Schinznach

Als alle am gleichen Strick zogen, ging es vorwärts mit der Strickstrasse

Vor 20 Jahren kamen die ersten Ideen, vor acht Jahren wurde das Vorhaben wieder aufgegriffen. Nun war es so weit. Nach mehreren Anläufen und zähen Verhandlungen ist gestern die Einweihung gebührend gefeiert worden.

Welch ein Fest an diesem heissen Sommerabend: Im Beisein von vielen Gästen – unter ihnen Behördenmitglieder, Grundeigentümer sowie Vertreter von Planungs- und Baufirmen – ist gestern Freitag die neue Strickstrasse in Schinznach eröffnet worden.

Strickstrasse Schinznach: Einweihung mit Oldtimern und Dampfbahn.

Strickstrasse Schinznach: Einweihung mit Oldtimern und Dampfbahn.

Die Zahl der Fahrzeuge nehme zwar zu, aber nur selten könnten heutzutage zusätzliche Strassen erstellt werden, sagte der Schinznacher Gemeindeammann Urs Leuthard. Oder anders ausgedrückt: Eine Strasseneinweihung sei zu einem seltenen Ereignis geworden. Deshalb erfülle ihn das Projekt Strickstrasse mit Freude und Stolz. Geschaffen worden sei eine bessere Zufahrt ins Gewerbegebiet, unter anderem zum Gartencenter Zulauf.

Nicht alle waren begeistert

Die ersten Ideen für eine Erschliessung von der Kantonsstrasse her kamen vor rund 20 Jahren auf, blickte Leuthard zurück. Das Vorhaben wurde zurückgestellt, kam vor etwa acht Jahren aber wieder auf den Tisch.

Nicht überall stiessen die Pläne auf Begeisterung. Es habe zähe Verhandlungen gebraucht, es hätten diverse Bedingungen erfüllt und Kompromisse eingegangen werden müssen, sagte der Gemeindeammann.

Der Strassenbau schliesslich habe nur noch ein Jahr gedauert, die Arbeiten seien gut vorangekommen. «Ziehen alle am gleichen Strick, kann eine Strickstrasse realisiert werden», fasste Leuthard zusammen.

Durch die zusätzliche, 765 Meter lange Strasse könne dem Wunsch nach mehr Sicherheit für den Schulwegverkehr Rechnung getragen werden, fuhr Leuthard fort. Nicht zuletzt seien für die Amphibien ein Korridor erstellt und Ausgleichsflächen für die Natur geschaffen worden.

Kurz: «Wir konnten auf Mensch, Tier und Natur Rücksicht nehmen.» Für den Bau des Bözbergtunnels wird die Strickstrasse überdies als Baustellenzufahrt dienen.

Der Aargauer Baudirektor Stephan Attiger sprach von einem Musterprojekt. Strassen zu erstellen und zu unterhalten stelle eine grosse Herausforderung dar. Im Vorfeld müssten diverse Hürden genommen werden, die Bauphase verlaufe in der Regel reibungslos – wie bei der Strickstrasse.

Diese sei ein Beispiel dafür, wie das Siedlungsgebiet entlastet werden könne. Das Thema Erschliessung werde in Zukunft an Bedeutung gewinnen, zeigte sich Attiger überzeugt.

Oldtimer machen den Anfang

Beat Fehlmann, Leiter Region Mittelland bei der Baufirma Implenia, freute sich über die unfallfreie Bauzeit. Er lobte die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten – speziell gewesen sei die Situation mit mehreren Bauherren – und bedankte sich für das gute Einvernehmen mit der Nachbarschaft. Für sie habe sich der Alltag verändert, sie hätten Lärm und Staub in Kauf nehmen müssen.

Nach den Reden wurde das rote Band durchgeschnitten und zu den Klängen der Musikgesellschaft Schinznach-Dorf setzten sich die Oldtimer – Fahrzeuge der Marken Chevrolet, Dodge oder Ford – für eine erste Fahrt über die Strickstrasse in Bewegung. Ebenfalls zu einer Rundfahrt startete die Dampflokomotive der Schinznacher Baumschulbahn.

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