwei bereits existierende Technologien: einen Drehmechanismus aus der Röntgentechnik und die Analysemethode eines Elektronenmikroskops. Diese Kombination macht es möglich, millionenfach kleinere Kristalle zu analysieren als bisher. So soll der Aufbau von 30 Prozent aller Stoffe bekannt werden, statt nur jener von rund 10 Prozent.

«Für Pharmakonzerne ein Schnäppchen»

Die Analyse dieser zusätzlichen Stoffe soll einen Schub in die Suche nach einem Corona-Impfstoff bringen: «Mit unserem Gerät wird die Analyse eines Stoffes schneller und die Forschung insgesamt billiger, weil kleine Kristalle nicht vergrössert werden müssen, um analysiert zu werden», verspricht Eldico-CEO Eric Hovestreydt.

Bisher hat ein Elektronenmikroskop fünf bis sechs Millionen Franken gekostet. Kostenpunkt der neuen Erfindung: 1,8 Millionen Franken. «Für Pharmakonzerne ein Schnäppchen», wie Hovestreydt feststellt. An dieser Verbesserung interessiert sind verschiedene Kunden: Universitäten gehörten zu potenziellen Klienten, ebenso Pharmafirmen, sagt Eldico-Finanzchef Nils Gebhardt.

Erstes Gerät wird 2021 geliefert – an Schweizer Kunden

Bis der erste Elektronendiffraktometer beim Kunden im Labor steht, wird es aber noch eine Weile dauern: Noch ist das Start-up dabei, den ersten Prototypen zu bauen. Dieser Prozess wird den Rest des Jahres in Anspruch nehmen, bis das erste Gerät im Frühling nächsten Jahres vom Kunden eingeweiht wird. Diese erste Einweihung wird ein Meilenstein für das noch junge Unternehmen: Erst vor rund einem Jahr wurde Eldico Scientific gegründet, im Juni 2019.

Paper verdiente «Ritterschlag für wissenschaftliche Arbeit»

Die Gründung folgte auf die Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Papers, welches unter anderem von Santiso-Quinones und Eldico-Gründer Gunther Steinfeld am Paul Scherrer-Institut entstanden ist. Darin wird das Verfahren, das dem Elektronendiffraktometer zu Grunde liegt, zum ersten Mal beschrieben. Das Paper wurde vom Wissenschaftsmagazin «Science» mit dem Zertifikat «Durchbruch des Jahres» ausgezeichnet, «der ultimative Ritterschlag für wissenschaftliche Publikationen», so Santiso-Quinones. Auf der Basis dieses Papers wurde schliesslich Eldico gegründet und mit der Finanzierung des ersten Geräts begonnen.

Diese ist nun abgeschlossen – und dem Baubeginn steht nichts mehr im Weg. «Jetzt geht es daran, die Einzelteile richtig aufeinander abzustimmen, die Software einzustellen und schliesslich alles zusammenzubauen», erklärt Finanzchef Gebhardt. Danach folgt wohl bald die Einweihung, von der die Entwickler schon eine klare Vorstellung haben: «Am besten wird das Gerät mit Champagner und einem Tuch, das gelüftet werden kann, gefeiert.»

Das erste Villiger Analysegerät könnte in der Schweiz aufgestellt werden. Mit einem potenziellen Käufer steht Eldico bereits in Verhandlungen. Glaubt man dem Eldico-Team, wird man vom Start-up denn auch noch viel hören – läuft alles gut, wird vielleicht dereinst eine eigene Produktionsstätte aufgebaut. Dann sind die Elektronendiffraktometer nicht mehr nur «engineered in Switzerland» sondern sogar «made in Switzerland».

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