Der Parkdienst war nötig und funktionierte bestens. Bereits eine halbe Stunde bevor die «grösste öffentliche Wahlveranstaltung des Kantons» (Zitat Einladung) begann, war der Saal des «Ochsen» in Lupfig gut gefüllt. Der Securitas beim Saaleingang sorgte dafür, dass alles geordnet verlief. Die Feldmusik Lupfig unterhielt die Eintreffenden und schloss sinnigerweise mit der Hymne «We are the champions».

Gastgeber war Unternehmer Otto Suhner als Präsident der von ihm gegründeten und präsidierten Organisation «Perspective ch – Forum für Weltoffenheit und Souveränität». Wer für den Nationalrat kandidiert und gleichzeitig auch Mitglied in Suhners Forum ist, erhielt die Einladung in den «Ochsen» und geniesst zudem Suhners Wahlempfehlung, die in schönen Inseraten kundgetan und verbreitet wird.

23 Kandidierende erfüllten die Kriterien und erhielten das Aufgebot in den «Ochsen». Nach Parteien aufgedröselt ergab das die folgende Verteilung: 14-mal SVP, 6-mal FDP, 3-mal CVP.

Und da sassen sie denn nun aufgereiht nebeneinander und stellten sich in 90 Sekunden vor. Sie taten das unaufgeregt, gut vorbereitet und meistens innerhalb der vorgegebenen Zeit. Einzig Ueli Giezendanner wurde etwas laut. Er beklagte sich, die SVP habe am Vortag während der Asyldebatte in Bern während elf Stunden ständig «auf den Sack bekommen». Maximilian Reimann erklärte engagiert, warum es ihn und andere Senioren im Nationalrat braucht. Und Luzi Stamm freute sich, dass rechts von ihm nicht gleich die Wand kam, sondern dass da noch einer sass: Ständeratskandidat Hansjörg Knecht. Aber anständig waren sie alle und bedankten sich artig bei Otto Suhner für die Einladung und die Unterstützung im Wahlkampf.

Dann begann die Tour durch den «Ochsen»-Saal», die sich aber keineswegs als mühselige Ochsentour erwies. Denn im Publikum sassen lauter Sympathisanten, alle waren sich immer grundsätzlich einig. Es gab keine kritischen Fragen, aber viel Bestätigung. So setzten sich die 23 von Suhner ausgewählten Personen je an einen Tisch. Dann durften die Leute am Tisch genau fünf Minuten mit dieser Person diskutieren. Exakt nach 300 Sekunden blies der Trompeter der Feldmusik zum Wechsel; das Publikum durfte sitzen bleiben, die Kandidierenden wechselten die Tische. Dies nach einem ausgeklügelten Plan. Für die alten Hasen unter den Politikern ein vertrautes Prozedere. Ulrich Giezendanner etwa war bereits zum sechsten Mal dabei. «Aber diesmal garantiert zum letzten Mal», versicherte er. In vier Jahren wird Giezendanner nicht mehr antreten.

Die Einigkeit war gross. Alle wollten eine unabhängige, souveräne Schweiz, eine weltoffene und aktive Aussenwirtschaft, weniger Steuern, einen schlanken Staat, bessere Bedingungen für Unternehmer, keinen Beitritt in die EU, eine rigorose Flüchtlingspolitik, keine Energiewende, dafür eine starke Armee. Und baldmöglichst einen Ausbau der A 1 auf mindestens sechs Spuren.

Die Diskussion unter Gleichgesinnten bestätigte allen, dass man auf dem richtigen Weg sei. Das gab allen ein gutes Gefühl und ermunterte die Kandidierenden, sich für alle diese und noch viele weitere Anliegen weiterhin und höchst engagiert einzusetzen.

Dazu verteilten sie munter ihre Wahlunterlagen; Sylvia Flückiger verschenkte gar stilvolle kleine Massstäbe aus Holz. Und besonders clever ging Michelle Rütti-Kummli vor. Nach der Veranstaltung steckte bei allen Autos rund um den «Ochsen» ein Zettel unter dem Scheibenwischer. Was zuerst als Parkbusse erschien, erwies sich bei näherem Hinsehen als Wahlwerbung für ebendiese Michelle Rütti-Kummli aus Reinach, die, auf dem Bike sitzend, für mich durchstarten will.

Doch bevor der gut dreistündige Gedankenaustausch unter Gleichgesinnten zu Ende ging, brachte die Schlussrunde doch noch eine kleine Überraschung. Da sassen die Kandidierenden nämlich wieder aufgereiht nebeneinander. Sie mussten Fragen beantworten, ohne zu reden. Aufstehen bedeutete ja, sitzen bleiben hiess nein. Da gab es dann Lustiges zu sehen: Meistens standen alle gleichzeitig auf – oder alle blieben sitzen. Dann die kleine Irritation. Auf die Frage, ob eine 100 000 Mann starke Schweizer Armee ausreichend sei, blieben selbstverständlich alle sitzen. Ausser FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger. Die stand auf. Raunen im Publikum.